2.10. Leinetal Ultra Running

Nicht meckern! – Laufen!

Beim MUM in Tschechien lerne ich Stefan Opitz (der Läufer, der während der Etappe auch mal eine Schwimmpause einlegt) kennen. Beim Ottonenlauf im August treffe ich ihn wieder. Er schwärmt von seinem Lauf im Leinetal, ein Ultra mit Aussichten. Ute und Martina sind auch neugierig und so melden wir uns an. Heute kommen wir um 7 Uhr in Northeim-Hillerse auf dem Kartoffelhof Köter an. Der Parkplatzeinweiser erklärt uns wo die Toiletten sind. Am Sportplatz. „Der ist da hinten, wo ihr die Flutlichtmasten seht!“ Der Gang zum Klo ist hier schon der erste Ultra des Tages! Dann zurück zur Scheune auf dem Hof, Startnummernausgabe bei Frank. Alles läuft ganz entspannt ab. Es ist eine kleine, familiäre Veranstaltung; von 40 gemeldeten Läufern werden heute nur 32 antreten.

Team Leinetal

Ein Foto vor dem Start, kurze Einweisung von Stefan, dann geht es los. Statt mit einer Pistole erfolgt der Start mit einem kleinen Feuerwerk. Es knallt und die Meute setzt sich in Bewegung. In das Leinetal. Bald überqueren wir die Leine. Hier ist Start/Ziel des Leine-Marathons von Michael.

Leine

An der Querung der B3 verlieren wir an der Ampel 2 Minuten und das Läuferfeld aus den Augen. Durch Sudheim und bald zunehmend bergauf. Ich erkenne einen Weg. Diesen bin ich schon einige Male bei Michaels Wieterberg-Marathon gerannt.

Ein Blick zurück ins Tal

Es geht nun meist bergauf oder bergab. Statt auf breiten Wegen sind wir oft auf kleinen Pfaden unterwegs. Mal Matsche, mal durch Gestrüpp, mal über Wiesen. Immer wieder belohnen Aussichtspunkte für die Mühen.

Und wieder eine Aussichtsbank

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Stefan viele Wege (Umwege) nur eingebaut hat, um uns wirklich alle schönen Aussichten (und Steigungen) ins Tal zu präsentieren. Wenig später sind wir bereits zum zweiten Mal von der Strecke abgekommen. Also wieder zurück! Die Kennzeichnungen der Strecke sind sporadisch da, oft stehen wir aber einer Kreuzung /Gabelung im Wald und können nur raten, wo es weitergeht. Auf der Homepage steht irgendwo „Orientierungslauf!“ Wohl war! Ein Läuferpaar, dass bislang unser Tempo läuft, verlieren wir hier aus den Augen. Die beiden haben sich wohl verlaufen.

Streckenmarkierung

Diese Streckenmarkierung finde ich richtig geil. U L, meine Initialen. Grandios! Inzwischen ist Ute unser Chef-Navigator. Sie hat den Track beim Komoot hochgeladen und führt uns (meist) sicher und mit der nötigen Autorität durch den Wald. „Da lang!“

steiler Anstieg

Ein Anstieg, der Weg wird immer schmaler. Bäume liegen im Weg. Kletten haben das Terrain besetzt. Wildschweine haben heute Früh hier bereits den Waldboden umgegraben. Martina, Ute und ich bewegen uns auf feindlichem Gebiet. Uns kommt die Begegnung mit den Wildschweinen beim Ballon-Ultra in den Sinn. Heute werden wir aber keinen Kontakt zu einem Keiler haben.

Herbstlich

Wir tapern weiter durch die Wiesen und die Wälder. Das Laub hat sich schon herbstlich verfärbt. Die Wege und Pfade sind so schön. Tausende laufen heute durch den Thüringer Wald mit Ziel Schmiedefeld. Wenige genießen diesen Trail durch die Berge rund um das Leinetal. Wir drei sind uns einig: „Hier ist es viel schöner!“ Wir nehmen den Wiesenweg, der bequem abwärts führt. „Halt, wir sind falsch, wir müssen zurück!“ Gut, dass wir Ute haben! Dennoch gesellen sich so einige hundert Meter (oder mehr?) zu unseren Kilometern hinzu.

Im Gleichschritt über die Höhe

Die Ausschreibung sagt 65 Kilometer, der Track bei Komoot ist aber 66,9 Kilometer lang. Das Ganze entwickelt sich zu einem Laufabenteuer! Stefan sagte am Start, dass sich der erste VP bei etwa Kilometer 10 befindet. Wir laufen durch das Dorf Bishausen. Mein Strava zeigt bereits Kilometer 12 an. Noch immer kein VP! Haben wir uns so verlaufen? Ist unser Track veraltet? Haben wir den VP verpasst?

Burgruine Hardenberg

Dann, etwa bei Kilometer 13 (unserer Strecke) erreichen wir den Verpflegungsposten. Es gibt alles, was man so braucht. Wir quatschen mit den Helfern, die unsere Zeiten und Startnummern notieren, und stärken uns ordentlich.

Felsformationen
Wappen

Wir umlaufen die Reste der Burg, die hoch oben über dem Tal thront. Bei einem Gewitter wurde sie zerstört. Die Grafen von Hardenberg bauten die Burg nicht wieder auf, sondern investierten 1710 neu in das Schloss Hardenberg im Tal. Dort wohnt man sicher auch bequemer als oben auf der Burg. Ein Pfad führt uns an den Felsen entlang und gibt den Blick frei auf die gräfliche Reitanlage der Hardenbergs, wo gerade das Turnier um die Goldene Peitsche ausgetragen wird. Finanziert wird vieles hochprozentig durch die Kornbrennerei Hardenberg (seit 1700) und eine Kooperation mit Underberg. Schaue ich mir das Wappen derer von Hardenberg an, sehe ich wieder wilde Schweine! Wir müssen weiter!

Wir laufen bergab durch den Wald und queren eine Straße. Dort steht – überraschend früh – der unbemannte VP mit Wasser und Schorle. Wieder steigt es an. Wieder ist Gehen angesagt. Das kostet wieder Zeit. Laut Ausschreibung gibt es am 6. VP, etwa Kilometer 53 eine CutOff Zeit von 9 Stunden. Eine Berechnung: Km 18 in 3h, Km 36 in 6 h, Km 53 in 9 h. Ein Blick zur Uhr: 18 Kilometer in 2:56 Stunden. Oha! Nur 4 Minuten Puffer! Wir müssen versuchen, mehr zu laufen. Ich treibe die beiden an. Auf den nächsten Kilometern verkneife ich mir Fotos. Immer wieder stellen sich uns Berge in den Weg.

Bergfried Burg Plesse

Der Anstieg zur Burg Plesse ist ein besonderer. Die Markierungen der Strecke enden am Radweg. Danach geht es aufwärts. Der schmale Pfad, den unsere Ute uns laut Track zuweist, ist gesperrt. Wegen Astbruch und anderer Gefahren. Uns egal. Wir kennen ja keine Alternative und es gibt keine Markierungen. Auch der nächste Weg ist gesperrt. Wir krabbeln unter und über querliegende Bäume. Wieder steil bergauf. Martina beschwert sich. Ich sage: „Nicht meckern, laufen!“ Endlich die Straße zur Burg. Oben nutzen wir nicht die Burgschänke, sondern den VP der windig direkt hinter der Burgmauer liegt. Danke an alle Helfer, hoffentlich gibt’s keine Erkältung.

Ausblick
Wehranlagen

Der Weg führt nun bergab. Sporadische Markierungen. Komoot (Ute) hat das Sagen! Es gibt parallele Wege, Stefan hat immer die mit den meisten Höhenmetern gewählt. Und wieder steil bergauf, wieder einmal! Dann laufen wir lange in eine Richtung, um später etwa 30 Meter unterhalb wieder zurück zu laufen. Kann das richtig sein? Ich frage ein Mädchen mit Hund. „Ja, hier sind vor langer Zeit bereits Läufer gewesen!“ Auf die Frage nach ‚langer Zeit‘ antwortet sie: „Etwa eine Stunde.“ Ja, schnell sind wir nicht!

die Sonne kommt heraus

Wir erreichen Bovenden, den südlichsten Punkt der Strecke. Die B3, die DB-Gleise, die Lippe und die A7 unter-/überqueren wir, um bald wieder in einen Wald einzubiegen. Schmale Pfade, die von Menschen wohl gemieden werden. Hier soll es wilde Tiere geben.

Wege, die die Natur sich zurückgeholt hat

Durch ein Loch im Zaun kommen wir auf ein ehemaliges Militärgelände. Vermutlich während des Kalten Krieges wurde hier eine ausgedehnte Bunkeranlage für Munition errichtet. Der Harz und die damalige DDR waren nicht weit entfernt. Genutzt wurde die Anlage wohl nie. Teilweise stehen die Türen der Bunker offen.

Bunker

Das Gelände ist aufgegeben. Der Asphalt ist kaum noch zu sehen. Die Natur obsiegt. Wir kämpfen uns durchs Unterholz. Ute nörgelt. Ich: „Nicht meckern, laufen!“ Wir müssen mehr laufen, sonst droht das Aus bei Km 53.

leicht ist anders

Nun muss bald die Bachquerung kommen. Etwa 4 Meter breit soll der Bach sein. Ich erzähle den beiden, dass ich Handtuch und Ersatzsocken dabei habe. Daran hatten sie nicht gedacht. Na, hoffen wir, dass es ohne nasse Füße gelingt. Ich schaue bei Strava nach. Kilometer 36, 5:34 Stunden. Somit 26 Minuten Reserve auf die CutOff-Zeit.

Einstieg zum Abstieg

Am Ackerrand entlang zum Bach. Gelbe Farbe markiert den Einstieg. Wir schauen es uns an. 3 Meter steil hinab zum Bach, in dem einige Stöcke liegen oder schwimmen. Danach geht es auf der anderen Seite genauso steil bergauf. Unsere Vorläufer haben alles schon ganz schön glatt gerutscht. Wir helfen uns gegenseitig hinab, um nicht ungebremst in den Bach zu landen. Unten diskutieren wir, welche Taktik wir anwenden wollen. Schuhe und Socken ausziehen? Wir wollen es mit Schuhen versuchen. Ich gehe voran, lege noch einen morschen Ast auf den wackeligen Untergrund. Arbeite mich bis zur Bachmitte (25 cm tief) vor. Die andere Bachseite ist steil, matschig und glatt. Ich fasse mir ein Herz und springe hinüber. Mit viel Glück rutsche ich nicht zurück und kann mich festhalten. Ich finde einen dicken Ast und lege ihn noch über den anderen in den Bach. Schade, dass wird dieses Abenteuer nicht filmen können. Martina folgt als Nächste. Erst halte ich sie mit einem Stock, nach dem Sprung mit der Hand. Ich muss kräftig ziehen, damit sie nicht zurück rutscht. Dann hat sie den Busch im Griff und hält sich fest.

Balanceakt

Nun darf Ute. Bachmitte. Sie will umdrehen und Schuhe und Socken ausziehen. Dann doch nicht. Sie arbeitet sich vor. Mit Mut springt sie ab, ist drüben – und rutscht zurück. Ich kann sie nicht halten und so gibt es doch einen nassen Fuß, bevor ich sie dann hinauf ziehen kann.

Ausstieg, Ute kann noch lachen

Die Markierung weist am Bach entlang, was gar nicht geht. Spuren unserer Vorgänger weisen hinauf und wir folgen diesen. Mit großer Kraftanstrengung kommen wir über die Kante. Wir krabbeln durch das Gebüsch und überwinden eine Brennnesselplantage. Wir gratulieren uns zu diesem gemeinsam überstandenem Abenteuer. Ein Abenteuer, dass wir sicherlich nicht mehr vergessen werden.

Technischer Halt

An einem Ackerrand steht ein ausgedienter Stuhl. Von Stefan? Genau passend für einen Reifen-, äh Sockenwechsel bei Ute. Nun kommt mein Handtuch doch zum Einsatz und eine Socke verleihe ich gerne. Ute genießt die trockene Socke und warme Füße. Wir haben soviel Adrenalin im Blut, dass wir nicht merken, dass wir falsch sind. Gut, dass Ute dies dann bald (nach 150 Metern) bemerkt. Wieder Extrameter. Am nächsten VP greifen wir ordentlich zu, wir haben Hunger und Durst. Inzwischen hängt Utes Handy am Tropf eines Akkus.

Im folgenden Anstieg sind wir uns einig: Der Rennsteiglauf ist gegenüber dem Leinetal UltraTrail schon etwas langweilig. Beim Rennsteiglauf gibt es auch ein CutOff bei etwa km 54 am Biathlonstadion von Oberhof. Cut Off. Ich informiere Ute und Martina über meine Berechnungen. Wir liegen nun nur noch 14 Minuten vor der erforderlichen Zwischenzeit. Martina hat schon den ganzen Tag Probleme mit dem drohenden Aus bei Km 53. Egal, wir müssen uns sputen. Was uns nicht gelingt, denn die Strecke ist gespickt mit kleinen und großen Anstiegen, die weitere Kraft kosten. VP 5, bei Kilometer 43 (mein Strava meldet 46 km). 10 Kilometer bis zum nächsten VP erklärt ein Helfer als wir gerade los wollen. Nun fällt Ute plötzlich ein, dass sie ihre Trinkblase noch nachfüllen könnte. Das dauert wieder!

Steinbruch

Dieser Streckenabschnitt hat es wieder in sich. Steigungen, Gefälle und Wurzeln ohne Ende! Am Steinbruch entlang, dann ein kurzes Stück auf allen Vieren hinauf. Danach wieder eine wunderschöne Passage auf Single-Trails.

Gipfelmarkierung

Immer im Auf und Ab. Eine Markierung kennzeichnet den höchsten Punkt. Dachte ich. Es kommen noch viele andere höchste Punkte, nur ohne Stein.

wunderschön!

Die Sonne kommt durch und verzaubert die Landschaft. Es macht so viel Spaß hier zu laufen! Irgendwann kommen wir dann an ein Gebäude auf der Höhe. Nun geht es hinab. Ein Blick zur Uhr, eine Rechnung: Wir liegen etwa 8 Minuten hinter der erforderlich Zeit zurück. Wieder im Wald unterwegs. Wo ist dieser blöde VP? Strava zeigt bereits 56 km an.

Nun dürfen wir uns Zeit lassen

Dann endlich, am Waldrand der Posten. Utes erste Frage: „Wir sind wenige Minuten zu spät dran. Werden wir nun aus dem Rennen genommen?“ Der Helfer: „Es gibt kein CutOff! Stefan hat gesagt, jeder der will darf weiterlaufen.“ Wir sind überglücklich! Und machen nun erst einmal Rast. Martina und Ute probieren die Krabben. Krabben beim Lauf? Darauf verzichte ich und greife zu bewährtem Haribo.

Noch etwa 10 Kilometer. Nun meist flach weiter. Im Ort Moringen muss ich ein Steinchen entfernen. Krämpfe im rechten Oberschenkel begleiten die Prozedur. Diese sind aber nach einigen hundert Metern Laufen wieder verschwunden. Unter der A7 durch und dann ein letzter heftiger Anstieg.

Letzter Anstieg

Scheiß Berge! Nicht meckern, Laufen, Uwe! Dieser Spruch begleitet uns nun schon seit Kilometer 20. Immer wieder! Und ich weiß, er wird uns nun auch bei weiteren Läufen begleiten.

Der Abstieg ist mit Trassierbändern bestens gekennzeichnet. Nur Ute will ihnen nicht folgen: „Der Track geht hier links ab über die Wiese, ist auch kürzer!“ Ok, artig folgen wir ihr. Der Weg (ist gar keiner) endet im Gebüsch. Dahinter ein Zaun. Dahinter ein Pferd, es wiehert. Könnte ich auch!! Wir müssen zurück, zurück zu meinen Trassierbändern. Meine Schuhe und Strümpfe sind übersät mit Kletten in allen Größen und Farben.

Nun nur noch hinab nach Hillerse und rechts ab zum Ziel. Feierabend! Applaus der wenigen noch anwesenden Finisher. Gegenseitiges Abklatschen! 11:09 h zeigt die Uhr und 68,3 Kilometer sowie 1689 Höhenmeter. Wir sind stolz, es geschafft zu haben. Wir danken den Organisatoren und allen Helfern für ihren Einsatz.

Unser Finisher-Preise: eine Urkunde und ein Sack Kartoffeln! Als wir uns frisch geduscht und und mit einer Bratwurst gestärkt auf die Heimreise machen, ist es fast dunkel. Wir hoffen, dass die beiden noch immer fehlenden Läufer eine Stirnlampe dabei haben.

Leinetal_Ultra_Homepage

11.9. Südthüringentrail in Suhl

Wie sich Helden in Riesen verwandeln

SÜDTHÜRINGENTRAIL – Der Trail mit HERZ
Der Wichtel ist das Symbol dieses Laufes (Motiv Veranstalter)
Teuto Run & Fun Logo
Mit den Bielefeldern auf Tour (Logo des Lauf- und Walkingtreffs)

Anreise per Bus mit den Organisatoren des Vereins Run und Fun Bielefeld, Sonja und Detlef Kley, sowie weiteren 23 Läufer/innen. Abholen der Startunterlagen und um 19:00 Uhr, danach gibt es Essen im Restaurant des Hirschen. Hier werden Erfahrungen der Vorjahre ausgetauscht und der Wetterbericht studiert. Mir bleibt in Erinnerung, dass es 2 Skipisten geben wird. Eine im Aufstieg und die andere im Abstieg. Eine schwarze Piste soll dies sein. Das Wetter bleibt wohl bis 11 Uhr trocken danach kann mal ein leichtes Schauer runterkommen. Schon früh versuche ich zu schlafen, denn bereits um 4:30 Uhr wird uns der Bus zum Start fahren. Es gibt drei Starts: der Heldentrail über 65 Km mit Startzeit um 5 Uhr, der Riesentrail über 48 Km um 7 Uhr und der Wichteltrail über 17 Km um 9:30 Uhr.

Laut Diagramm geht es entweder hoch oder runter!
Einfädeln und dann sofort ordentlich bergauf

Am Samstag sind alle angehenden Helden und Frühstarter der Riesentrailstrecke pünktlich im Bus. Sie haben ähnlich wenig geschlafen wie ich. Niemand möchte verschlafen. Taschenabgabe mit Wechselklamotten für später in der Halle am Startbereich. Auf zum Start, Natascha und Ute , meine Mitläuferinnen suchen. Übrigens, Suhl liegt etwa 420 Meter über NN. Ich begrüße noch kurz Ralf sowie Marion und Jochen Konradt, dann geht es schon los. 299 Stirnlampen setzen sich in Bewegung, welche schon nach 500 Metern abrupt endet, da es nun einspurig wird. Wie auf der Autobahn heißt es Geduld haben beim Einfädeln. Danach geht es aufwärts. Gefährliche Eisenstangen (hielten vor Jahren wohl heute verwitterte Treppenstufen) sind mit Farbe gekennzeichnet. Es geht weiter ordentlich bergauf. Erste Regentropfen fallen. Der Wetterbericht? Wir laufen in den Wolken. Der Regen wird stärker, es gießt, also Zeit für meine Regenjacke. Natascha und Ute tun es mir gleich. Wir wollen dieses Abenteuer gemeinsam bestehen. Die Wolken, oder ist das Nebel, nehmen zu. Die Stirnlampe dringt teilweise gar nicht durch. Wir kommen nur langsam voran. Auch, wenn es einmal flach dahin geht, folgt bald der nächste Anstieg. Endlich, ganz oben endet die Steigung am Bismarckturm (675 NN). Ein Helfer weist mir den Weg, rechts ab und sofort beginnt das kräftige Gefälle. Bäume liegen quer über dem Weg, Steine und Wurzel ragen aus dem Boden. Höchste Konzentration! Wer hat sich diese Strecke ausgedacht? An den Bäumen sind kleine Reflektoren angebracht, so dass ich die Strecke gut finde. An neuralgischen Punkten weisen Helfer den Weg.

VP an der Ottilienkapelle

Am ersten VP haben wir bereits 1:35 Stunden auf der Uhr. Die Cutoff-Zeit beträgt 9 Stunden für 48 ‚Kilometer, das wird knapp! Wir sind auf dem Domberg einer Felsformation auf der sich die Ottilienkapelle befindet. Bergleute sollen deren Vorläufer bereits vor vielen hundert Jahren hier (auf 550 NN) errichtet haben. Die Helfer am VP sind mega nett! Wir machen eine ordentliche Brotzeit, müssen dann aber doch weiter. Der Regen lässt nach.

Blick hinab auf Suhl in der Morgendämmerung

Nun hinab über völlig ungleiche, gefährliche Stufen hinab nach Suhl, wo wir nach wenigen Schritten in der Ebene gleich wieder auf der anderen Seite des Ortes auf einen Fußweg bergauf geschickt werden. Puh, das ist schwer! Und jede Bergabpassage muss ich nutzen, um Kräfte für den nächsten Anstieg zu sammeln. Nach einer Straßenquerung erwartet uns nasse Helden ein Fotograf.

Aufstieg über eine Skipiste!
Dieser Skiläufer ist hier besser aufgehoben als ich

Bald wieder bergauf bis es links ab geht. Hier ist nun der berüchtigte Anstieg, eine Skipiste hinauf. Zwischendurch muss ich mehrere Pausen einlegen und die Stöcke voll einsetzen. Alter Schwede! Aber jede Steigung endet. Oben eine geschlossene Baude. Und ein hölzerner Skifahrer. Wir sind durchgeschwitzt und machen eine Pause.

Wenn es eben ist, wartet Matsche auf uns

Ein Blick zur Uhr: Wir sind nun bereits etwa 3 Stunden unterwegs und haben satte 14,4 Kilometer geschafft. Hochrechnung: 9:30 bis 10 Stunden für die Strecke bis zum Start/Ziel-Bereich bei Kilometer 48. Cut Off Zeit dort 9 Stunden. Wer später kommt, darf den Wichteltrail nicht mehr laufen, wird allerdings als Finisher des Riesentrails gewertet. Die Frage ist also, schneller laufen und weniger Pausen machen, um die 9 Stundengrenze noch zu unterbieten, oder wie bisher weiterzumachen. Wir sind uns schnell einig. Genuss statt Stress! Gut so!

Tolles Angebot und super nette Helfer!

Bei Km 16,2 erreichen wir den 2. VP an der Hütte am Wimbachbrunnen (800 NN). Hier gibt es wieder alles, um verlorene Energie nachzutanken. Wir machen uns an den nächsten unwegsamen Abstieg in ein schönes grünes Tal. Auf halber Strecke passieren uns hochkonzentriert und mit schnellen, sicheren Schritten die 3 Führenden des Riesentrails. Wir können nur staunen.

Im Tal unter den Wolken
mühsam bergauf

Im Tal (630 NN) angekommen, führt der Weg gleich wieder aufwärts. Über einen Bach und weiter steil bergauf. Eine Quälerei. Die Oberschenkel qualmen. Oben tauchen wir wieder in die Wolken ein. Ich bin froh, dass wir uns für nur 48 Kilometer entschieden haben. Was für eine Strecke!

Ute hat noch Zeit für diesen Schnappschuss
das sagt alles!
Der Weg ins Nichts, nun etwa 600 Meter und 230 Höhenmeter steil hinab

Als wir die Höhe von 830 Metern erreichen, wird es flacher. Masten von einer Seilbahn (der Skilift Goldlauter) tauchen auf, und ein Schild: „Sagenhaft! Steilster Skihang Thüringens“. 100 Meter weiter, geht unsere Strecke nun diese schwarze Piste hinunter. Wir stehen am Rand und keiner will voraus gehen. Alter Schwede, ist das steil! Dann teste ich doch, ob und wie meine Schuhe hier Halt finden. Es geht, im langen Gras kann ich rutschfrei bergab gehen. Andere liegen ab und zu auf dem Rücken oder dem Po. Einige hopsen, andere gehen seitwärts, hier muss jeder seine Technik finden. Meine Oberschenkel sind stark gefordert. Wir kommen letztlich unverletzt unten an und blicken zurück. Von unten sieht es gar nicht so steil aus.

gleich geschafft
so sieht es hier im Winter aus

Schnell wird uns klar, es geht nun wieder bergauf. Umschalten in den Bergauf-Modus. Steil geht es hinauf. An jedem Wegekreuz stehen Wegweiser. Und jede Ecke hat einen Namen. Hansenrod auf 730 Metern ist so ein Punkt. Es geht weiter bergauf. Immer weiter. Alter Schwede.

Mordfleck, links ab

Nächster Wegweiser bei Hirtenrod 850 über NN. „Mordfleck 0,5 Km“. Ich könnte mir vorstellen, dass so mancher Läufer die Streckenverantwortlichen ermorden könnten. So eine Schikane! Ab dieser Stelle geht es leichter weiter. Es wird flacher und es gibt endlich einmal Wege, die ich wieder laufen kann. Das lockert die Muskulatur. Dann biegen wir wieder auf schmale Wurzelwege ein. Ein Gipfelweg führt uns zu einem Gipfelkreuz mitten im Wald.

Endlich laufbare Weg
Herrlicher Weg

Eine Straße und auch der Rennsteig wird überquert. Wir sind etwa 6 Stunden unterwegs, als sich endlich die Sonne zeigt. Es geht bergab. Ein Hinweisschild weist auf die nahe Teufelskanzel hin. Sie liegt nur 20 Meter neben der Strecke. Natürlich müssen dorthin und ein Foto schießen.

Blick von der Kanzel
Uwe mit seinen Engeln auf der Teufelskanzel

Weiter zum Schneekopf und hinauf zum Schneekopfturm. Hier oben sind wir wieder in den Wolken und es weht eine unangenehmer Wind. Die neue Gehlberger Hütte ist leider geschlossen, das Wetter zu schlecht.

Schneekopfturm auf 980 Metern Höhe

Die Stadt Oberhof wirbt für diesen Ort mit einem tollen Foto mit blauem Himmel und dem Text:

Sie müssen nur 126 Stufen überwinden um vom Aussichtsturm auf dem Schneekopf die Aussicht auf den Thüringer Wald aus 23,83 m Höhe, also aus 1001,11 m ü. NHN zu genießen. Sport mach hungrig – für das leibliche Wohl sorgt die Neue Gehlberger Hütte, die am höchsten gelegene bewirtschaftete Hütte und Wanderherberge Thüringens mit 964 m üNN.

Nun haben wir also den höchsten Punkt der Strecke passiert. Wir können nun laufen, mit leichtem Gefälle. Das tut so gut! Wir kommen vorbei an mehreren Schnitzereien.

Immer wieder stößt man auf Holzschnitzarbeiten
Der hat doch Ähnlichkeit mit Detti, oder?
Verpflegung am Adler

Lange 16 Kilometer hat es gedauert bis wir um 12 Uhr den 3. VP am Adler erreichen. Zeit für eine ausgiebige Rast. Wir erfahren von einem Helfer, dass der Sieger des Riesentrails wohl schon im Ziel ist. Er soll etwa 4:40 Stunden für die Strecke benötigt haben. Unfassbar! Ich rechne hoch, wir werden doppelt so lange brauchen. Allerdings haben wir auch mehr als doppelt so viel Spaß! Natascha und Ute stimmen mir zu.

Schöne Aussichten belohnen für die Quälerei

Immer wenn ich denke, nun geht es ja wohl viel bergab, biegen wir wieder von den breiten Schotterwegen ab auf schmale Pfade ich den Wald. Erst fein eben dahin und dann wieder aufwärts.

Wer hat sich diese Schikane ausgedacht?

Ein roter Pfeil zeigt senkrecht nach oben. Da müssen wir hinauf. In leichter Kletterei schaffen wir es. Das macht mir sogar Spaß! Wenn ich den Wegweiser richtig deute, heißt diese Stelle „Triefender Stein“.

wir schweben dahin
Alte UltraLäufer-Erfahrung: Immer wenn man einen Bach erreicht, wird es danach bald wieder aufwärts gehen

Danach nun aber eine lange Gefällpassage hinab. Über eine Brücke. Auf und ab. Weiter zu einer Bundesstraße. Hier hören wir bereits laute Musik, denn der 4. VP ist nicht mehr weit entfernt.

Letzter VP für uns

Der Sprecher begrüßt uns frenetisch. Wir greifen bei dem umfangreichen Angebot des VP gerne zu. Es gibt auch Bier, mit und ohne. Die Musik wechselt zu Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York…..“

Wir haben Spaß!

Ein Rhythmus, der die Mädels zum Tanzen bringt. Der Sprecher schließt sich begeistert an. Ich sage ihm, dass wir nicht die schnellsten aber wohl die lustigsten Läufer sind. Ein Video wird aufgenommen. „Kein Wunder, dass ihr die Cut Off Zeit nicht schafft“, ruft der Sprecher lachend. Der Song läuft fast 4 Minuten. Dann müssen wir aber wirklich weiter.

Es bleiben noch 9 Kilometer, die sich ziehen. Oben am Berg hören wir bereits den Sprecher im Ziel, allerdings müssen wir noch einen schönen Umweg laufen, bis es endlich auf einem feinen Grasweg in der Sonne zum Ziel geht. Gemeinsam laufen wir ins Ziel und werden dort von den Laufkollegen mit viel Applaus empfangen. Wir sind glücklich, es geschafft zu haben. Und die Entscheidung, vom Helden- auf den Riesentrail zu wechseln, war goldrichtig.

Endlich hinab zum Ziel
glücklicher Finisher Riesentrail

Zeit für Fotos im Ziel. Rückgabe des Transponders, Abholen des Finisher-Shirts und meines Kleidersacks. Danach umziehen und erst einmal ein alkoholfreies Bier genießen. Die Thüringer Rostbratwurst schmeckt mir auch sehr gut. Es dauert noch etwa, aber dann kommen sie.

Glückliche „Jubilare

Unsere Lauftreffchefs. Sonja und Detlef werden herzlichst von allen im Ziel begrüßt. Sie haben heute beide ihren 100. Marathon gefinisht. Herzlichen Glückwunsch! Wenig später macht sich der erste Sektkorken auf in die Erdumlaufbahn. „Prost und Glückwunsch!“ Ein Blick auf die Ergebnisliste zeigt: Von den 299 gestarteten Heldentrailläufern haben 8 ein DNF und 49 haben sich unterwegs für die Verkürzung auf 48 Kilometer Riesentrail entschieden. Diese 49 werden in einer gesonderten Liste geführt.

Reisegruppe mit allen Wichteln

Am Sonntag geht es nach einem Abstecher nach Eisenach mit Besichtigung der Wartburg zurück nach Bielefeld. Hier endet um 18 Uhr eine sehr schöne Tour.

28.8. Südtirol Ultra Skyrace

Alle Infos und Grafiken c0pyright des Veranstalters.

Link zum Veranstalter: Skyrace

28.8.2021 Das Laufabenteuer

Um 6:22 Uhr fahre ich mit dem Bus von Sarnthein nach Bozen, als einer von 10 Läufer/innen, die auch Sarnthein als idealen Ausgangspunkt gewählt haben. In Bozen meint es der Busfahrer gut mit uns und fährt an der passenden Haltestelle vorbei. Ist aber egal, denn bis zum Start um 7:30 Uhr ist noch reichlich Zeit. Vor Ort Kontrolle meiner Corona-App. Der Rucksack wird nicht auf die vielen geforderten Dinge geprüft. Die „schnellen Hirsche“ haben sogar nur Getränke dabei. Pünktlich erfolgt der Start. Erst entlang des Flüsschens Talfer und dann bald hinauf. Die Oswaldpromenade entpuppt sich als eine langgezogene Steigung, die in Serpentinen den Berg hinaufführt. Gut, dass ich meine Stöcke dabeihabe. Erst durch die Weinberge, dann durch den Wald.

Oswaldpromenade durch die bozner Weinberge
Nun auf dem Wanderweg Nr. 2 steinig bergauf

Schon bald habe ich dem Läuferfeld klargemacht, dass hier und heute nur einer Letzter werden kann: Ich! Doch dann überhole ich zwei Läufer, die verschnaufen müssen. Dahinter folgen bereits zwei Helfer, die die gelben Markierungs-Fähnchen einsammeln. Ich schnaufe ordentlich, während die beiden sich angeregt unterhalten! Wenig später schließe ich zu zwei Frauen auf, die in etwa mein Tempo gehen. Sie sind bereit, mich mitzunehmen. Danke sehr! Meine Befürchtung, dass wir es nicht in 6 Stunden bis zum Rittner Horn schaffen, wird gleich zerstreut: „In etwa 4:30 bis 5 Stunden werden wir dort sein!“ Diese Info ist für mich eine große Erleichterung, da ich es gar nicht einschätzen konnte.

Judith und Doris

So zu dritt geht es leichter, da wir uns angeregt unterhalten. Doris wohnt in Sarnthein, kennt hier jeden Steig und Judith aus der Nähe von Karlsruhe war hier bereits einmal am Start. Das Tempo ist moderat aber gleichmäßig. Wo immer es geht, wird gelaufen. Es geht nicht oft! Wir erreichen Oberbozen, wo es eine Verpflegungsstelle mit Gels, Riegeln, Waffeln und Wasser gibt. Ich nutze diese ausgiebig.

Maria Himmelfahrt – Zeit für ein stilles Gebet
Oberbozen mit Blick auf den Schlern
tolle Wegeführung

Wir drei verstehen uns gut und haben viel Spaß und gute Laune. Aus Fremden werden bei einem solchen Lauferlebnis Freunde, Lauffreunde. Wir teilen die Erlebnisse, die Quälereien, die sagenhaften Ausblicke, die Herausforderungen und die Freuden, wenn wieder ein Anstieg erfolgreich gemeistert wurde. Wir bleiben heute bis Km 25 auf dem Fernwanderweg E 10, der in Bozen endet. Da ich immer interessiert bin, habe ich den E 10 gegoogelt:

Der E10 nimmt seinen Ausgang in Nuorgam/Finland führt über Lahti zum Kap Arkona auf Rügen/Deutschland, von wo aus er über Stralsund nach Süden durch das Seengebiet Mecklenburgs und Nordbrandenburgs führt. Berlin umgeht der Weg über Potsdam und gelangt in die Niederlausitz, wo der Spreewald durchquert und in der Oberlausitz das Mittelgebirge erreicht wird. Über das Lausitzer Gebirge und das Böhmische Mittelgebirge erreicht der E 10 die Moldau und folgt ihr bis Prag und Budweis in den Böhmerwald, in dessen österreichischem Teil er in das Mühlviertel gelangt. Ein Wegast verläuft nun als Inn-Salzach-Variante nach Salzburg, der Hauptweg hingegen durch den Hausruck und den Kobernaußer Wald und über den Gaisberg nach Salzburg. Nun strebt der Weg durch das Berchtesgadener Land zum Steinernen Meer und zum Hundstein, hinab nach Taxenbach, sodann hinauf ins Rauriser Tal und hinüber ins Gasteiner Tal, von wo aus die Hohen Tauern überschritten werden. In der anschließenden Reißeckgruppe setzt sich der Weg weiterhin durch hochalpines Gelände fort, ehe er hinunter nach Spittal an der Drau verläuft und sich in den Gailtaler- und Karnischen Alpen fortsetzt, hinüber in das Pustertal führt, den Sarntaler Alpen zustrebt und schließlich sein Ziel in Bozen erreicht, wo er vorläufig endet. (Quelle: Alpenverein)

Kurz vor der Talstation der Bergbahn erwartet Christian, ein guter Freund von Doris auf uns. Gemeinsam geht es bis zum großen Parkplatz, wo auch der VP ist. Es gibt Cola, nur Cola! Gerne hätte ich meine Flaschen mit Wasser aufgefüllt, so müssen die restlichen 0,3 Liter für die nächsten rund 700 Höhenmeter ausreichen. Wir verlassen die Straße und quälen uns bergauf, Schritt für Schritt, step by step.

Auf dem Weg hinauf zur Bergstation der Rittner-Bergbahn

Wolken wechseln sich mit Sonne ab. Für das Foto vom Aufstieg passe ich eine kurze sonnige Phase ab, denn danach werden wir unter den (dunklen) Wolken laufen. Die Aussichten entschädigen für die Quälereien. Wir erkennen die Geisler Spitzen, Lang- und Plattkofel, die Seiner Alm, den Schlern, den mächtigen Sella Stock und auch die Rosengartengruppe. Diese Dolomiten liegen nur wenig entfernt und sind dennoch durch das tiefe Eisacktal nicht schnell erreichbar.

Aufstieg zum Rittner Horn

Inzwischen sind wir ruhiger geworden. Sowohl bei den Gesprächen wie auch beim Steigen. Es ist steil! Nun muss jeder sein eigenes Tempo, seinen Rhythmus, gehen. Oben am Horn werden wir uns wieder sammeln. Ein Mann wartet im Anstieg. Wenig später erfahre ich, dass es Judiths Mann ist, der seine Liebe nun ein Stück begleitet. Es fallen einige wenige Graupel aus graudunklen Wolken. Nur einige! Eine Läuferin, die wir bereits überholt hatten, schließt sich uns an. Veronika kommt aus Ritten, dem Ort, der dem Rittner Horn seinen Namen gab. Sie kennt hier also auch (fast) jeden Stein. Aus einem Trio wird ein Quartett. Endlich sind wir oben. Und ja, sie hatten Recht, meine Uhr zeigt 4:46 Stunden. Deutlich vor dem Cut Off! Meine Beine sind gut, ich weiß nun, dass ich es schaffen werde!

schöne Aussicht vom Rittner Horn auf die Dolomiten
Hier oben gibt es eine Wetterstation und die bewirtschaftete Hütte

Hier oben auf 2261 Metern Höhe ist es frisch. Am VP ist Zeit zum Auffüllen meiner Trinkflaschen, für Apfelstückchen und für 6 Kekse – einfach lecker! Wir erfahren, dass der erste Mann in etwa 4:05 Stunden bereits das Ziel erreicht hat! Die erste Frau wird etwa eine Stunde später im Ziel sein. Unfassbar!!! Beide stammen aus der näheren Region, aus Gröden und Lana.

Danach gehe ich ein Stück weiter, raus aus dem Wind, hinter einen Felsen. Es ist zwar kalt, aber von den niedrigen Temperaturen um 0 und dem eisigen Nordwind gibt es keine Spur. Dennoch tausche ich die nassen Shirts gegen neues Shirt und Windjacke. Dann muss ich los, meinen drei Damen hinterher. Kaum bin ich 100 Meter gelaufen, ist der Wind weg und die Sonne zeigt sich ganz kurz. Plötzlich warm, das gibt’s doch nicht! Ich zweifle an meiner Entscheidung. Egal! Weiter!

über Hindernisse

Es folgt eine längere Laufpassage (1 Kilometer), danach geht es über Wiesen und immer steiler bergauf Richtung Sartner Scharte, dem Hausberg von Sarnthein.

Die Scharte ist schon zu erkennen
meine Begleiterinnen
Der heftige Anstieg hinauf zum Sattel
Notfall-Biwak auf dem Sattel – endlich oben

Hier oben warten Bekannte der einheimischen Läuferinnen und es gibt eine Extra-Versorgungsstelle. Es gibt Kuchen und auch gekochte Eier sind zu haben.

verdientes Picknick nach dem langen Aufstieg

Nach der Pause geht es weiter bergauf zur Sartner Scharte. Stellenweise ziehe ich mich an Sicherungsseilen die steilen Passagen empor. Dann stehe ich endlich an der höchsten Stelle der Strecke. Die Strecke führt nicht über den Gipfel, sondern etwa 50 Meter entfernt über die Schulter. Aber ich folge den großen Steinmännchen und stehe bald am Gipfelkreuz. Diesen Ausblick will ich mir nicht nehmen lassen.

Mächtige Wegweiser!
Sartner Scharte Gipfel auf 2.468 Meter NN
KM 30 Aufstieg zum Villandersberg

Bald ist Kilometer 30 erreicht. Ein weiterer Gipfel wird in einiger Entfernung passiert. Nun soll es nur noch hinab gehen. Inzwischen ist ein Helfer hinter mir unterwegs und sammelt die Markierungen ein. Ich frage nach dem hinter uns liegenden Läufer. Seiner Info nach sind wir die letzten, andere haben wohl aufgegeben.

Totensee

Es geht felsig hinab. Nach dem Totensee folgt das Totenkircherl. Infos hierzu: Wahrscheinlich wurde das Kirchlein von ehemaligen Bergknappen errichtet. Auf der Sarntaler Seite war bis ins 16. Jahrhundert ein Bergwerk in Betrieb.“Am Toten“ sollen sich laut einer Sage während der letzten Pestepidemie einige Villanderer zurückgezogen haben. Die Kapelle am Übergang vom Eisacktal ins Sarntal liegt auf dem Hochplateau der Villanderer Alm. (Quelle: Sentres)

VP am Kircheneingang

Am letzten VP an dieser Kirche stärken wir uns und können schon den weiteren Streckenverlauf hinab Richtung Ziel erkennen. Wir sehen aber auch ein Schauer aufziehen und entscheiden uns zum sofortigen Start.

Mitten im Graupelschauer

Das Schauer ist schneller. Ein heftiges Graupelschauer verklopft uns. So schnell wie es kommt, so schnell ist der Hagel nach 5 Minuten auch wieder vorbei. Das Schauer zieht hinauf, genau dort hin, wo wir herkamen. Glück gehabt!

Wir passieren eine Gedenkstätte für einen hier verstorbenen noch jungen Mann. Doris erzählt: „Auf einer Mountainbike-Tour hielt ihm sein bester Freund das nahe gelegene Gatter auf. Nachdem er es verschlossen hatte, konnte er seinen Freund nicht mehr sehen. Er fand diesen dann an dieser Stelle leblos. Verstorben an einem Herzinfarkt. Viel zu jung!“ Nach dieser doch sehr traurigen Geschichte sind wir uns einig, wir müssen das Leben genießen solange es geht, viel Spaß haben und Erlebnisse sammeln. Wie bei dem heutigen Lauf.

Nun begleitet uns ein Junge, Noe, der die Fähnchen einsammelt. Gestern hat er mit seiner Mutter die Strecke markiert, heute ist er mit seinem Vater als „Räumdienst“ eingeteilt. Gerade noch rechtzeitig kann ich ein Foto von ihm und dem Schild Km 35 machen, bevor er hinter, neben und vor uns herumwuselt und die Markierungen aus dem Boden zupft. Der Kleine ist in seinen Bergschuhen mindestens genauso schnell unterwegs wie wir Läufer. Er hat großen Spaß!

Team Noe“

Judith bestellt bei unserem Begleiter für den Zieleinlauf „We are the Champions“als Musikwunsch. Leider hat er hier oben keine Verbindung zum Ziel.

brutales Gefälle

Es folgt ein ganz heftiges Gefällstück. Ich frage Noes Vater, ob die Fahrzeuge der Wald- und Wiesenbauern hier überhaupt hinaufkommen. „Gar kein Problem, mit Allradantrieb und niedrigem Schwerpunkt kommen sie schon hinauf. Unfälle passieren häufig bei Arbeiten, wie heuen, die quer am Hang stattfinden, da gibt es leider jedes Jahr schwere Unglücke.“

Burg Reineck

Noch 4 Kilometer, ich rufe Susi an, dass sie mich bald im Ziel begrüßen darf. Der letzte Kilometer. Wir passieren die Burg oberhalb von Sarnthein, gleich ist es geschafft. Einen gemeinsamen Zieleinlauf verabreden wir mit Noe und mit Fähnchen. Kurz vor dem Ziel werden wir von unseren Familien und Freunden erwartet. Susi spendet auch reichlich Applaus. Danke!

Das Video von unseren Zieleinlauf hat Judith zur Verfügung gestellt.

We are the Champions!

Unserem Helfer ist es wohl doch noch gelungen, unseren Wunsch weiterzugeben. Herzlichen Dank dafür!!!

Wir sind alle stolz und überglücklich, als wir die Finisher-Medaille und das T-Shirt erhalten

19 Frauen (alle) und 103 (von 105) Männer kommen ins Ziel. Und ich habe mein Ziel letztendlich dann doch erreicht: Letzter! Ok, nicht ganz allein, aber doch!

103. Uwe Laig 9:42:45 Stunden

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26.8.2021: Noch 2 Tage bis zum Start. Ich habe Teile der Strecke besichtigt, abgelaufen, abgewandert. Dies hätte ich besser unterlassen. Nun weiß ich, was mich erwartet. Heute habe ich mir den Streckenverlauf nochmals in Ruhe angesehen und festgestellt, dass es nach dem Rittner Horn (2260) noch zwei weitere Berge zu erklimmen gilt (2468 und 2509). Mit entsprechendem Untergrund. Erst dann geht es hinab zum Totenkircherl, 2168 (was ich hoffentlich lebend erreiche) und hinab nach Sarnthein auf Höhe 980. Das Wetter verspricht auch keine Unterstützung. Samstag: – 2 bis + 2 Grad, leichter Nordwind am Rittner Horn (2260). Ich darf ja noch 240 Meter höher hinaus! Wo sind meine Winterklamotten? Zu Hause! Also mehrere Schichten anziehen und sehen wie es läuft! Habe mächtig Respekt vor diesem Abenteuer. Dazu soll es noch Gewitter geben! Ich hoffe, dass der Wetterbericht morgen besser sein wird.

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10.8.2021: Ab dem 14.8. steht Jahres-Urlaub auf dem Programm. Erst eine Woche im Bregenzer Wald, danach 8 Tage in Südtirol. Ganz zufällig ist dort am 28.8. eine Marathonveranstaltung. Südtirol Sky UltraTrail. Wobei die langen Strecken über 121 und 69 Km gestrichen wurden. Mir werden aber auch 44,5 Km und 2.863 HöM reichen!

Höhenprofil

Bozen liegt auf Höhe 280 NN, bis zum Rittner Horn bei km 23 sind 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Das Zeitlimit beträgt hierfür 6 Stunden. Für die gesamten 44,5 km (Verlängerung wegen Felssturz notwendig) habe ich 12 Stunden Zeit. Der höchste Punkt liegt bei rund 2.500 Metern NN.

Das wird schon ein ordentliches Abenteuer werden. Hier werde ich auch die Stöcke mitnehmen. Es gibt auch eine umfangreiche Liste mit Utensilien, die ich dabei haben muss. Wo ist meine Signalpfeife? Und die Handschuhe?

VORGESCHRIEBEN:

  • Startnummer, mit integriertem Chip, muss sichtbar vorne angebracht werden (um Chipsignal gut zu empfangen)
  • Rucksack oder Gürteltasche
  • Mobiltelefon immer eingeschaltet und aufgeladen
  • Sicherheitsnummern der Organisation und Notrufnummersind im Mobiltelefon gespeichert
  • Feldflasche oder Camelbak, Becher oder geeigneter Trinkbehälter
  • Nahrungsvorrat für die gesamte Rennstrecke
  • Aluminium Rettungsdecke/Überlebensdecke
  • Signalpfeife
  • Erste Hilfe Set: Sterile Kompressen, Verband, Pflaster
  • wasserdichte Jacke, für schlechte Klimabedingungen und für Höhenlagen geeignete warme Bekleidung
  • Laufhosen, die mindestens bis unter das Knie reichen oder Beinlinge
  • Mütze, Stirnband oder sonstigen Kopfschutz
  • Handschuhe
  • Streckenplan/Road-Book oder GPS
  • Sicherheitsplan bei Unwetter und bei Unfällen
  • Chirurgische Maske

Da sehe ich, dass ich doch noch einiges zurecht legen muss. Und klar, auf 2.500 Meter Höhe (Sarner Scharte) kann die Temperatur auch bei 0 Grad liegen.

Hoffentlich gibt es kein Gewitter. In 2019 wurde das Rennen wegen Gewitter unterbrochen und Teilnehmer in Hütten versorgt. Leider waren einige Läufer zwischen den Posten unterwegs und nicht erreichbar. So auch eine Gruppe mit einer Norwegerin, die von einem Blitz getroffen wurde und später im Krankenhaus verstarb. 2021 wird es kein Gewitter geben! Falls doch, werde ich meinen Start überdenken.

Wenn alles gut läuft, geht es ab dem Totenkircherl die letzten 10 Kilometer – siehe Foto – hinab ins Sarntal. Ganz zufällig befindet sich unser Hotel in Sarnthein, in der Nähe des Ziels.

Über diesen Lauf werde ich ab 29.8. berichten.

Brocken-Challenge 2017

Eine winterliche Herausforderung

Teil 1 Anmeldung – Teil 2 Die Zeit vor dem Lauf – Teil 3 Der Tag vor dem Lauf – Teil 4 Der Lauf

Teil 1 – Anmeldung

Die Idee, den Brocken im Winter von Göttingen aus laufend an einem Tag zu erreichen, entstand im Jahr 2001, als Markus Ohlef und sein Begleiter auf dem Fahrrad, Thomas Sivander, sich im Februar auf den Weg machten und den Gipfel des höchsten Berges Norddeutschlands (1142m) nach 10,5 Stunden und 81km erschöpft, aber glücklich erreichten.
Dieser Lauf sollte zum «Event» werden und so wurde er im Februar 2004 zum ersten Mal offiziell durchgeführt. Die Teilnahme sollte nicht nur eine Verwirklichung im sportlichen Sinne sein, sondern gleichzeitig einem guten Zweckdienen. Sämtliche Start- und Spendengelder flossen damals in voller Höhe in ein Projekt in Nepal.

Am 4.11.2016 melde ich mich an. Mein Wunsch Startnummer 60 (meine neue Altersklasse 2017) und Ergänzung „Der Hexer“ (denn es geht ja auf den Berg der Hexen). Nun muss ich mich bis zum 1.12. gedulden. Im letzten Jahr erhielt ich eine Absage. Diesmal nicht, ich bin dabei:

Lieber Uwe Laig,
Du wirst bei der Brocken-Challenge 2017 mit Deiner Wunschstartnummer 60 und dem Zusatz „Der Hexer“ starten !!!
Bitte überweise innerhalb einer Woche 148 €.
Bei Nichtantreten wird der Teilnahmebeitrag unabhängig vom Grund nicht erstattet und fließt ohne jeglichen Abzug in die Gesamtspende ein. Eine Übertragung auf das Folgejahr ist nicht möglich.

Der „Hexer“ überweist das Startgeld am nächsten Tag und findet sich bald in der Liste der bekloppten Brocken-Läufer wieder. Ich bekomme Zweifel. Mir ist schlecht, meine Gedanken gehen zum Wetter: Was mache ich bei minus 15° und Schneesturm auf dem Brocken? Warum habe ich mich da nur angemeldet? Ein Wüstenabenteuer wäre schöner, weil wärmer! Aber nun muss ich da durch. 

Teil 2 – Die Zeit vor dem Lauf

14.01.2017 – Veranstalter Info 

Göttinger Wald

Auch wenn es noch 1 Mond hin ist:
Nächste Woche wird dieser Kram (Strecken-km 4, Göttinger Wald, 370m NN) schon mal nicht abtauen. – Sehr anstrengend! – Lange nicht dagewesen! – Ihr dürft langsam Respekt entwickeln.

Bangemachen gilt nicht! Es gilt, ich muss die Cut-Off-Zeiten an den Kontrollstellen unterbieten und den Brocken erklimmen. Dann ist mein Transport bestens geregelt. Wenn nicht? Wie heißt der Film vom Ende des 2. Weltkriegs und von einer Flucht aus einem Strafgefangenenlager in Sibirien noch?: „So weit die Füße tragen“! Der Film ist emotional und geht übrigens letztendlich gut aus. Ich kaufe mir Spikes und Yaktrax denn sicher ist sicher!

01.02.2017 – Veranstalter Info
T-10
Der Countdown kann beginnen!
Race Month!

Angesichts des nach dem bevorstehenden kurzen Frühlings-Intermezzo (das den Schneepackungen im Harz nichts Wesentliches anhaben können dürfte) sich nach derzeitigem Stand über die Rennwoche aufbauenden neuen Kälte-Hochs, dessen Kälte-Maximum derzeit für Sa 11.02. vorhergesagt wird, hier noch einmal ein paar Hinweise, die sich vor allem an die BC-ErstteilnehmerInnen („Novizen“) richten, die mehr als die Hälfte des Starterfeldes ausmachen werden:

Klimatisch lässt sich die BC-Strecke grob vereinfachend in 3 Abschnitte gliedern:
1. Der „Anlauf“ vom Start bis zum Harzrand hinter VP4 Barbis bei km45, mit Höhenlagen von 150 bis 350m. 
2. Der mittlere Harz von Barbis bis hinter Oderbrück, Höhenlagen im wesentlichen 500 – 750m, km45 bis km75 
3. Der Gipfelbereich am Brocken ab km 75, oberhalb 900m 

Auch wenn i.d.R. am Gipfel die tiefsten Temperaturen und die stärksten Winde herrschen, ist man diesen Verhältnissen nur relativ kurz (ca. 1 Stunde) ausgesetzt (ok, auch in einer Stunde kann man erfrieren …). Ganz anders ist das bei den mehrstündigen Passagen durch die ersten beiden Abschnitte, die wegen phasenweiser Wind-Exponiertheit (besonders in Abschnitt 1) keinesfalls unterschätzt werden dürfen! Überdenkt Eure Ausrüstung in Ruhe, und nehmt im Zweifelsfall mehr mit! 

Verfolgt bitte besonders in den letzten beiden Tagen vor dem Lauf die Wetter-Prognosen und insbesondere die Windverhältnisse (Stärke, Richtung). Dazu haben wir auf der Startseite für jeden Bereich eine einigermaßen repräsentative Wetterstation mit einer 4-Tage-Prognose sowie einen WindChill-Rechner verlinkt.
Für die Verhältnisse am Start gibt es keine geeignete Station, da wir uns auf den ersten 5km in 350-400m Höhe bewegen und sich die Göttinger Angaben auf unter 200m Höhe beziehen.
Für Abschnitt 2 und 3 findet Ihr auch die real gemessenen Schneehöhen.

Nach derzeitigem Stand (aktuelle Schneelage und angekündigte Niederschläge) darf man/frau davon ausgehen, in Abschnitt 1 mehrfach durch eine „Übergangszone“ „schneefrei – vereist – Schnee“ und umgekehrt zu kommen. Schneeketten/Spikes/Stöcke werden damit voraussichtlich nicht unbedingt überflüssig sein. Abschnitt 2 und 3 dürften schneebedeckt sein. 

All dies ohne Gewähr. Wie das Wetter wird und wie die Streckenverhältnisse sein werden, wissen wir erst beim Briefing. Jetzt wäre aber ggf. noch Zeit, ausrüstungsmäßig nach- oder aufzurüsten. 

06.02.2017 – Veranstalter Info
T-5 (also noch 4mal schlafen) 
Race Week!

Jetzt gibt es nur noch eins: Kein Zurück mehr & cool bleiben bzw. werden. 

Den Kälte-Peak haben wir auf Donnerstag vorverlegt, den Wind biegen wir pünktlich zum Samstag weg von Nordost. Soll ja auch ein bißchen Spaß machen, das Ganze.

Trotzdem wird es wohl nicht besonders matschig, ab heute Abend bis zum Start herrscht auf der gesamten Strecke Dauerfrost! Also eher Matsch- und Eiskrusten auf der ersten Streckenhälfte und dann Schnee, Schnee, Schnee. 

Aktuelle Infos erhaltet Ihr wie immer am Donnerstag abend nach der Rückkehr der Markierungsteams nochmal hier und dann natürlich beim Briefing. 

Da wir nach wie vor sehr viele Leute auf der Startliste haben: Haltet bitte unbedingt die Gepäckbegrenzung für die Gipfel-Klamotten von 30l ein (das ist ein etwas größerer Tagesrucksack!). Und sucht dafür schon mal Eure Ersatzkluft raus, denn das normale warme Zeug braucht Ihr ja noch am Freitag Abend in GÖ (ich schreib das nur, weil zunehmend die Jahrgänge meiner Kinder im Teilnehmerfeld auftauchen, und da sind solche Weckrufe manchmal durchaus angebracht und letztlich hilfreich). 
Und nehmt bitte selbst etwas zu Trinken mit auf die Strecke, damit Ihr nicht gleich die ersten Stationen leersauft. Klar, einen Trinkbecher habt Ihr auch dabei, dieses Jahr gibt es keine mehr von uns an den Stationen! 

Die Wegfindung bzw. Verlaufen (über harmlose Zusatzschleifen hinaus) war in den letzten Jahren nie ein Thema. Auf der sicheren Seite seid Ihr, wenn Ihr Euch den Track auf Euer GPS-Gerät ladet. Dies ist die kürzeste denkbare Strecke, ob es Abweichungen davon geben muss, erfahrt Ihr beim Briefing. 

Und denkt dran: Diese Woche bei den Tempo-Einheiten nur noch Renntempo, nicht mehr Maximaltempo üben! 

Das wird! 

P.S.: 
Ihr habt jetzt schon 2mal ein- und aus- und umgepackt?
Und wisst nicht mehr, was Ihr bis Freitag noch Sinnvolles tun könnt? 
Habt Angst, dass Ihr das nicht schafft? 

Und lernt:
„Verlier nie die Gewalt, die Herrschaft über dich, deinen Geist und deinen Körper!“

—- ich beobachte nun täglich die Wetterprognosen ——

3.2.17: Brockenwetterprognose für den 11.2.: minus 8 bis minus 10°. Aktuelle Schneehöhe 97 Zentimeter.

4.2.17: Grandios!

Prognose am 4.2.: minus 19° – Hilfe!

4.2.17: wetter.com verspricht minus 19°. Ach du Schei….! Ob der Lauf dann stattfinden wird? Aber warten wir noch ab, es sind noch 7 Tage, da kann sich viel (zum Besseren?) ändern.

8.2. Veranstalter – Info

Es wird gerade angerichtet …

BC Utensilien

3 Teams sind heute auf allen Streckenabschnitten unterwegs. Heute abend wird es hier eine Lagebeschreibung geben. Und dann natürlich intravenös beim Briefing. 

So viel – ohne die Pferde scheu zu machen – schon vorweg: 
Die BC2017 wird sich wohl „etwas“ anders gestalten als in den Jahren 2014 bis 2016. 

Update 14h:
Der Chef ist ja nicht gerade für Übertreibungen bekannt. Ich erinnere mich noch, als ich nach der BC2009 völlig fertig ins Ziel fiel und er mich mit den Worten tröstete: 
„Ja, das waren heute mittlere Bedingungen.“

„Fuckin‘ hard. So wie wir’s brauchen!!!“

stellenweise vereist

Im Harz sieht es so aus, dass selbst Eingeborene von „Hölle“ reden und der VP Jagdkopf nicht wie üblich und auch nicht tatsächlich mit Jeep angefahren werden kann. Am VP Lausebuche gibt es 2 (!) geräumte Parkplätze (also 0,0 Platz für Begleiter!!). Dazwischen Schnee, Schnee, Schnee. Und dahinter auch.

09.02.2017 – Veranstalter Info
Update 19h:

Ok, die Veranstaltung dürfte dieses Jahr ihren Namen zu Recht tragen.

Hier ein paar Fotos des Streckenabschnitts zwischen Barbis (42) und Lausebuche (63) von Markierer Philipp, der Euch am Samstag am VP Oderbrück wieder psychologisch aufrichtet („Du siehst noch gut aus“)

blankes Eis!
Tiefschnee

Dahinter geht es nicht viel leichter weiter. Die Teams empfehlen trotz der Schneelage die kürzeste 80km-Route, weil die „leichtere“, etwas längere Forststraße total vereist ist. Alle Details dazu erhaltet Ihr live morgen ausführlich, dies hier ist nur zur Einstimmung.

Bis morgen! Kommt gut an!

Teil 3 – Der Tag vor dem Lauf

10.2.2017 Anreise

Schuhtest. Erst einmal fahre ich bis in den Harz. Gegen 13:30 Uhr bin ich (mit dem Auto) oben im Harz auf Höhe 800 Meter am Parkplatz Oderbrück. Hier liegt genug Schnee, um die Spikes und die Yaktrax zu testen. Ich schnalle rechts das eine, links das andere unter (habe schnell Eisfinger!) und renne bei minus 6 Grad in meiner Jeans mal 200 Meter. Gutes Gefühl, nix rutscht. Ich werde die Yaktrax nutzen. Und die Spikes für eisglatte Passagen auch einpacken. Ist das kalt hier! Aktuelles Brockenwetter: minus 8°, Unwetterwarnung: Sturmböen mit 85 km/h!

Spikes oder Ketten?

Danach (Heizung volle Pulle) mit dem Auto zum Hotel, danach zur Uni. Dort erfolgt die „Verbindliche Lagebesprechung“. In der Ausschreibung heißt es:

Im Hörsaal des Hochschulsport-Institutes findet eine verbindliche Lagebesprechung (18.00-19.30) statt, bei der noch offene Fragen bzgl. der Durchführung geklärt werden können. 
Programmpunkte sind:

  • Ausgabe der Startunterlagen (16.30 – 18.00) 
  • Abgabe der Wechselkleidung für den Brockengipfel (16.30 – 18.00) 
    Bitte sortiert diese Sachen schon vorher zusammen, damit dieser Punkt einigermaßen zügig abgewickelt werden kann ! Es werden Plastiksäcke ausgegeben, in die Ihr am besten Eure vorgepackten Rucksäcke (Ihr müsst die Klamotten abends wieder runter tragen!) einfach reinsteckt. 
    Achtung

    Volumen auf max. 30 Liter begrenzen! Der Gepäcktransport auf den Brocken stellt einen logistischen Flaschenhals dar und wir sind da am Limit! 
    Berücksichtigt bei der Auswahl der Klamotten die ca. 1,5 h Nach(t)wanderung vom Gipfel nach Schierke! 
  • ausführliche Erläuterung des Streckenverlaufs (18.00 – 19.30) und der aktuellen Bedingungen unterwegs durch staatl. gepr. BC-Experten
  • Dieses Treffen eignet sich auch, um individuelle Probleme zu klären und ggf. Gruppen mit harmonierenden Interessen zu bilden (vgl. RücktransportFAQ)

Startnummer

Meine Startnummer ist wie bestellt. Den Kleiderbeutel (Rucksack) werde ich schnell los.

18: Uhr: Briefing. Vieles kenne ich bereits aus den Unterlagen, der Homepage und aus den letzten News. Dennoch, hier wird mit Herzblut gearbeitet. Das macht Laune. Es gibt Musik und viele Interessante Details. Auch die vielen Fotos der Strecke mit Sprüchen rund um das Ultra-Laufen. Toll! Ich mache Fotos und werde diese in meinen Bericht einbauen. Die Spendenempfänger werden genannt. Es wird eine sehr winterliche BC! Der BC-Spirit, hier wird er gelebt.

19:25 Uhr, zurück zum Hotel. Zeit für ein Abendessen. Tja, da bleibt dann nur ein Chiliburger mit Pommes bei MC. Passt ja auch etwas zu BC, oder? Kohlehydrate vor einem Ultra? Das wird mächtig überschätzt, hoffe ich.  Lauf-Rucksack packen, Frühstück vorbereiten. Wecker auf 4:15 Uhr stellen. 21:45 Uhr: Gute Nacht!

Teil 4. – Der Lauf

Der Hexer im Anflug auf den Brocken

Wettkampftag. Kleines Frühstück auf dem Zimmer. 5:15 Uhr Abfahrt, 5:30 Uhr am Start. Parkplätze sind knapp, ich finde einen Platz im Wald. Treffpunkt „Alter Tanzboden“. Hier herrscht entspannte Spannung. Ich will Fotos machen und merke, dass die Batterie im Hotelzimmer weiter aufgeladen wird. Mist! OK, denke ich, dann bin ich schneller ohne die Stopps und vielleicht laufe ich die BC später noch einmal mit Kamera!!??

Ich finde meine Leute. Ulrich zieht gerade seine Yaktrax an. „Alles vereist im Wald schon kurz nach dem Start!“ Na gut, dann will ich die Dinger auch mal anlegen, obwohl ich seinen Worten nicht glaube. Andere haben auch die Ketten unter den Sohlen, na, dann ist es vielleicht doch richtig. 

Streckenprofil und Beschreibung Streckenteil 1

Auf der Homepage des BC sind die Streckenabschnitte detailliert beschrieben. Das Höhenprofil zeigt, dass es erst ab Kilometer 30 so richtig ernst wird.

5:55 Uhr, wir gehen zum Start. Ich quatsche mit Helfern von den Johannitern. Sie können sich 80 km zum Brocken gar nicht vorstellen Ich erzähle, dass 500 laufen wollten, aber nur rund 200 dürfen, Verlosung. Später werden sie am VP Rhumequelle (km 31, Limit 4:30 h) stehen. Ich verabrede mich für 9:45 Uhr mit ihnen.

Gespenstische Gestalten

Nach einigen Worten vom Organisator geht es los. Mit den traditionellen Worten „Brocken-Challenge, here weg go!“ werden wir auf die Strecke geschickt. Rund 200 Stirnlampen setzen sich in Bewegung, ich bin mit dabei! Nach 3 Monaten Vorbereitung gilt es. Bewegend, Gänsehaut pur! Fackeln weisen uns den Weg durch den dunklen Wald. Irrlichter im Forst, ich hechte hinterher. 

Fackel im Schnee

An Tagen wie diesen – 11.02.2017

Ich wart’ seit Wochen auf diesen Tag
Und tanz’ vor Freude über den Asphalt
Als wär’s ein Rhythmus, als gäb’s ein Lied
Das mich immer weiter durch die Straßen zieht

….   …

Das Abenteuer hat begonnen. Wie lange habe ich darauf hin gefiebert! Mehr als ein Jahr! Nach nur 300 Metern kommt die erste Eisplatte. Meine Yaktrax halten, rutschen nicht, super! Andere schlittern schon bedenklich. Und es wird immer winterlicher, viel Eis und Schnee, Ich laufe sicher einfach drüber weg. Werner Hülsmeier aus Ibbenbüren taucht neben mir auf. Er läuft heute seine 6. BC und wie ich in der M60. „Uwe, Der Hexer“?? meint er zu mir. Ich erkläre: „In der Walpurgisnacht fliegen die Hexen zum Brocken; und heute fliegt der Hexer hinauf!“ Wir lachen. Ich bin gar nicht gut drauf, es läuft schwer. Oder geht es bergauf? Im Dunkeln nicht auszumachen. Dann wird es leichter. Aha! Ende der Steigung. Die Serpentine hinab nach Mackenrode ist total vereist. Der Hexer auf Yaktrax lässt laufen. Wenig später lege ich die Yaktrax ab, kein Eis mehr die nächsten Kilometer. Erste Verpflegung, kurze Pause. Leise tritt die Dämmerung ein. Ganz leise! Ein Lied kommt mir in den Sinn. Von Unheilig, das passt doch zum Hexer, oder?

Dem Himmel so nah

Die Täler liegen im Nebel
Die Sonne geht langsam auf
Sterne vergehen am Himmel
Ich steig‘ den Berg hinauf
Die Welt strahlt vor Glück
Heut an diesem schönen Tag
Ich geh dem Horizont entgegen
Und stell mir vor du bist da

Ich werd‘ an dich denken wenn ich am Gipfel bin
Ich werd‘ den Himmel anlächeln auf meinem Weg dorthin

Gänsehaut! Die Steigung nach der Verpflegung gehe ich gemeinsam mit Tanja aus Neuenkirchen hinauf, wir kennen uns, sind schon häufiger gemeinsam gelaufen. Wo? Keine Ahnung. Aber ihr nettes Gesicht bleibt in Erinnerung. Sie will es heute versuchen, hatte noch vor 2 Wochen eine Grippe. „Alles Gute“! (Sie wird es in 13:13 Std. schaffen). Bald bin ich wieder alleine unterwegs. Oben auf der Höhe pfeift der eisige Wind über kahle Flächen und Felder. Vorbei an einer Gaststätte „Seulinger Warte“ und weiter durch den Wind. Das ist total spaßbefreit. Es ist diesig, etwa 2° minus. Meine rechte Wange friert ein. Ich laufe auch die kleinen Steigungen, will raus aus dem Wind.

Sonnenaufgang am See

Hinab ins Tal, der Wind lässt nach. Vorbei am Seeburger See, da ist er wieder der Scheiß-Wind. Rollshausen. 2. Verpflegung, ein Tee, ein Saft, ein Keks und weiter geht’s. 

Noch im Nebel

Ende Rollshausen, wieder Wind. Stopp, Rucksack ab, Melkfettdose auf und druff damit auf die Gesichtshaut. 3 Millimeter dicke Schicht! Das wärmt, etwas. Meine neue Sturmhaube möchte ich noch schonen, für den Berg. 

Tilly Eiche (Rest-Eiche)

Dann wieder eine Bergpassage. Im Wald weht kein Wind. Tillyeiche, hier mache Tilly mit seinem Heer in 1623 Rast. Ulrich taucht auf. Wir rennen und quatschen. Nach der Kapelle von Rüdersheim (oben auf einem Hügel) wieder Wind von vorne. 

das will man gar nicht wissen!
Ein toller Spruch – der passt!

Endlich hinab und weiter nach Rhumspringe zur Quelle der Rhume. Erst Radweg, dann Ort und endlich der Teich mit dem Verpflegungspunkt. Die Kollegen von den Johannitern sind auch da. 

VP, Km 31

Es ist 9:43 Uhr (3:43 Std.), der Hexer ist nur wenig zu früh dran! Erste Zwischenzeit, die ich mit Vorjahresleistungen vergleichen kann. Ich hole meinen Spick-Zettel heraus. Es läuft! Meine geplante Zielzeit von 12:45 Stunden scheint machbar! Nach einem Tee und einer Brühe schlurfe ich weiter.

Die Sage von der Rhumequelle

Ruma war die Tochter des Zwergenkönigs und wurde von ihrem Vater in einem unterirdischen Verlies gefangen gehalten. Der Vater war wütend, weil sich seine Tochter mit Romar, einem verfeindeten Riesen, vermählt hatte. Aber damit nicht genug: In seiner unendlichen Wut tötete der Zwergenkönig auch noch das Kind des ungeliebten Paares. Doch Ruma, Tochter einer Wassernixe, konnte aus ihrem Verlies fliehen, indem sie sich in eine Quelle verwandelte und sich so einen Weg durch die Felsen bahnen konnte. Man sagt, daß sich das Wasser der Rhumequelle auch heute noch von Zeit zu Zeit vom Blut des ermordeten Kindes rot färbt.

blau, nicht rot

Es geht nun lange bergan. Wir gehen, marschieren. So richtig toll ist das hier nicht. Oben geht es links ab und schon lockt die erste Eisplatte. Ein Läufer hält an, montiert seine Yaktrax. Ulrich läuft weiter, er hatte seine Spikes noch immer unter den Schuhen.

eisige Wege

Ich versuche, mit kalten Fingern die Dinger an die Füße zu kriegen. 1. Versuch, falsch herum, Mist. Wieder abbauen. 2. Versuch, irgendwas klemmt. Ich kriege die Krise! 3. Versuch, endlich. 2. Schuh. Das klappt nun schon (etwas) besser. Puh! Werner, Karl und Conny schauen mir zu, grüßen und laufen weiter. Ohne Spikes. Ha! Wenig später lange, breite Eiswege. Conny und Karl schlittern vorsichtig, Werner schlägt sich durch die Büsche, und Uwe, der Hexer, läuft fix mitten übers Eis, grüßt kurz und hängt sie ab. Ulrich ist weit voraus. 

Heute heißt dies wohl: Nicht meckern – laufen!

Auf der Höhe pfeift wieder der Wind. Es ist ca. 0° kalt, gefühlt deutlich frischer. Ich laufe, will raus aus der Kälte. Vorbei an Ulrich, er will nur eins, finishen, meint er zu mir. Ich auch, möchte aber einen guten Zeitpuffer rauslaufen für die Entsafter-Passagen. Also weiter. Es kommt eine Ortschaft, kein Ortsschild, Barbis? Ich hoffe es! 10 Minuten laufe ich durch den Ort, Nebenstraßen, auf dem Bürgersteig, dann links ab. Dort ist die Verpflegung. 42,5 km. Halbzeit. 5:20 Stunden, na das geht doch! Einige Läufer treffen Familienangehörige, quatschen, ziehen sich um oder füllen ihre Vorräte auf. Ich lasse die Finger von Brat- und Heißwurst, fülle meine Fläschchen auf und laufe weiter, als Ulrich gerade eintrifft. Ich muss in Bewegung bleiben, mein Tempo laufen. Darf nicht auskühlen. Nun gilt’s!

kalt!

Sofort geht es steil bergauf. Laufen unmöglich. Durchlass. Oben rechts ab, weiter hinauf. Es folgen Eisglatte Wege. Ich bin ganz allein, ganz weit vor mir ist ein einsamer Läufer, nach mir nix zu sehen. Alle machen wohl eine lange Pause am Marathon-VP. Ich laufe, was zu laufen ist. Vieles ist nur schlurfend machbar. Egal.

Eis pur!
Richtung Wasserscheide

Dann: Wegsperrung wegen Baumfällarbeiten. Egal, der Hexer folgt dem BC-Schild und ignoriert die Sperre. 50 Meter unterhalb wird gesägt. Der Baum fällt in die andere Richtung. Nach 1 Kilometer erreiche ich die Sperre auf der anderen Seite. Dort hängt ein Transparent 50 cm x 200 cm und weist auf die Sperrung und die gesetzlichen Grundlagen hin. Uwe, der Waldschrat läuft weiter. 

Weiter, immer weiter durch den Wald, der Wind wird ersetzt durch Steigung. Ca. 2% Steigung, stetig, kilometerlang. Schnee!

Abenteuer, hier findet man zu sich selbst. Alles ist egal, nur Schritt, Schritt, Schritt. Immer weiter. Das Zeitgefühl hat sich verabschiedet, sind es 6 oder 7 oder 8 Stunden? Es ist mir egal, nur eins zählt, WEITER!! Immer weiter!

Pinkelpause. Der Urin ist sehr gelb, ich befürchte Dehydrierung. Hole die Reserveflasche Wasser aus dem Rucksack. 0,25 l Wasser Eiswasser kippe ich rein. 

Jagdkopf

Über einen Höhenrücken und hinab in ein anderes Tal. Über eine Brücke und nun immer neben einem Bach entlang, der sich durch den winterlichen Wald windet. Die Schneehöhe steigt. Der Gripp lässt nach. Das Laufen fällt schwerer. Gehen ist angesagt. Zeit für meine Butterbrote mit Käse und extra Salz. Runterspülen mit Saft aus meinen Fläschchen. Nach 425 Höhenmetern erreiche ich den Jagdkopf. Tee, Saft und Brühe, 2 Kekse und weiter. 

noch 950 HöM – boah ey!

Die nächste Passage erscheint der Beschreibung nach einfacher. Weit gefehlt. Der Weg durch den Schnee ist nun brüchig, holprig und löchrig. Goblins oder Waldgeister haben den Weg sabotiert. Ich muss jeden Schritt berechnen. Hüpfen, springen. Sind die Wege parallel zu Loipen, dann ist es halbwegs belaufbar. Dann links hinauf. Tiefschnee. Nur eine 30 Zentimeter breite Spur. Hier helfen mir auch die Yaktrx nix. Immer wieder rutsche ich im pulvrigen Schnee oder erzeuge neue Löcher. Trotz der vielen Vorläufer ist es, als wenn nur 5 Leute hier heute gewesen sind. Umgestürzte Bäume werden überstiegen oder umlaufen. Meine Schuhe sind weiß, werden nass. Ich schwitze, fluche und stapfe weiter. Nur meine Zehen rechts, werden kalt, fühlen sich etwas tot an. 

Schnee, Schnee, Schnee

Mein lieber Schwan. Schwere Wegstrecke, Löcher im Schnee halten mich zurück und doch auf trab! Das Motto des Laufes (von Goethe) kommt mir in den Kopf:

Von der Gewalt, die alle Menschen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

ohne Worte

Tiefschnee, ich könnte heulen, komme kaum vorwärts. Kobolde haben im Tiefschnee Löcher eingearbeitet, in die ich ab und an versinke. Knöchelbruch!? Mein Rücken hat ordentlich zu tun. Oft muss ich Stürze vermeiden, springe hin und her. Ich verzweifle fast, aber mein Laufkollege, sicherlich 20 Jahre jünger als ich, kommt noch schlechter vorwärts. Das motiviert schon wieder! Meine Zehen werden kalt, die Schuhe sind nass.

Dies versteht kein Lehrer!

Etwas später bekomme ich Fußschmerzen links unter dem Fuß. Ob es von den Yaktrax kommt? Ich ignoriere es. 

Hindernisse

Endlich komme ich wieder auf eine Loipe. Hier auf dem gepressten Schnee in der Mitte zwischen den Spuren lässt es sich fein tapern. Was ist das? Nach 1 Km wieder links ab in den Tiefschnee. Ich fasse es nicht. Was soll das? Nun ahne ich, warum es heißt: „Entsafter, Teil 2“. Wieder liegen Bäume im Schnee auf meinem Weg. Hier steht ein Posten: „Noch 500 Meter bis zum VP!“ Das lässt hoffen. Lausebuche, ein Grenzbaum aus dem Mittelalter, so nennt sich der VP direkt an der Bundesstraße. Es wird gegrillt. Ich bleibe bei Bewährtem. Ein kurzer Blick zu Uhr 14:41 Uhr. Der Hexer ist sehr gut in der Zeit. Kein Gedanke mehr an die Cut-Off Zeiten, nur noch ein Gedanke: Ich will da hoch, der Hexer muss zum Brocken. Noch 4 Std. bis zur angestrebten Zeit. Und noch 18 Kilometer.

Ja, ein Abenteuer

Hinüber über die Bundesstraße und hinauf, der Loipe folgen. Wanderwegschild. Königskrug rechts ab 5,4 km. Der Weg ist eine Spur im Tiefschnee, ganz ähnlich wie vor 10 Minuten. Junge, Junge!

zwei mögliche Wege

Der Wegweiser zeigt auch geradeaus, Königskrug 6,8 km. Ich entscheide mich für die längere Variante. Für die ca. 7 Kilometer und 200 Höhenmeter brauche ich eine gute Stunde. Obwohl, dass sehe ich erst später auf meiner Uhr. Hier im Schnee habe ich das Zeitgefühl verloren. Es wird gerodelt, Langläufer komme mir mit Tempo entgegen. Einige grüßen, nicken anerkennend, sie wissen was wir leisten. Wieder überhole ich langsamere Läufer/Geher. Einige haben fertig. Wenn ich gehe, dann so fix wie möglich. Endlich kommt die B4. Hinüber und wieder Verpflegung. Königskrug. Vorletzter VP. Nur noch etwa 12 Kilometer. Yes i can.

ich versuche es!

Hoher Schnee links und rechts. Wieder tapere ich den Berg hinauf. Einige Wanderer machen keinen Platz, saublöde Menschen, Sturköpfe. Ich hoppel ganz nach außen, noch außen neben die Loipe. Kinder rodeln auf mich zu, ich springe zur Seite. 

VP, Notierung von Startnummer und Zeit

Rechts außen, oberhalb vom Knie macht mir eine Sehne Probleme. Schmerzt, aber es ist nichts Ernstes, einfach nur ein Zeichen der Überlastung. Viel Schnee, viel Berg, viel Anstrengung. Oben, wieder laufen, ich nehme mir vor weiter alles zu laufen was geht. Auch wenn es nun weh tut. Hinab nach Oderbrück. Zwei Langläufer wollen mich vorlaufen lassen. „Wir stehen zum ersten Mal auf den Brettern“, meint der Mann. Ich lasse sie vorfahren. Und sehe mir das Drama an. Sie bremsen sich langsam hinab. Zu langsam, ich laufe vorbei. Wenig später muss ich mal an den Baum. Die Langläufer rutschen vorbei. Ich laufe hinter her. Die Frau bremst und stürzt. Der Hexer hilft ihr auf, so viel Zeit muss sein. So, nun habe mich meine gute Tat für heute fertig. Ich sehe keine Läufer mehr, schon seit 10 Minuten nicht mehr. Der 3. Wanderer, den ich frage, kennt sich aus, weiß dass ich richtig bin. Kurz vor Oderbrück kommt eine Läuferin in 5-Fingers-shoes aus dem Wald. Sie ist eine andere Route gelaufen!!?? Egal, kurzer Halt am VP. Nette Leute! „Der Hexer!“ Sie sind beeindruckt. 

Ein weiser Spruch!

Auf zum letzten Gefecht. Ich habe in Erinnerung, dass es nun noch rund 400 Höhenmeter sind. Wieder geht es bergan. Egal, die Steigung ist laufbar. Ich will nun so schnell wie möglich in die Brockengaststätte, ins Warme. Es wird steiler. Ein junger Läufer in Bergschuhen aus Göttingen (läuft die BC nicht mehr seit der Verlosung der Startnummern), begleitet mich. „Noch 1:30 Stunden, dann bist du oben“, meint er. Wir unterhalten uns gut. Es wird kälter, der Wind frischt auf. Ich ziehe mir noch eine Jacke über und aktiviere meine Sturmhaube. 400 Meter später: Rückenwind! Ich schwitze. Ein Kobold hat den Wind gedreht, denke ich. 

Idyllisch – außer, man läuft hier! (Foto Harzer Bahn)

Ich weiß, ich bin gut unterwegs. Und ich weiß auch, dass ich diese Leistung in diesem Leben wohl nicht mehr verbessern kann. Ich laufe was geht.

Ich bin gerne unterwegs!

Auf dem Goetheweg entlang der Bahn kann ich wieder einiges laufen. Die Steigung ist moderat. Wie weit noch? Keine Schilder mehr. Endlich, die Brockenstraße. Links ab. Hinauf! Noch etwa 800 Meter, 1000 Meter? Mehr nicht! Es wird diesig, neblig und dunkler. Vor mir marschiert ein Läufer. Ich hole auf, grüße und bin vorbei. Wieder einer, das motiviert. Wie spät es wohl ist. Ich schaue nicht auf die Uhr. Ich komme ohne Stirnlampe nach oben. Es wir dämmrig, nebelig, Sichtweite noch 50 Meter. Der Bahnhof. Linkskurve. Rampe. Vor mir tauchen 2 Leuchten auf, weisen mir den Weg. Ich ahne das Ziel. Laufe los und bin da, habe es geschafft. YES! Der Hexer wird herzlich begrüßt und ins Warme geschickt. Ich freue mich wie ein Schneekönig! Das Bild mit dem Brocken-Gipfel-Stein spare ich mir. Hier war ich bereits 3 Mal. Nur raus aus der Kälte!

Anerkennung!
Begrüßung in der Kälte. Danke!

Kalt – hart – schön

Wieder denke ich an das Lied von Unheilig „Dem Himmel so nah!“, denke ich an die Menschen, die dies leider nicht mehr sehen/erleben können/dürfen. Bin so froh, dass es mir vergönnt ist, bei diesem Lauf dabei sein zu dürfen und zu finishen.

Geschlossene Gesellschaft!

Eine Wendeltreppe muss ich hinauf. Oben ein (Vor-)Raum mit 2 Helfern, die mir, Nr. 60, meinen Rucksack reichen. Dann betrete ich den Goethesaal. Hier sitzen sie, alle, die vor mir das Ziel erreicht haben. Wir alle haben uns gequält, haben gekämpft, haben gesiegt! Applaus brandet auf. 

Für mich! Jeder Finisher, der hier oben eintrifft, wird so gefeiert. 

Bewegend, Gänsehaut, Atemnot, feuchte Augen und mehr. Ich bin sprachlos. Schon für dieses Gefühl hat es sich (fast) gelohnt, sich bis hier hinauf zu quälen. Ultras sind schon eine ganz besondere Sorte Menschen. 

Der Veranstalter nimmt mich in die Arme. Michael dto., er beglückwünscht mich und Harald sagt: „Mensch Uwe, da bist du heute aber sehr gut gelaufen!“ Dies ist schon eine ganz besondere Ehrung. Danke, Harald! Ich bin stolz!

An Tagen wie diesen

An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns soviel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht

stimmt!

18:50 Uhr, einige Läufer wollen nach Schierke aufbrechen, ich schließe mich an. Gerade als ich gehen will, kommen Ulrich, Conny und Karl in den Goethesaal. Sie sind gemeinsam die Strecke ab Barbis gelaufen, gewandert. Schnell (jetzt klappt es fast auf Anhieb) noch die Yaktrax unter die Schuhe geschnallt und auf geht’s in die Kälte. Minus 8° soll es sein, ist es aber (gefühlt) gar nicht. Ich ziehe die Kapuze der Jacke vom Kopf und bemerke nicht, dass ich meine Stirnlampe verliere. Als ich es später bemerke, schaue ich zurück, sehe nix und hake die Leuchte als Abschreibungsobjekt ab. Die Wanderung ist blöd, langweilig und auch anstrengend. Wir nehmen die Abkürzung durch den Wald. Schon liegen zwei auf dem Hosenboden. Tja, ohne Spikes ist es gefährlich. 

Nach 1:30 ermüdenden Stunden erreichen wir Schierke. Wir treffen uns im Cafe Winkler. Ich setze den Rucksack ab, da fällt meine Stirnleuchte zu Boden. Sie muss auf meinem Rucksack mit mir gewandert sein. Ist noch an! Ich erhalte Platz 24 im 1. Bus. Es sind noch 30 Minuten bis zur Abfahrt der Busse. Zeit für ein Bier. 21 Uhr: Kein Bus zu sehen. Der Helfer: „Der Busfahrer hat verschlafen, nun kommt Bus 2 eher, da dieser aus Braunlage kommt. 21:35 Uhr, endlich geht es los. Unterwegs erzählen sich 2 Ultras viel und noch mehr. Einer ist der Ausrichter des Goldsteig-Ultra, Michael Frenz, von Meldeläufer.de. Es ist zwar nervig aber auch ablenkend. Endlich kommen wir in Göttingen an. 20 Minuten später bin ich im Hotel. Sehe, dass Gladbach und der HSV gewonnen haben. Eine Dusche und Banane später 0:20 Uhr? bin ich eingeschlafen und träume von Zauberwesen, Kobolden und Zwergen! Und von ganz viel Schnee!

200 Läufer gemeldet, 189 gestartet, 176 im Ziel

124. Uwe Laig          11:42 Stunden         3. M60 (9)

                                               Uwe            Cut Off

30,7 km Rhumequelle          9:43              10:30

42,5 km Barbis                     11:20              12:35 

63,1 km Lausebuche            14:42             16:15

70,0 km Königskrug            15:45             17:20

73,9 km Oderbrück              16:20             18:10             

81,5 km Brocken                  17:42             20:00              

Grenzen gibt es nur im Kopf! Wie war!

Geplante Starts

DatumOrtVeranstaltungKmzur Veranstaltung
23.10.VolkringhausenHönnetal-Ultra46,0Hönnetal
24.10.HasbergenHüggel-Marathon42,2Hüggel
30.10.Bad MünderPanorama-Marathon – gemeldet42,2Panorama
31.10.Bad IburgFreeden-Ultra45,1Freeden
01.11.TecklenburgBrochterbeck-Marathon und Ultra42,4Brochterbeck
06.11.DasselSollingquerbeet46Solling
06.11.Hasbergen (Orga: Gerd Junker)Hüggel-Marathon42,2Hasbergen
07.11.Hagen a. TWBorgberg-Marathon und Ultra42,2Borgberg
13.11.SteinhagenSteinbruch-Ultramarathon47,2Steinbruch
14.11.LadbergenLadbergen-Marathon42,2Ladbergen
17.11.Bad MünderRunning Paule Marathon – noch nicht gemeldet42,2Paule
20.11.AdensenSchloss-Marienburg Marathon42,2Marienburg
21.11.TecklenburgBrochterbeck-Marathon und Ultra 42,2Brochterbeck
27.11.Bad EilsenIdaturm Marathon42,2Ida
28.11.HannoverKananoher forty five – gem. bez. 21.09.45,045
04.12.BremenBremer Bergmarathon – gemeldet 21.9.51,4Bremen
11.12.RuM // Rheda-WiedenbrückOS // Rhedaer-Forst-Marathon – beide nicht gemeldet42,2RuM // Forst
18.12.KasselFuldauferweg-Marathon – noch nicht gemeldet42,2Fuldaufer
2022202220222022
09.01.KölnGrüngürtelultra – Start-Nr. 211 aus 2021 übertragen63Grüngürtel
29.01.Rodgau50 km Ultra-Marathon – noch offen50Rodgau
13.02.Herten-BertlichStraßenlauf – noch offen42
26.02.Bad SalzuflenBaukasten-Marathon – noch offen42Baukasten
25. – 27.3.WolfsteinPfälzer Bergland-Trail (52,49,28) gem./bez. 16.11.129Pfalz
03. – 07.04.Solingen-BurgDie Bergischen 5 – noch offen275Burg
23.04.SalzhemmendorfIth-Hils-Ultratrail – gem./bez. 1.10.81ITH
21.-23.5.Freudenstadt-GrüntalSchwarzwald-Ultra 3 Etappen – noch offen150Schwarzwaldultra
25.05.Freudenstadt-GrüntalGrüntal-Ultra, somit 4 Läufe in 5 Tagen – noch offen52Grüntal
05.06.Arnsberg – Duisburg Tor Tour de Ruhr 100M – Startnummer aus 2019161TorTour
12. – 18.6.Freudenstadt-GrüntalSchwarzwaldlauf – „Die fantastischen 7“ – gemeldet 5/21367Schwarzwaldlauf
03 – 09.07Lomnice (CZE)MUM 7 Etappen – noch offen301MUM
23.07.LeopoldshöheLeo100k – gem+bez am 21.10.21100Leo100k
28.08 – 02.09.RustRust – Oberstdorf in 6 Etappen – noch offen320Rust
2023202320232023
29.04. – 04.05.Aachen – TrierEifelsteig-Etappenlauf – noch offen312Eifelsteig
04. – 10.06.Schwenningen – MannheimNeckarlauf 2023 – noch offen377Neckar
06. – 12.08.Freudenstadt-GrüntalGeh-Heim-Lauf 7 Etappen – noch offen337Geh-Heim

Schloss Burg-Marathon

Aus einer Einladung zu einem gemeinsamen Trainingslauf über 30 Kilometer, entwickelte sich die Idee daraus ein Angebot zum Marathonlauf zu machen. Hier mehr zum Laufangebot entlang der Wupper:

Lichtturm – Start + Ziel

Treffpunkt ist der Parkplatz an der Fauna, ein Tierpark, in Solingen, Lützowstraße 347. Hier steht gleich nebenan an der höchsten Stelle von Solingen ein ehemaliger Wasserturm. Der Wasserbehälter wurde durch eine Glaskuppel ersetzt. Diesen „Lichtturm“ kann man für Tagungen und Workshops mieten.

Wer das S verliert, der hat sich schnell verirrt!

Wir starten und folgen nun dem S, dem Wanderweg „Klingenpfad rund um Solingen“, der uns bis kurz vor Schloss Burg begleiten wird. Nur einmal, kurz nach der Müngstener Brücke werden wir den Weg verlassen, um ein paar Höhenmeter zu vermeiden.

auf Trails unterwegs
Aussichten
Entlang der Wupper

Es geht immer auf und ab im Tal der Wupper. Meist laufen wir hoch über ihr, dann wieder ganz nah am Fluss entlang.

Ein Bikertreff, Café Hubraum

Bei Kilometer 5 passieren wir einen Bikertreff mit Biergarten. Bei Kilometer 7 geht es vorbei an einer ehemaligen Papiermühle. Kilometer 8,9: An der Bundesstraße rechts hinauf und nach etwa 80 Metern die Straße queren und auf schmalem Pfad hinein in den Wald. Wenn wir den Bahnhof Solingen-Schaberg erreichen, befinden wir uns (wieder einmal) ganz oben und kurz vor der Müngstener Brücke.

Nach dem Bahnhof Solingen-Schaberg führen die Gleise auf die Brücke – betreten verboten!
Abstiegs-Alternative zum Wanderweg

Nun steil abwärts und dann unter der Brücke durch. Bald, bei km 10,3 laufen wir flach geradeaus weiter, während der Klingenpfad rechts aufwärts führt. Bei Km 11,3 kommen beide Wege wieder zusammen.

über die Brücke

Bei Km 12,8 überqueren wir die Wupper und laufen nun auf der anderen Flussseite weiter nach Unterburg. Hier zweigt der Klingenpfad ab, wir laufen weiter geradeaus zum Ort. Rote Pfeile weisen den Weg hinauf zum Schloss (Km 15).

Eine Aufstiegs-Alternative
Schloss Burg und VP 1

Nun folgt der Abstieg Richtung Höhrath und Sengbachtalsperre. Ein Aussichtspunkt, Diedrichstempel Nr. 1, gibt den Blick auf Unterburg und das Schloss frei.

Aussichtspunkt Dietrichstempel
Unterburg und die Wupper

Weiter geht es Richtung Höhrath und kurz darauf erreichen wir bei Km 17 die Talsperre, die wir im Uhrzeigersinn umlaufen.

Die Talsperre liegt immer rechts
unser Weg über die Staumauer
Über die Staumauer, NICHT dem S folgen

Bei Kilometer 18 treffen wir wieder auf das S, den Klingenpfad, dem wir bis zur Staumauer bei Km 24 folgen. Nun das S verlassen und über die Staumauer und weiter zurück zur Wupper (Km 25,7). Entlang der Wupper kommen wir zum Parkplatz an der Talstation der Seilbahn (Km 28,8). Verpflegungsort 2.

Irgendwie werdet ihr es schaffen

Zuvor muss noch ein Bach überquert werden. In der Brücke klafft ein Loch von 2 Metern. Das Unwetter hat diese Brücke halb weggerissen. Es gilt nun den Bach kreativ zu meistern. Wir hoffen, dass es nicht regnet!

Nach dem VP sind wir in Unterburg bei Km 28,9 und laufen wir nun auf dem Weg, den wir schon kennen, zurück Richtung Ziel.

Achtung: Die Brücke über die Wupper lassen wir diesmal links liegen und laufen bergauf und folgen bald links ab dem R, dem Röntgenweg ein Stück.

Die höchste Eisenbahnbrücke Europas

Bei Km 32,8 passieren wir wieder die Müngstener Brücke. Wenig später liegt unweit der Strecke ein weiterer Aussichtspunkt, Dietrichstempel Nr. 2. Ein schöner Blick zurück auf die Brücke.

Noch ein Aussichtspunkt ins Tal der Wupper
ein Blick zurück

Km 33,8 – die Hauptstraße per Ampel überqueren, links halten. Nach 600 Metern treffen wir auf den Hinweg, dem wir folgen. Papiermühle, Café Hubraum passieren wir in umgekehrter Reihenfolge. Am Abzweig bei Km 39 verlassen wir den Hinweg und laufen geradeaus weiter (rote Pfeile). Nach dem Queren eines Baches geht es in Serpentinen sehr steil hinauf.

Km 41,5

Km 41, durch eine kleine Siedlung und weiter hinauf zum Ziel, das sich in Höhe der Einfahrt des ersten Parkplatzes befindet.

Diese Beschreibung ersetzt kaum den Einsatz von Garmin oder Komoot. Bitte diesen Tracks folgen. Oder sich jemandem anschließen, der dies nutzt und etwa bleichschnell unterwegs ist. Wir haben die Strecke auch an den wichtigen Stellen mit roten Klebepfeilen markiert. Allerdings können wir nicht garantieren, dass diese am Lauftag noch alle da sind.

Garmin:

https://connect.garmin.com/modern/course/35264971

Komoot:

https://www.komoot.de/tour/448018961?ref=itd&share_token=aiR2ng6PDOG02d08XZ3rbEkxGjoPzfrDHbgZz70kMzFLuDDNor

Dyckerhoff Steinbruch

Übersichtskarte – Startpunkt P mit *
Beeindruckende Ausblicke

Dieser Marathon ist ein besonderer. Er verbindet Eindrücke von Natur und Industrie. Seit etwa 150 Jahren arbeitet sich das Werk Dyckerhoff in Lengerich-Hohne in den Berg, der aus Kalkstein besteht. Hier werden verschiedene Zementarten hergestellt, die in unterschiedlichen Bereichen des Tief- und Hochbaus Verwendung finden. Eine Spezialität ist der Tiefbohrzement, der sogar weltweit Abnehmer findet. Mit dem Abbau des Kalksteins gehen Rodungen der Buchenwälder einher sowie die Entstehung eines großen Abbaugeländes. Aktuell ist die Fläche etwa 3 mal 1 Kilometer groß. Vor einigen Jahren wurde die Firma Dyckerhoff von der Firma Buzzi übernommen. Der Name Dyckerhoff ist aber noch überall zu finden. Allein die Ausschilderung des Rundweges wurde mit dem blau-weißen Symbol der Firma Buzzi vorgenommen.

Das blaue U ist die Wanderwegbezeichnung

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz an der Lienener Straße in Lengerich (Eingabe Navy: Lienener Str. 99, 49525 Lengerich), hier zwischen der Nr. 99 und dem blauen Werkszaun. Gegen den Uhrzeigersinn. Entlang des Werksgeländes aufwärts immer diesem Symbol (Blaues U) folgen.

Der 50 Meter entfernte Aussichtspunkt, siehe nächstes Foto, wird in jeder Runde angelaufen
Aussichtspunkt

Es folgen Waldwege mit einigen Steigungen durch die Buchenwälder. Hinauf zu einer Bank mit sehr schöner Sicht ins Holperdorper Tal.

Bergauf im Buchenwald
hier eine verdiente Pause einlegen

Nach einem heftigen Anstieg ist nun der östlich Zipfel des Steinbruchs erreicht. Bald gibt es Einblicke in das große Steinbruchbelände. Der Betrieb läuft hier in der Produktion Tag und Nacht, im Abbau von Kalkstein bis Samstags. Die Sprengungen erfolgen allerdings so dosiert, dass auf dem Wanderweg keine Gefahren drohen.

Blick in den „Bruch“
Abbau-Terrassen
Am Rand des Steinbruchs durch Buchenwald
noch eine Möglichkeit für Pause und Ausblick

Das Kalkgestein wird durch Sprengungen gelockert und dann mit Baggern und riesigen Kipplastern abtransportiert. Vom Steinbruchrand sehen die Fahrzeuge wie Spielzeugautos aus. Wenn man allerdings weiß, dass allein die Räder der Lasters 2,50 Meter hoch sind, beeindruckend! Wir verlassen den Steinbruch bergab. Wer aufmerksam nach rechts schaut, sieht die in den Berg eingelassenen Bunker, in denen der Sprengstoff gelagert wird.

Sprengstoffbunker

Wir laufen nun die Dyckerhoffstraße hinab bis zur Lienener Straße. Dort links ab und vorbei an der Zufahrt zum Zementwerk. Bitte unbedingt die Ampel beachten! Wer bei rot läuft, wird disqualifiziert! Bald danach ist der Wanderparkplatz erreicht. Die Runde ist 8,4 Kilometer lang und weist 200 Höhenmeter auf.

Zufahrt zum Betriebsgelände