7.8.21 Ottonenlauf

Triebwagen der Harzer Schmalspurbahnen Richtung Harzgerode

Bereits zum 7. Mal bin ich bei diesem schönen Lauf im Harz mit dabei und werde Martina und Ute auf der 45 Kilometer langen Strecke begleiten. Wir parken in Quedlinburg im Ziel im Moorstadion und wandern zur Bushaltestelle. Dort treffen wir Gerd, der auch diese kostengünstige Möglichkeit (3,90 €) des Transportes zum Startort Alexisbad nutzt. Unterwegs kommen wir an Bad Suderode, Gernrode und Mägdesprung vorbei, Orten, die wir später laufend passieren werden. Um 9:10 Uhr steigen wir aus dem Bus. 2017 war die Startnummernausgabe beim Hotel Habichtstein, heute eine verlassene Baustelle. Wir finden dann doch den Ort des Geschehens, Trassierbandgewirr und zwei Tische mit den Startnummern direkt neben Straße und Schmalspurgleisen. Wir haben die Haftungserklärung, den Impfnachweis und den Gesundheitsfragebogen wie in der Ausschreibung genannt, dabei und erhalten rasch unsere Startnummern in XXL-Größe, die nicht so recht zur Anzahl der Teilnehmer (40) passt. Die Mehrzahl der Läufer rennt die 70 Kilometer Strecke, um noch mehr Harz zu genießen. Ein Läufer macht dann Ärger, er hat weder Maske noch die geforderten Unterlagen dabei, besteht aber auf Aushändigung der Startnummer, was ihm vom Race Direktor verwehrt wird. Übelste Beschimpfungen ausstoßend macht sich diese Person dann endlich vom Acker.

entlang der Selke, hier noch flussaufwärts

erster Anstieg

Als der Triebwagen vorbei ist, erfolgt um 10 Uhr der Start. Ein paar nette Worte und Hinweise auf nasse, glitschige Steinpassage, und es geht ganz entspannt (zumindest für unser Team) los. Über die Brücke und auf kleinen Wegen entlang der Selke. Bald zunehmend steil bergauf bis zu einem Aussichtspunkt ins Selketal.

Verlobungsurne

Hier steht eine große Vase auf einem Sockel. 1845 hielten sich im Ort 6 adelige Pärchen hier einige Tage auf. Als Dank für diesen schönen Aufenthalt spendete der Prinz Hugo von Hohenlohe-Öhringen (Württemberg) dieses Denkmal. Die 12 Vornamen der Beteiligten sind auf den Seiten des Sockels genannt. Im Volksmund wird die Vase „Verlobungsurne-2 genannt. Es allerdings nicht belegt, ob damals tatsächlich eine Verlobung stattgefunden hat. Nach einigen Fotos laufen wir hier auf der Höhe auf schmalen Pfaden herrlich auf und ab weiter. Immer wieder locken Aussichtspunkte wie Birkenhäuschen, Luisentempel, Friedensdenkmal und Köthener Hütte zu einem kurzen Stopp.

An der Köthener Hütte
Mägdetrappe = Absprungort der Riesin

An der Mägdetrappe mache ich wieder Halt. Ein Foto von der Stelle an der sich der Sage nach Folgendes ereignete: Ein Riesin wartete hier auf ihre Freundin aus Thüringen. Diese war nach ihrer Reise müde und bat die Wartende doch zu ihr hinüberzuspringen. Ein Bauer spottete über die zögernde Riesin. Diese schnappte sich den Bauern samt Pferdewagen, stopfte sie sich in die Schürze und sprang über das Selketal zu ihrer Freundin hinüber. Dort entließ sie den geschockten Bauern. Zurück blieb am Absprungpunkt ein Fußabdruck (Größe 64) im Fels.

Kopf einziehen

Es geht glitschig bergab, der Veranstalter hatte Recht! Gut aufpassen! Bald ein neuer Anstieg zu einem weiteren Highlight, dem Pioniertunnel. Hier hatten in 1900 Magdeburger Pioniere den Tunnel im Rahmen einer Übung in den Fels geschlagen. Heute eine schöne Passage des Wanderwegs Selketal-Stieg.

Entlang der Selke

Es gibt so viel zu sehen, dass wir nur langsam vorankommen. Allerdings ist das Motto unseres Teams Ute, Martina, Gerd, Frank und ich „Den Lauf genießen“, was wir ausgiebig tun. Im Ort Mägdesprung dann der erste VP, den wir gerne nutzen. Wieder über die Selke und nun laufen wir im Tal am Fluss entlang. Mal direkt am Wasser entlang, dann wieder ansteigend über eine Felspassage. Es folgt ein weiterer Tunnel, der Wanderweg ist ein Genuss! Allerdings fehlt leider die Schaukel, die noch im Prospekt des Selketal-Stieges beschrieben wird. Gerne hätte ich unsere Mädels einmal ordentlich in Schwung gebracht. Frank hat sich hier bereits von der Truppe entfernt.

Besonderer Verpflegungspunkt

Die Wege werden breiter und am Hammer IV, heute ein Café, befindet sich der zweite VP. Ein ganz besonderer, auf den ich mich bereits seit dem Start freue. Denn hier gibt es immer ganz leckeren, hausgemachten Kuchen, heute mit Kirschen. Die Stücke sind klein geschnitten, soo lecker, dass ich zu einem zweiten Stück greife. Mein Lob freut die Standbesatzung.

Verpflegung für alle Zwei- und Vierbeiner

Ab der Selkemühle wird das Tal breiter und der Wanderweg folgt nun einem breiten geschotterten Weg. Büsche bieten den Damen die Gelegenheit für eine kurze Pause. Anschließend beklagt sich Martina über sehr zudringliche Mücken. Gerd mit ganz trockenem Humor: „Wenigstens die Mücken mögen dich!“ Der Selketal-Stieg führt unter Kastanien durch Wiesen immer gleich dahin. Das wird bald etwas langweilig. Eine Engstelle, eine Brücke, auf der anderen Flussseite dann durch das nächste breite Tal. Martina meint zurecht: „Hier passt das Lied, über sieben Brücken musst du gehen, sehr gut“ Recht hat sie, nur, es sind mehr als sieben Stück. Dann der VP. Und nochmals 4 Kilometer Wiesenwege bis zum VP Thalmühle.

Herrlich!

Ab hier wieder auf schmalen Wegen, die ich liebe, am Fluss entlang. Ein Blick zurück und man sieht die Burg Falkenstein, die seit über 800 Jahren auf einem Felsrücken über dem Selketal thront und nie erobert wurde. Bald vorbei an einem in den Berg getriebenen Mausoleum und zum Schloss Meisdorf. Hier am VP hat Frank sich zu einer längeren Pause (bis später) niedergelassen.

Schloss Meisdorf

Das Schloss und das Schlossrestaurant sind geschlossen. Coronabedingt? Der Garten bietet einen traurigen Anblick. Statt gepflegter Gärten und Beete mit schönen Blumen wie früher, steht das Unkraut hüfthoch. Weiter nun leicht bergauf am nahe gelegenen Golfplatz vorbei, der weiter geöffnet ist. Die Hälfte unserer Strecke haben wir nun bereits geschafft. Weiter bergauf durch den Wald, über Wiesen und dann asphaltiert Richtung Ballenstedt. Noch ein Umweg über eine Wiese hinauf. Hier steht wie jedes Jahr ein echtes Anhalter Original und weist uns die Richtung. Er trägt mir Grüße für seine Frau auf, die 200 Meter weiter an einer Wegabzweigung auf einer Bank sitzt. „Hallo Bärbel, ich soll dir liebe Grüße von deinem Mann ausrichten!“ Wir lachen. „Bis nächstes Jahr“, verabschiede ich mich.

Martina macht Tempo
VP Ballenstedt

Wenig später erreichten wir den VP am See unterhalb vom Schloss Ballenstedt. Auch hier sind alle Helfer wieder unglaublich nett und gut drauf. Es gibt alles, was der Läufer so braucht. Ute macht noch einige Fotos vom See, dann ein Umweg zu einem Denkmal mit einem Löwen, dann noch diese riesige, uralte Eiche. Wenn diese so alt ist wie das Schloss, dann etwa 300 Jahre. Auch das Schloss kann ich nun sehen. Martina und Gerd verlieren wir hier, sie haben es eilig.

Uralter Baum

Löwe im Schlosspark

Nächster VP an einem Badesee. Der Osterteich. Ein ganz idyllischer Ort. Ute verspricht, wenn es nächstes Jahr heiß sein sollte, wird sie sich hier abkühlen. Versprochen! Also müssen wir nächstes Jahr hier nochmals laufen. Danach wieder ein Anstieg, wir überholen zwei Wanderer, die um 7 Uhr in Alexisbad starteten. Ein paar nette Worte, alles Gute und weiter. Es bilden sich dunkle Wolkenformationen. Ute meint, eine sieht aus wie Fuchur, der Glücksdrache, aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende. Sie hat Recht!

Badesee Osterteich

Am Ende des Anstiegs ein Schild, Aussicht 100 Meter. Den Umweg gönnen wir uns. Hier stehen Bänke, um den grandiosen Ausblick auf Gernrode und das Harzvorland zu genießen. Ich nutze die Gelegenheit, um die Gummibänder an den Gamaschen neu zu befestigen und die Schuhe zu leeren. Eine Salztablette, ein Schluck Wasser, ein Salzlakritz und die Aussicht aufnehmen. „Über sieben Brücken“, wie reimt doch Karat sehr weise:

„Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn
Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn
Manchmal ist man wie von Fernweh krank
Manchmal sitzt man still auf einer Bank“

Aussicht auf Gernrode

Ute macht noch zwei Fotos. Dann schnell den Wanderstempel Nr. 119 „Försterblick Gernrode“ auf die Startnummer gedrückt, dann müssen wir aber nun wirklich weiter. Übrigens: Wer alle 222 Wanderstempel sammelt, wird Wanderkaiser!

typisch für Bad Suderode

In Bad Suderode verlassen wir den Harz. Auf dem Marktplatz werden wir von der Helferschar begeistert begrüßt. Vermutlich haben sie mehr Helfer im Einsatz als Läufer am Start?! Alle haben ihren Spaß. Durch die Felder Richtung Quarmbeck. Nun beginnt der Radweg. Noch rund 3 Kilometer bis zum Ziel. Martina und Gerd sind auch auf der langen Geraden nicht mehr zu sehen. Wie meint Gerd später: „Ich wäre gerne einiges gegangen aber Martina hat mich immer vor sich hergetrieben!“ Ute nimmt sich auch am allerletzten VP noch die Zeit für einen kurzen Plausch mit den Helferinnen. Sie haben es sich verdient! Auch drei Kilometer gehen zu Ende.

fast geschafft

Stadioneinlauf. Eine Fanfare ertönt für uns. Hier werden auch die weit hinten Platzierten begeistert begrüßt. Gänsehaut. Martina macht das Zielfoto.

Medaillenübergabe

Ein schöner Lauf endet. Ulrich, Marion und Jochen sind die lange Strecke gelaufen und begrüßen uns. Schön, sie wieder zu sehen. Stefan Opitz, mein MUM-Mitstreiter, liegt auf dem Rasen, neben ihm der Pokal. Er hat den Lauf über 45 Kilometer gewonnen. Zeit: Unter 4 Stunden. Tolle Leistung, Glückwunsch! Unsere Zeit: Rund 6:30 Stunden.

Ein letztes Foto: Diese kleine Ente (am Wegesrand gesichtet) gab uns Kraft für die letzten Kilometer

Nach dem Duschen noch (je) ein alkoholfreies Weizenbier für alle und eine Boulette für Gerd und mich. Gerd wird später nach Langenhagen fahren und dort morgen den nächsten Marathon laufen. Kurz bevor wir abfahren kommt auch Frank ins Ziel. Herzlichen Glückwunsch!