11.9. Südthüringentrail in Suhl

Wie sich Helden in Riesen verwandeln

SÜDTHÜRINGENTRAIL – Der Trail mit HERZ
Der Wichtel ist das Symbol dieses Laufes (Motiv Veranstalter)
Teuto Run & Fun Logo
Mit den Bielefeldern auf Tour (Logo des Lauf- und Walkingtreffs)

Anreise per Bus mit den Organisatoren des Vereins Run und Fun Bielefeld, Sonja und Detlef Kley, sowie weiteren 23 Läufer/innen. Abholen der Startunterlagen und um 19:00 Uhr, danach gibt es Essen im Restaurant des Hirschen. Hier werden Erfahrungen der Vorjahre ausgetauscht und der Wetterbericht studiert. Mir bleibt in Erinnerung, dass es 2 Skipisten geben wird. Eine im Aufstieg und die andere im Abstieg. Eine schwarze Piste soll dies sein. Das Wetter bleibt wohl bis 11 Uhr trocken danach kann mal ein leichtes Schauer runterkommen. Schon früh versuche ich zu schlafen, denn bereits um 4:30 Uhr wird uns der Bus zum Start fahren. Es gibt drei Starts: der Heldentrail über 65 Km mit Startzeit um 5 Uhr, der Riesentrail über 48 Km um 7 Uhr und der Wichteltrail über 17 Km um 9:30 Uhr.

Laut Diagramm geht es entweder hoch oder runter!
Einfädeln und dann sofort ordentlich bergauf

Am Samstag sind alle angehenden Helden und Frühstarter der Riesentrailstrecke pünktlich im Bus. Sie haben ähnlich wenig geschlafen wie ich. Niemand möchte verschlafen. Taschenabgabe mit Wechselklamotten für später in der Halle am Startbereich. Auf zum Start, Natascha und Ute , meine Mitläuferinnen suchen. Übrigens, Suhl liegt etwa 420 Meter über NN. Ich begrüße noch kurz Ralf sowie Marion und Jochen Konradt, dann geht es schon los. 299 Stirnlampen setzen sich in Bewegung, welche schon nach 500 Metern abrupt endet, da es nun einspurig wird. Wie auf der Autobahn heißt es Geduld haben beim Einfädeln. Danach geht es aufwärts. Gefährliche Eisenstangen (hielten vor Jahren wohl heute verwitterte Treppenstufen) sind mit Farbe gekennzeichnet. Es geht weiter ordentlich bergauf. Erste Regentropfen fallen. Der Wetterbericht? Wir laufen in den Wolken. Der Regen wird stärker, es gießt, also Zeit für meine Regenjacke. Natascha und Ute tun es mir gleich. Wir wollen dieses Abenteuer gemeinsam bestehen. Die Wolken, oder ist das Nebel, nehmen zu. Die Stirnlampe dringt teilweise gar nicht durch. Wir kommen nur langsam voran. Auch, wenn es einmal flach dahin geht, folgt bald der nächste Anstieg. Endlich, ganz oben endet die Steigung am Bismarckturm (675 NN). Ein Helfer weist mir den Weg, rechts ab und sofort beginnt das kräftige Gefälle. Bäume liegen quer über dem Weg, Steine und Wurzel ragen aus dem Boden. Höchste Konzentration! Wer hat sich diese Strecke ausgedacht? An den Bäumen sind kleine Reflektoren angebracht, so dass ich die Strecke gut finde. An neuralgischen Punkten weisen Helfer den Weg.

VP an der Ottilienkapelle

Am ersten VP haben wir bereits 1:35 Stunden auf der Uhr. Die Cutoff-Zeit beträgt 9 Stunden für 48 ‚Kilometer, das wird knapp! Wir sind auf dem Domberg einer Felsformation auf der sich die Ottilienkapelle befindet. Bergleute sollen deren Vorläufer bereits vor vielen hundert Jahren hier (auf 550 NN) errichtet haben. Die Helfer am VP sind mega nett! Wir machen eine ordentliche Brotzeit, müssen dann aber doch weiter. Der Regen lässt nach.

Blick hinab auf Suhl in der Morgendämmerung

Nun hinab über völlig ungleiche, gefährliche Stufen hinab nach Suhl, wo wir nach wenigen Schritten in der Ebene gleich wieder auf der anderen Seite des Ortes auf einen Fußweg bergauf geschickt werden. Puh, das ist schwer! Und jede Bergabpassage muss ich nutzen, um Kräfte für den nächsten Anstieg zu sammeln. Nach einer Straßenquerung erwartet uns nasse Helden ein Fotograf.

Aufstieg über eine Skipiste!
Dieser Skiläufer ist hier besser aufgehoben als ich

Bald wieder bergauf bis es links ab geht. Hier ist nun der berüchtigte Anstieg, eine Skipiste hinauf. Zwischendurch muss ich mehrere Pausen einlegen und die Stöcke voll einsetzen. Alter Schwede! Aber jede Steigung endet. Oben eine geschlossene Baude. Und ein hölzerner Skifahrer. Wir sind durchgeschwitzt und machen eine Pause.

Wenn es eben ist, wartet Matsche auf uns

Ein Blick zur Uhr: Wir sind nun bereits etwa 3 Stunden unterwegs und haben satte 14,4 Kilometer geschafft. Hochrechnung: 9:30 bis 10 Stunden für die Strecke bis zum Start/Ziel-Bereich bei Kilometer 48. Cut Off Zeit dort 9 Stunden. Wer später kommt, darf den Wichteltrail nicht mehr laufen, wird allerdings als Finisher des Riesentrails gewertet. Die Frage ist also, schneller laufen und weniger Pausen machen, um die 9 Stundengrenze noch zu unterbieten, oder wie bisher weiterzumachen. Wir sind uns schnell einig. Genuss statt Stress! Gut so!

Tolles Angebot und super nette Helfer!

Bei Km 16,2 erreichen wir den 2. VP an der Hütte am Wimbachbrunnen (800 NN). Hier gibt es wieder alles, um verlorene Energie nachzutanken. Wir machen uns an den nächsten unwegsamen Abstieg in ein schönes grünes Tal. Auf halber Strecke passieren uns hochkonzentriert und mit schnellen, sicheren Schritten die 3 Führenden des Riesentrails. Wir können nur staunen.

Im Tal unter den Wolken
mühsam bergauf

Im Tal (630 NN) angekommen, führt der Weg gleich wieder aufwärts. Über einen Bach und weiter steil bergauf. Eine Quälerei. Die Oberschenkel qualmen. Oben tauchen wir wieder in die Wolken ein. Ich bin froh, dass wir uns für nur 48 Kilometer entschieden haben. Was für eine Strecke!

Ute hat noch Zeit für diesen Schnappschuss
das sagt alles!
Der Weg ins Nichts, nun etwa 600 Meter und 230 Höhenmeter steil hinab

Als wir die Höhe von 830 Metern erreichen, wird es flacher. Masten von einer Seilbahn (der Skilift Goldlauter) tauchen auf, und ein Schild: „Sagenhaft! Steilster Skihang Thüringens“. 100 Meter weiter, geht unsere Strecke nun diese schwarze Piste hinunter. Wir stehen am Rand und keiner will voraus gehen. Alter Schwede, ist das steil! Dann teste ich doch, ob und wie meine Schuhe hier Halt finden. Es geht, im langen Gras kann ich rutschfrei bergab gehen. Andere liegen ab und zu auf dem Rücken oder dem Po. Einige hopsen, andere gehen seitwärts, hier muss jeder seine Technik finden. Meine Oberschenkel sind stark gefordert. Wir kommen letztlich unverletzt unten an und blicken zurück. Von unten sieht es gar nicht so steil aus.

gleich geschafft
so sieht es hier im Winter aus

Schnell wird uns klar, es geht nun wieder bergauf. Umschalten in den Bergauf-Modus. Steil geht es hinauf. An jedem Wegekreuz stehen Wegweiser. Und jede Ecke hat einen Namen. Hansenrod auf 730 Metern ist so ein Punkt. Es geht weiter bergauf. Immer weiter. Alter Schwede.

Mordfleck, links ab

Nächster Wegweiser bei Hirtenrod 850 über NN. „Mordfleck 0,5 Km“. Ich könnte mir vorstellen, dass so mancher Läufer die Streckenverantwortlichen ermorden könnten. So eine Schikane! Ab dieser Stelle geht es leichter weiter. Es wird flacher und es gibt endlich einmal Wege, die ich wieder laufen kann. Das lockert die Muskulatur. Dann biegen wir wieder auf schmale Wurzelwege ein. Ein Gipfelweg führt uns zu einem Gipfelkreuz mitten im Wald.

Endlich laufbare Weg
Herrlicher Weg

Eine Straße und auch der Rennsteig wird überquert. Wir sind etwa 6 Stunden unterwegs, als sich endlich die Sonne zeigt. Es geht bergab. Ein Hinweisschild weist auf die nahe Teufelskanzel hin. Sie liegt nur 20 Meter neben der Strecke. Natürlich müssen dorthin und ein Foto schießen.

Blick von der Kanzel
Uwe mit seinen Engeln auf der Teufelskanzel

Weiter zum Schneekopf und hinauf zum Schneekopfturm. Hier oben sind wir wieder in den Wolken und es weht eine unangenehmer Wind. Die neue Gehlberger Hütte ist leider geschlossen, das Wetter zu schlecht.

Schneekopfturm auf 980 Metern Höhe

Die Stadt Oberhof wirbt für diesen Ort mit einem tollen Foto mit blauem Himmel und dem Text:

Sie müssen nur 126 Stufen überwinden um vom Aussichtsturm auf dem Schneekopf die Aussicht auf den Thüringer Wald aus 23,83 m Höhe, also aus 1001,11 m ü. NHN zu genießen. Sport mach hungrig – für das leibliche Wohl sorgt die Neue Gehlberger Hütte, die am höchsten gelegene bewirtschaftete Hütte und Wanderherberge Thüringens mit 964 m üNN.

Nun haben wir also den höchsten Punkt der Strecke passiert. Wir können nun laufen, mit leichtem Gefälle. Das tut so gut! Wir kommen vorbei an mehreren Schnitzereien.

Immer wieder stößt man auf Holzschnitzarbeiten
Der hat doch Ähnlichkeit mit Detti, oder?
Verpflegung am Adler

Lange 16 Kilometer hat es gedauert bis wir um 12 Uhr den 3. VP am Adler erreichen. Zeit für eine ausgiebige Rast. Wir erfahren von einem Helfer, dass der Sieger des Riesentrails wohl schon im Ziel ist. Er soll etwa 4:40 Stunden für die Strecke benötigt haben. Unfassbar! Ich rechne hoch, wir werden doppelt so lange brauchen. Allerdings haben wir auch mehr als doppelt so viel Spaß! Natascha und Ute stimmen mir zu.

Schöne Aussichten belohnen für die Quälerei

Immer wenn ich denke, nun geht es ja wohl viel bergab, biegen wir wieder von den breiten Schotterwegen ab auf schmale Pfade ich den Wald. Erst fein eben dahin und dann wieder aufwärts.

Wer hat sich diese Schikane ausgedacht?

Ein roter Pfeil zeigt senkrecht nach oben. Da müssen wir hinauf. In leichter Kletterei schaffen wir es. Das macht mir sogar Spaß! Wenn ich den Wegweiser richtig deute, heißt diese Stelle „Triefender Stein“.

wir schweben dahin
Alte UltraLäufer-Erfahrung: Immer wenn man einen Bach erreicht, wird es danach bald wieder aufwärts gehen

Danach nun aber eine lange Gefällpassage hinab. Über eine Brücke. Auf und ab. Weiter zu einer Bundesstraße. Hier hören wir bereits laute Musik, denn der 4. VP ist nicht mehr weit entfernt.

Letzter VP für uns

Der Sprecher begrüßt uns frenetisch. Wir greifen bei dem umfangreichen Angebot des VP gerne zu. Es gibt auch Bier, mit und ohne. Die Musik wechselt zu Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York…..“

Wir haben Spaß!

Ein Rhythmus, der die Mädels zum Tanzen bringt. Der Sprecher schließt sich begeistert an. Ich sage ihm, dass wir nicht die schnellsten aber wohl die lustigsten Läufer sind. Ein Video wird aufgenommen. „Kein Wunder, dass ihr die Cut Off Zeit nicht schafft“, ruft der Sprecher lachend. Der Song läuft fast 4 Minuten. Dann müssen wir aber wirklich weiter.

Es bleiben noch 9 Kilometer, die sich ziehen. Oben am Berg hören wir bereits den Sprecher im Ziel, allerdings müssen wir noch einen schönen Umweg laufen, bis es endlich auf einem feinen Grasweg in der Sonne zum Ziel geht. Gemeinsam laufen wir ins Ziel und werden dort von den Laufkollegen mit viel Applaus empfangen. Wir sind glücklich, es geschafft zu haben. Und die Entscheidung, vom Helden- auf den Riesentrail zu wechseln, war goldrichtig.

Endlich hinab zum Ziel
glücklicher Finisher Riesentrail

Zeit für Fotos im Ziel. Rückgabe des Transponders, Abholen des Finisher-Shirts und meines Kleidersacks. Danach umziehen und erst einmal ein alkoholfreies Bier genießen. Die Thüringer Rostbratwurst schmeckt mir auch sehr gut. Es dauert noch etwa, aber dann kommen sie.

Glückliche „Jubilare

Unsere Lauftreffchefs. Sonja und Detlef werden herzlichst von allen im Ziel begrüßt. Sie haben heute beide ihren 100. Marathon gefinisht. Herzlichen Glückwunsch! Wenig später macht sich der erste Sektkorken auf in die Erdumlaufbahn. „Prost und Glückwunsch!“ Ein Blick auf die Ergebnisliste zeigt: Von den 299 gestarteten Heldentrailläufern haben 8 ein DNF und 49 haben sich unterwegs für die Verkürzung auf 48 Kilometer Riesentrail entschieden. Diese 49 werden in einer gesonderten Liste geführt.

Reisegruppe mit allen Wichteln

Am Sonntag geht es nach einem Abstecher nach Eisenach mit Besichtigung der Wartburg zurück nach Bielefeld. Hier endet um 18 Uhr eine sehr schöne Tour.

28.8. Südtirol Ultra Skyrace

Alle Infos und Grafiken c0pyright des Veranstalters.

Link zum Veranstalter: Skyrace

28.8.2021 Das Laufabenteuer

Um 6:22 Uhr fahre ich mit dem Bus von Sarnthein nach Bozen, als einer von 10 Läufer/innen, die auch Sarnthein als idealen Ausgangspunkt gewählt haben. In Bozen meint es der Busfahrer gut mit uns und fährt an der passenden Haltestelle vorbei. Ist aber egal, denn bis zum Start um 7:30 Uhr ist noch reichlich Zeit. Vor Ort Kontrolle meiner Corona-App. Der Rucksack wird nicht auf die vielen geforderten Dinge geprüft. Die „schnellen Hirsche“ haben sogar nur Getränke dabei. Pünktlich erfolgt der Start. Erst entlang des Flüsschens Talfer und dann bald hinauf. Die Oswaldpromenade entpuppt sich als eine langgezogene Steigung, die in Serpentinen den Berg hinaufführt. Gut, dass ich meine Stöcke dabeihabe. Erst durch die Weinberge, dann durch den Wald.

Oswaldpromenade durch die bozner Weinberge
Nun auf dem Wanderweg Nr. 2 steinig bergauf

Schon bald habe ich dem Läuferfeld klargemacht, dass hier und heute nur einer Letzter werden kann: Ich! Doch dann überhole ich zwei Läufer, die verschnaufen müssen. Dahinter folgen bereits zwei Helfer, die die gelben Markierungs-Fähnchen einsammeln. Ich schnaufe ordentlich, während die beiden sich angeregt unterhalten! Wenig später schließe ich zu zwei Frauen auf, die in etwa mein Tempo gehen. Sie sind bereit, mich mitzunehmen. Danke sehr! Meine Befürchtung, dass wir es nicht in 6 Stunden bis zum Rittner Horn schaffen, wird gleich zerstreut: „In etwa 4:30 bis 5 Stunden werden wir dort sein!“ Diese Info ist für mich eine große Erleichterung, da ich es gar nicht einschätzen konnte.

Judith und Doris

So zu dritt geht es leichter, da wir uns angeregt unterhalten. Doris wohnt in Sarnthein, kennt hier jeden Steig und Judith aus der Nähe von Karlsruhe war hier bereits einmal am Start. Das Tempo ist moderat aber gleichmäßig. Wo immer es geht, wird gelaufen. Es geht nicht oft! Wir erreichen Oberbozen, wo es eine Verpflegungsstelle mit Gels, Riegeln, Waffeln und Wasser gibt. Ich nutze diese ausgiebig.

Maria Himmelfahrt – Zeit für ein stilles Gebet
Oberbozen mit Blick auf den Schlern
tolle Wegeführung

Wir drei verstehen uns gut und haben viel Spaß und gute Laune. Aus Fremden werden bei einem solchen Lauferlebnis Freunde, Lauffreunde. Wir teilen die Erlebnisse, die Quälereien, die sagenhaften Ausblicke, die Herausforderungen und die Freuden, wenn wieder ein Anstieg erfolgreich gemeistert wurde. Wir bleiben heute bis Km 25 auf dem Fernwanderweg E 10, der in Bozen endet. Da ich immer interessiert bin, habe ich den E 10 gegoogelt:

Der E10 nimmt seinen Ausgang in Nuorgam/Finland führt über Lahti zum Kap Arkona auf Rügen/Deutschland, von wo aus er über Stralsund nach Süden durch das Seengebiet Mecklenburgs und Nordbrandenburgs führt. Berlin umgeht der Weg über Potsdam und gelangt in die Niederlausitz, wo der Spreewald durchquert und in der Oberlausitz das Mittelgebirge erreicht wird. Über das Lausitzer Gebirge und das Böhmische Mittelgebirge erreicht der E 10 die Moldau und folgt ihr bis Prag und Budweis in den Böhmerwald, in dessen österreichischem Teil er in das Mühlviertel gelangt. Ein Wegast verläuft nun als Inn-Salzach-Variante nach Salzburg, der Hauptweg hingegen durch den Hausruck und den Kobernaußer Wald und über den Gaisberg nach Salzburg. Nun strebt der Weg durch das Berchtesgadener Land zum Steinernen Meer und zum Hundstein, hinab nach Taxenbach, sodann hinauf ins Rauriser Tal und hinüber ins Gasteiner Tal, von wo aus die Hohen Tauern überschritten werden. In der anschließenden Reißeckgruppe setzt sich der Weg weiterhin durch hochalpines Gelände fort, ehe er hinunter nach Spittal an der Drau verläuft und sich in den Gailtaler- und Karnischen Alpen fortsetzt, hinüber in das Pustertal führt, den Sarntaler Alpen zustrebt und schließlich sein Ziel in Bozen erreicht, wo er vorläufig endet. (Quelle: Alpenverein)

Kurz vor der Talstation der Bergbahn erwartet Christian, ein guter Freund von Doris auf uns. Gemeinsam geht es bis zum großen Parkplatz, wo auch der VP ist. Es gibt Cola, nur Cola! Gerne hätte ich meine Flaschen mit Wasser aufgefüllt, so müssen die restlichen 0,3 Liter für die nächsten rund 700 Höhenmeter ausreichen. Wir verlassen die Straße und quälen uns bergauf, Schritt für Schritt, step by step.

Auf dem Weg hinauf zur Bergstation der Rittner-Bergbahn

Wolken wechseln sich mit Sonne ab. Für das Foto vom Aufstieg passe ich eine kurze sonnige Phase ab, denn danach werden wir unter den (dunklen) Wolken laufen. Die Aussichten entschädigen für die Quälereien. Wir erkennen die Geisler Spitzen, Lang- und Plattkofel, die Seiner Alm, den Schlern, den mächtigen Sella Stock und auch die Rosengartengruppe. Diese Dolomiten liegen nur wenig entfernt und sind dennoch durch das tiefe Eisacktal nicht schnell erreichbar.

Aufstieg zum Rittner Horn

Inzwischen sind wir ruhiger geworden. Sowohl bei den Gesprächen wie auch beim Steigen. Es ist steil! Nun muss jeder sein eigenes Tempo, seinen Rhythmus, gehen. Oben am Horn werden wir uns wieder sammeln. Ein Mann wartet im Anstieg. Wenig später erfahre ich, dass es Judiths Mann ist, der seine Liebe nun ein Stück begleitet. Es fallen einige wenige Graupel aus graudunklen Wolken. Nur einige! Eine Läuferin, die wir bereits überholt hatten, schließt sich uns an. Veronika kommt aus Ritten, dem Ort, der dem Rittner Horn seinen Namen gab. Sie kennt hier also auch (fast) jeden Stein. Aus einem Trio wird ein Quartett. Endlich sind wir oben. Und ja, sie hatten Recht, meine Uhr zeigt 4:46 Stunden. Deutlich vor dem Cut Off! Meine Beine sind gut, ich weiß nun, dass ich es schaffen werde!

schöne Aussicht vom Rittner Horn auf die Dolomiten
Hier oben gibt es eine Wetterstation und die bewirtschaftete Hütte

Hier oben auf 2261 Metern Höhe ist es frisch. Am VP ist Zeit zum Auffüllen meiner Trinkflaschen, für Apfelstückchen und für 6 Kekse – einfach lecker! Wir erfahren, dass der erste Mann in etwa 4:05 Stunden bereits das Ziel erreicht hat! Die erste Frau wird etwa eine Stunde später im Ziel sein. Unfassbar!!! Beide stammen aus der näheren Region, aus Gröden und Lana.

Danach gehe ich ein Stück weiter, raus aus dem Wind, hinter einen Felsen. Es ist zwar kalt, aber von den niedrigen Temperaturen um 0 und dem eisigen Nordwind gibt es keine Spur. Dennoch tausche ich die nassen Shirts gegen neues Shirt und Windjacke. Dann muss ich los, meinen drei Damen hinterher. Kaum bin ich 100 Meter gelaufen, ist der Wind weg und die Sonne zeigt sich ganz kurz. Plötzlich warm, das gibt’s doch nicht! Ich zweifle an meiner Entscheidung. Egal! Weiter!

über Hindernisse

Es folgt eine längere Laufpassage (1 Kilometer), danach geht es über Wiesen und immer steiler bergauf Richtung Sartner Scharte, dem Hausberg von Sarnthein.

Die Scharte ist schon zu erkennen
meine Begleiterinnen
Der heftige Anstieg hinauf zum Sattel
Notfall-Biwak auf dem Sattel – endlich oben

Hier oben warten Bekannte der einheimischen Läuferinnen und es gibt eine Extra-Versorgungsstelle. Es gibt Kuchen und auch gekochte Eier sind zu haben.

verdientes Picknick nach dem langen Aufstieg

Nach der Pause geht es weiter bergauf zur Sartner Scharte. Stellenweise ziehe ich mich an Sicherungsseilen die steilen Passagen empor. Dann stehe ich endlich an der höchsten Stelle der Strecke. Die Strecke führt nicht über den Gipfel, sondern etwa 50 Meter entfernt über die Schulter. Aber ich folge den großen Steinmännchen und stehe bald am Gipfelkreuz. Diesen Ausblick will ich mir nicht nehmen lassen.

Mächtige Wegweiser!
Sartner Scharte Gipfel auf 2.468 Meter NN
KM 30 Aufstieg zum Villandersberg

Bald ist Kilometer 30 erreicht. Ein weiterer Gipfel wird in einiger Entfernung passiert. Nun soll es nur noch hinab gehen. Inzwischen ist ein Helfer hinter mir unterwegs und sammelt die Markierungen ein. Ich frage nach dem hinter uns liegenden Läufer. Seiner Info nach sind wir die letzten, andere haben wohl aufgegeben.

Totensee

Es geht felsig hinab. Nach dem Totensee folgt das Totenkircherl. Infos hierzu: Wahrscheinlich wurde das Kirchlein von ehemaligen Bergknappen errichtet. Auf der Sarntaler Seite war bis ins 16. Jahrhundert ein Bergwerk in Betrieb.“Am Toten“ sollen sich laut einer Sage während der letzten Pestepidemie einige Villanderer zurückgezogen haben. Die Kapelle am Übergang vom Eisacktal ins Sarntal liegt auf dem Hochplateau der Villanderer Alm. (Quelle: Sentres)

VP am Kircheneingang

Am letzten VP an dieser Kirche stärken wir uns und können schon den weiteren Streckenverlauf hinab Richtung Ziel erkennen. Wir sehen aber auch ein Schauer aufziehen und entscheiden uns zum sofortigen Start.

Mitten im Graupelschauer

Das Schauer ist schneller. Ein heftiges Graupelschauer verklopft uns. So schnell wie es kommt, so schnell ist der Hagel nach 5 Minuten auch wieder vorbei. Das Schauer zieht hinauf, genau dort hin, wo wir herkamen. Glück gehabt!

Wir passieren eine Gedenkstätte für einen hier verstorbenen noch jungen Mann. Doris erzählt: „Auf einer Mountainbike-Tour hielt ihm sein bester Freund das nahe gelegene Gatter auf. Nachdem er es verschlossen hatte, konnte er seinen Freund nicht mehr sehen. Er fand diesen dann an dieser Stelle leblos. Verstorben an einem Herzinfarkt. Viel zu jung!“ Nach dieser doch sehr traurigen Geschichte sind wir uns einig, wir müssen das Leben genießen solange es geht, viel Spaß haben und Erlebnisse sammeln. Wie bei dem heutigen Lauf.

Nun begleitet uns ein Junge, Noe, der die Fähnchen einsammelt. Gestern hat er mit seiner Mutter die Strecke markiert, heute ist er mit seinem Vater als „Räumdienst“ eingeteilt. Gerade noch rechtzeitig kann ich ein Foto von ihm und dem Schild Km 35 machen, bevor er hinter, neben und vor uns herumwuselt und die Markierungen aus dem Boden zupft. Der Kleine ist in seinen Bergschuhen mindestens genauso schnell unterwegs wie wir Läufer. Er hat großen Spaß!

Team Noe“

Judith bestellt bei unserem Begleiter für den Zieleinlauf „We are the Champions“als Musikwunsch. Leider hat er hier oben keine Verbindung zum Ziel.

brutales Gefälle

Es folgt ein ganz heftiges Gefällstück. Ich frage Noes Vater, ob die Fahrzeuge der Wald- und Wiesenbauern hier überhaupt hinaufkommen. „Gar kein Problem, mit Allradantrieb und niedrigem Schwerpunkt kommen sie schon hinauf. Unfälle passieren häufig bei Arbeiten, wie heuen, die quer am Hang stattfinden, da gibt es leider jedes Jahr schwere Unglücke.“

Burg Reineck

Noch 4 Kilometer, ich rufe Susi an, dass sie mich bald im Ziel begrüßen darf. Der letzte Kilometer. Wir passieren die Burg oberhalb von Sarnthein, gleich ist es geschafft. Einen gemeinsamen Zieleinlauf verabreden wir mit Noe und mit Fähnchen. Kurz vor dem Ziel werden wir von unseren Familien und Freunden erwartet. Susi spendet auch reichlich Applaus. Danke!

Das Video von unseren Zieleinlauf hat Judith zur Verfügung gestellt.

We are the Champions!

Unserem Helfer ist es wohl doch noch gelungen, unseren Wunsch weiterzugeben. Herzlichen Dank dafür!!!

Wir sind alle stolz und überglücklich, als wir die Finisher-Medaille und das T-Shirt erhalten

19 Frauen (alle) und 103 (von 105) Männer kommen ins Ziel. Und ich habe mein Ziel letztendlich dann doch erreicht: Letzter! Ok, nicht ganz allein, aber doch!

103. Uwe Laig 9:42:45 Stunden

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26.8.2021: Noch 2 Tage bis zum Start. Ich habe Teile der Strecke besichtigt, abgelaufen, abgewandert. Dies hätte ich besser unterlassen. Nun weiß ich, was mich erwartet. Heute habe ich mir den Streckenverlauf nochmals in Ruhe angesehen und festgestellt, dass es nach dem Rittner Horn (2260) noch zwei weitere Berge zu erklimmen gilt (2468 und 2509). Mit entsprechendem Untergrund. Erst dann geht es hinab zum Totenkircherl, 2168 (was ich hoffentlich lebend erreiche) und hinab nach Sarnthein auf Höhe 980. Das Wetter verspricht auch keine Unterstützung. Samstag: – 2 bis + 2 Grad, leichter Nordwind am Rittner Horn (2260). Ich darf ja noch 240 Meter höher hinaus! Wo sind meine Winterklamotten? Zu Hause! Also mehrere Schichten anziehen und sehen wie es läuft! Habe mächtig Respekt vor diesem Abenteuer. Dazu soll es noch Gewitter geben! Ich hoffe, dass der Wetterbericht morgen besser sein wird.

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10.8.2021: Ab dem 14.8. steht Jahres-Urlaub auf dem Programm. Erst eine Woche im Bregenzer Wald, danach 8 Tage in Südtirol. Ganz zufällig ist dort am 28.8. eine Marathonveranstaltung. Südtirol Sky UltraTrail. Wobei die langen Strecken über 121 und 69 Km gestrichen wurden. Mir werden aber auch 44,5 Km und 2.863 HöM reichen!

Höhenprofil

Bozen liegt auf Höhe 280 NN, bis zum Rittner Horn bei km 23 sind 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Das Zeitlimit beträgt hierfür 6 Stunden. Für die gesamten 44,5 km (Verlängerung wegen Felssturz notwendig) habe ich 12 Stunden Zeit. Der höchste Punkt liegt bei rund 2.500 Metern NN.

Das wird schon ein ordentliches Abenteuer werden. Hier werde ich auch die Stöcke mitnehmen. Es gibt auch eine umfangreiche Liste mit Utensilien, die ich dabei haben muss. Wo ist meine Signalpfeife? Und die Handschuhe?

VORGESCHRIEBEN:

  • Startnummer, mit integriertem Chip, muss sichtbar vorne angebracht werden (um Chipsignal gut zu empfangen)
  • Rucksack oder Gürteltasche
  • Mobiltelefon immer eingeschaltet und aufgeladen
  • Sicherheitsnummern der Organisation und Notrufnummersind im Mobiltelefon gespeichert
  • Feldflasche oder Camelbak, Becher oder geeigneter Trinkbehälter
  • Nahrungsvorrat für die gesamte Rennstrecke
  • Aluminium Rettungsdecke/Überlebensdecke
  • Signalpfeife
  • Erste Hilfe Set: Sterile Kompressen, Verband, Pflaster
  • wasserdichte Jacke, für schlechte Klimabedingungen und für Höhenlagen geeignete warme Bekleidung
  • Laufhosen, die mindestens bis unter das Knie reichen oder Beinlinge
  • Mütze, Stirnband oder sonstigen Kopfschutz
  • Handschuhe
  • Streckenplan/Road-Book oder GPS
  • Sicherheitsplan bei Unwetter und bei Unfällen
  • Chirurgische Maske

Da sehe ich, dass ich doch noch einiges zurecht legen muss. Und klar, auf 2.500 Meter Höhe (Sarner Scharte) kann die Temperatur auch bei 0 Grad liegen.

Hoffentlich gibt es kein Gewitter. In 2019 wurde das Rennen wegen Gewitter unterbrochen und Teilnehmer in Hütten versorgt. Leider waren einige Läufer zwischen den Posten unterwegs und nicht erreichbar. So auch eine Gruppe mit einer Norwegerin, die von einem Blitz getroffen wurde und später im Krankenhaus verstarb. 2021 wird es kein Gewitter geben! Falls doch, werde ich meinen Start überdenken.

Wenn alles gut läuft, geht es ab dem Totenkircherl die letzten 10 Kilometer – siehe Foto – hinab ins Sarntal. Ganz zufällig befindet sich unser Hotel in Sarnthein, in der Nähe des Ziels.

Über diesen Lauf werde ich ab 29.8. berichten.

7.8.21 Ottonenlauf

Triebwagen der Harzer Schmalspurbahnen Richtung Harzgerode

Bereits zum 7. Mal bin ich bei diesem schönen Lauf im Harz mit dabei und werde Martina und Ute auf der 45 Kilometer langen Strecke begleiten. Wir parken in Quedlinburg im Ziel im Moorstadion und wandern zur Bushaltestelle. Dort treffen wir Gerd, der auch diese kostengünstige Möglichkeit (3,90 €) des Transportes zum Startort Alexisbad nutzt. Unterwegs kommen wir an Bad Suderode, Gernrode und Mägdesprung vorbei, Orten, die wir später laufend passieren werden. Um 9:10 Uhr steigen wir aus dem Bus. 2017 war die Startnummernausgabe beim Hotel Habichtstein, heute eine verlassene Baustelle. Wir finden dann doch den Ort des Geschehens, Trassierbandgewirr und zwei Tische mit den Startnummern direkt neben Straße und Schmalspurgleisen. Wir haben die Haftungserklärung, den Impfnachweis und den Gesundheitsfragebogen wie in der Ausschreibung genannt, dabei und erhalten rasch unsere Startnummern in XXL-Größe, die nicht so recht zur Anzahl der Teilnehmer (40) passt. Die Mehrzahl der Läufer rennt die 70 Kilometer Strecke, um noch mehr Harz zu genießen. Ein Läufer macht dann Ärger, er hat weder Maske noch die geforderten Unterlagen dabei, besteht aber auf Aushändigung der Startnummer, was ihm vom Race Direktor verwehrt wird. Übelste Beschimpfungen ausstoßend macht sich diese Person dann endlich vom Acker.

entlang der Selke, hier noch flussaufwärts

erster Anstieg

Als der Triebwagen vorbei ist, erfolgt um 10 Uhr der Start. Ein paar nette Worte und Hinweise auf nasse, glitschige Steinpassage, und es geht ganz entspannt (zumindest für unser Team) los. Über die Brücke und auf kleinen Wegen entlang der Selke. Bald zunehmend steil bergauf bis zu einem Aussichtspunkt ins Selketal.

Verlobungsurne

Hier steht eine große Vase auf einem Sockel. 1845 hielten sich im Ort 6 adelige Pärchen hier einige Tage auf. Als Dank für diesen schönen Aufenthalt spendete der Prinz Hugo von Hohenlohe-Öhringen (Württemberg) dieses Denkmal. Die 12 Vornamen der Beteiligten sind auf den Seiten des Sockels genannt. Im Volksmund wird die Vase „Verlobungsurne-2 genannt. Es allerdings nicht belegt, ob damals tatsächlich eine Verlobung stattgefunden hat. Nach einigen Fotos laufen wir hier auf der Höhe auf schmalen Pfaden herrlich auf und ab weiter. Immer wieder locken Aussichtspunkte wie Birkenhäuschen, Luisentempel, Friedensdenkmal und Köthener Hütte zu einem kurzen Stopp.

An der Köthener Hütte
Mägdetrappe = Absprungort der Riesin

An der Mägdetrappe mache ich wieder Halt. Ein Foto von der Stelle an der sich der Sage nach Folgendes ereignete: Ein Riesin wartete hier auf ihre Freundin aus Thüringen. Diese war nach ihrer Reise müde und bat die Wartende doch zu ihr hinüberzuspringen. Ein Bauer spottete über die zögernde Riesin. Diese schnappte sich den Bauern samt Pferdewagen, stopfte sie sich in die Schürze und sprang über das Selketal zu ihrer Freundin hinüber. Dort entließ sie den geschockten Bauern. Zurück blieb am Absprungpunkt ein Fußabdruck (Größe 64) im Fels.

Kopf einziehen

Es geht glitschig bergab, der Veranstalter hatte Recht! Gut aufpassen! Bald ein neuer Anstieg zu einem weiteren Highlight, dem Pioniertunnel. Hier hatten in 1900 Magdeburger Pioniere den Tunnel im Rahmen einer Übung in den Fels geschlagen. Heute eine schöne Passage des Wanderwegs Selketal-Stieg.

Entlang der Selke

Es gibt so viel zu sehen, dass wir nur langsam vorankommen. Allerdings ist das Motto unseres Teams Ute, Martina, Gerd, Frank und ich „Den Lauf genießen“, was wir ausgiebig tun. Im Ort Mägdesprung dann der erste VP, den wir gerne nutzen. Wieder über die Selke und nun laufen wir im Tal am Fluss entlang. Mal direkt am Wasser entlang, dann wieder ansteigend über eine Felspassage. Es folgt ein weiterer Tunnel, der Wanderweg ist ein Genuss! Allerdings fehlt leider die Schaukel, die noch im Prospekt des Selketal-Stieges beschrieben wird. Gerne hätte ich unsere Mädels einmal ordentlich in Schwung gebracht. Frank hat sich hier bereits von der Truppe entfernt.

Besonderer Verpflegungspunkt

Die Wege werden breiter und am Hammer IV, heute ein Café, befindet sich der zweite VP. Ein ganz besonderer, auf den ich mich bereits seit dem Start freue. Denn hier gibt es immer ganz leckeren, hausgemachten Kuchen, heute mit Kirschen. Die Stücke sind klein geschnitten, soo lecker, dass ich zu einem zweiten Stück greife. Mein Lob freut die Standbesatzung.

Verpflegung für alle Zwei- und Vierbeiner

Ab der Selkemühle wird das Tal breiter und der Wanderweg folgt nun einem breiten geschotterten Weg. Büsche bieten den Damen die Gelegenheit für eine kurze Pause. Anschließend beklagt sich Martina über sehr zudringliche Mücken. Gerd mit ganz trockenem Humor: „Wenigstens die Mücken mögen dich!“ Der Selketal-Stieg führt unter Kastanien durch Wiesen immer gleich dahin. Das wird bald etwas langweilig. Eine Engstelle, eine Brücke, auf der anderen Flussseite dann durch das nächste breite Tal. Martina meint zurecht: „Hier passt das Lied, über sieben Brücken musst du gehen, sehr gut“ Recht hat sie, nur, es sind mehr als sieben Stück. Dann der VP. Und nochmals 4 Kilometer Wiesenwege bis zum VP Thalmühle.

Herrlich!

Ab hier wieder auf schmalen Wegen, die ich liebe, am Fluss entlang. Ein Blick zurück und man sieht die Burg Falkenstein, die seit über 800 Jahren auf einem Felsrücken über dem Selketal thront und nie erobert wurde. Bald vorbei an einem in den Berg getriebenen Mausoleum und zum Schloss Meisdorf. Hier am VP hat Frank sich zu einer längeren Pause (bis später) niedergelassen.

Schloss Meisdorf

Das Schloss und das Schlossrestaurant sind geschlossen. Coronabedingt? Der Garten bietet einen traurigen Anblick. Statt gepflegter Gärten und Beete mit schönen Blumen wie früher, steht das Unkraut hüfthoch. Weiter nun leicht bergauf am nahe gelegenen Golfplatz vorbei, der weiter geöffnet ist. Die Hälfte unserer Strecke haben wir nun bereits geschafft. Weiter bergauf durch den Wald, über Wiesen und dann asphaltiert Richtung Ballenstedt. Noch ein Umweg über eine Wiese hinauf. Hier steht wie jedes Jahr ein echtes Anhalter Original und weist uns die Richtung. Er trägt mir Grüße für seine Frau auf, die 200 Meter weiter an einer Wegabzweigung auf einer Bank sitzt. „Hallo Bärbel, ich soll dir liebe Grüße von deinem Mann ausrichten!“ Wir lachen. „Bis nächstes Jahr“, verabschiede ich mich.

Martina macht Tempo
VP Ballenstedt

Wenig später erreichten wir den VP am See unterhalb vom Schloss Ballenstedt. Auch hier sind alle Helfer wieder unglaublich nett und gut drauf. Es gibt alles, was der Läufer so braucht. Ute macht noch einige Fotos vom See, dann ein Umweg zu einem Denkmal mit einem Löwen, dann noch diese riesige, uralte Eiche. Wenn diese so alt ist wie das Schloss, dann etwa 300 Jahre. Auch das Schloss kann ich nun sehen. Martina und Gerd verlieren wir hier, sie haben es eilig.

Uralter Baum

Löwe im Schlosspark

Nächster VP an einem Badesee. Der Osterteich. Ein ganz idyllischer Ort. Ute verspricht, wenn es nächstes Jahr heiß sein sollte, wird sie sich hier abkühlen. Versprochen! Also müssen wir nächstes Jahr hier nochmals laufen. Danach wieder ein Anstieg, wir überholen zwei Wanderer, die um 7 Uhr in Alexisbad starteten. Ein paar nette Worte, alles Gute und weiter. Es bilden sich dunkle Wolkenformationen. Ute meint, eine sieht aus wie Fuchur, der Glücksdrache, aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende. Sie hat Recht!

Badesee Osterteich

Am Ende des Anstiegs ein Schild, Aussicht 100 Meter. Den Umweg gönnen wir uns. Hier stehen Bänke, um den grandiosen Ausblick auf Gernrode und das Harzvorland zu genießen. Ich nutze die Gelegenheit, um die Gummibänder an den Gamaschen neu zu befestigen und die Schuhe zu leeren. Eine Salztablette, ein Schluck Wasser, ein Salzlakritz und die Aussicht aufnehmen. „Über sieben Brücken“, wie reimt doch Karat sehr weise:

„Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn
Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn
Manchmal ist man wie von Fernweh krank
Manchmal sitzt man still auf einer Bank“

Aussicht auf Gernrode

Ute macht noch zwei Fotos. Dann schnell den Wanderstempel Nr. 119 „Försterblick Gernrode“ auf die Startnummer gedrückt, dann müssen wir aber nun wirklich weiter. Übrigens: Wer alle 222 Wanderstempel sammelt, wird Wanderkaiser!

typisch für Bad Suderode

In Bad Suderode verlassen wir den Harz. Auf dem Marktplatz werden wir von der Helferschar begeistert begrüßt. Vermutlich haben sie mehr Helfer im Einsatz als Läufer am Start?! Alle haben ihren Spaß. Durch die Felder Richtung Quarmbeck. Nun beginnt der Radweg. Noch rund 3 Kilometer bis zum Ziel. Martina und Gerd sind auch auf der langen Geraden nicht mehr zu sehen. Wie meint Gerd später: „Ich wäre gerne einiges gegangen aber Martina hat mich immer vor sich hergetrieben!“ Ute nimmt sich auch am allerletzten VP noch die Zeit für einen kurzen Plausch mit den Helferinnen. Sie haben es sich verdient! Auch drei Kilometer gehen zu Ende.

fast geschafft

Stadioneinlauf. Eine Fanfare ertönt für uns. Hier werden auch die weit hinten Platzierten begeistert begrüßt. Gänsehaut. Martina macht das Zielfoto.

Medaillenübergabe

Ein schöner Lauf endet. Ulrich, Marion und Jochen sind die lange Strecke gelaufen und begrüßen uns. Schön, sie wieder zu sehen. Stefan Opitz, mein MUM-Mitstreiter, liegt auf dem Rasen, neben ihm der Pokal. Er hat den Lauf über 45 Kilometer gewonnen. Zeit: Unter 4 Stunden. Tolle Leistung, Glückwunsch! Unsere Zeit: Rund 6:30 Stunden.

Ein letztes Foto: Diese kleine Ente (am Wegesrand gesichtet) gab uns Kraft für die letzten Kilometer

Nach dem Duschen noch (je) ein alkoholfreies Weizenbier für alle und eine Boulette für Gerd und mich. Gerd wird später nach Langenhagen fahren und dort morgen den nächsten Marathon laufen. Kurz bevor wir abfahren kommt auch Frank ins Ziel. Herzlichen Glückwunsch!

Mauerweglauf 2017

Der Lauf (Copyright LG Mauerweg)

Jedes Jahr im Frühjahr erhalte ich Anfragen rund um den Mauerweglauf (2016 + 2017 war ich dabei) sowie die Vorbereitung hierauf. Hier einige Infos.

Alles beginnt mit der frühen Anmeldung, denn die Startplätze sind begehrt und rasch vergriffen. Ich bin etwas spät (30 Stunden nach Freischaltung) dran, rücke aber von Platz 17 der Reserveliste später ins Teilnehmerfeld. Nun gilt es!

Meine Vorbereitung. Regelmäßige Marathonläufe. Darüber hinaus längere Distanzen, max. 100 km und Etappenläufe.

Januar: 50 km Rodgau; März: 50 km Lahntallauf, 6-h-Lauf 53 km Münster, 193 km (4 Etappen) Balaton-Lauf in Ungarn; April: 58 km Ith-Hils-Lauf; Mai: 73 km Rennsteiglauf, 50 km Westerwaldlauf, 126 km (2 Etappen) Saar-Hunsrück-Super-Trail; Juni: 50 km Null in GM-Hütte, 12 h-Lauf 91 km Marienfeld; Juli: 100 km Thüringen-Ultra Fröttstädt, Deutschlandlauf Etappen 6 + 8 (78 km und 83 km); 5. August 45 km Ottonenlauf.

Auch interessant: HaWe Rehers Erfahrungen 2016 als 5facher Finisher: HaWe

12.8., der Lauftag: 3:40 Uhr aufstehen, 4:05 Uhr Frühstücken, 4:50 Uhr Shuttle-Bus zum Stadion. Abgabe der Kleiderbeutel für die Wechselbereiche. 6 Uhr Start. Erste Ampel, rot, alle halten sich an die Spielregeln, keiner will rausfliegen wegen ein paar Sekunden. Seit der gestrigen Nudelparty ist mein Ziel (Mission Impossible) die Gürtelschnalle, die man erhält, wenn man unter 24 Stunden bleibt. Mein Tischnachbar trug diese besondere Auszeichnung, den Buckle. (Letztes Jahr benötigte ich 28:45 Stunden). Meine Beine laufen ganz gut, 1. VP, ein Becher Wasser und weiter. Wenig später, km 10, der Gedenkpunkt für Dorit Schmiel, die hier bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. Ich lege hier eine Rose ab, Nachdenklichkeit, Gedenken, Gänsehaut. Ihr Bild wird die Finishermedaille zieren.

Jede Stehle steht für einen an der DDR-Grenze Getöteten

Viele Stellen der Strecke erkenne ich wieder, nur, letztes Jahr liefen wir anders herum und waren hier schon fix und fertig. Blankenfelde und Lubars lassen wir rechts und links liegen, als mir ein Mitläufer von einem Fluchtversuch berichtet. 1985 im März kamen 3 junge Leute mit dem Auto vom Onkel hier an. Sie zogen sich bis auf die Unterhose aus, durchschwammen eine Teich und überquerten die Grenzanlagen. Dann, als sie PKW mit Westberliner Kennzeichen sahen, klingelten sie an einer Tür. Hier wollte man sie zunächst nicht einlassen. Nachdem die Bewohner aber die Geschichte von der Flucht hörten, machten sie die Tür auf. Der Wagen vom Onkel wurde von den DDR-Behörden einkassiert, wegen Nutzung zur Republikflucht. Diesen Mitläufer, Thomas aus Berlin, werde ich in den nächsten Jahren bei verschiedenen Ultraläufen wiedersehen.

Ich laufe auf der Markierung der Teilung

Immer wieder laufen wir auf kleinem oder großem Kopfsteinpflaster. Ermüdend. VP 4 (von 27) Naturschutzturm, den Turm habe ich letztes Jahr nicht gesehen, oder? Immer wieder weisen die orangenen Stelen darauf hin, dass hier Opfer des Versuchs, die DDR zu verlassen, zu beklagen sind. VP 6, Ruderclub Oberhavel. Hierhin konnten sich Läufer Umziehsachen bringen lassen. Für mich zu früh, meine Dropbox liegen bei Km 70 und 100. Ich befolge HaWes Ratschlag: “Bleib an den VPS nur kurz stehen, beeil dich, das bringt richtig Zeit. Wenn du statt 2 Minuten nur 30 Sekunden bleibst, sparst du bei 27 Stationen über 40 Minuten.“

127,77 Km – nur noch!

Und ich laufe weiter durch den immer stärker werdenden Nieselregen. Nun mit Regenjacke. Es läuft, auch wenn meine rechte Achillessehne schmerzt. Der erste Marathon ist fertig gelaufen, in rund 5:05 Stunden. Eigentlich viel zu schnell für die Gesamtstrecke. Egal, ich versuche heute was geht. Es folgen die nächsten Kilometer, die sehr hügelig sind. Am rechten Fuß entwickelt sich eine Blase unter dem großen Zeh. Noch sind die Schmerzen auszuhalten. Die Wege sind schlecht, oft aufgebrochen von Baumwurzeln. Ich weiß gar nicht, wie ich hier letztes Jahr ohne Sturz durchgekommen bin. Ich überlege, wenn ich den nächsten Marathon in 6 Stunden laufe und dann 6:30 stunden, dann habe ich 17:30 Stunden und noch 6:30 Stunden für die letzten 36 Kilometer. Kann ich das? Ist das realistisch? Hört sich gar nicht so schlecht an. 

Trübes Regenwetter

Km 63,4: Pagel und Friends, ein besonderer VP. In einem Vorgarten bauen die Anlieger alles auf was man so braucht. Auch eine Durchsage gibt es hier. Und eine Livecam. Ich nutze die Bank und tausche meine Gummiringe an den Gamaschen aus, die alten hat’s zerrissen. Weiter geht’s. Keine 100 km mehr. 

Die VPs sind super bestückt!

Bei Km 71 ist der 2. Wechselpunkt, Schloss Sacrow. Hier warten HaWe, Wolfgang Wellensiek und Detlef. Es ist bereits 15 Uhr. Das Schloss wurde im 14 Jht. als Ritterburg errichtet und im 18 Jht. zu einem Gut umgebaut. Ich suche in meinem orangenen Beutel die Warnweste, die für die Nacht Pflicht ist. Da ist sie nicht, na dann sicher im Beutel bei Km 103. Die Schuhe lasse ich an. Ein Wechsel könnte auch fatale Folgen haben. Die Schmerzen sind erträglich. Ich setze das nächste Ziel: Km 84, 2. Marathon. Km 77, VP Revierförsterei Krampnitz. Gut, dass es hier ein Dixi-Klo gibt, genau passend. Um einiges leichter, tapere ich weiter. Das reimt sich!

Agenten-Austausch-Ort

VP Meierei, die kleine Brauerei am See. Km 84, die Zeit 10:41 Stunden. Also 5:35 für den letzten Marathon, nicht übel. Ich betäube die Blase mit einem kleinen Bier. Mein Puffer wächst, wie auch meine Schmerzen der Blase. Wenig später, so etwa bei Km 90 sind die Schmerzen plötzlich weg, die Blase gibt auf. Ob es am Bier liegt? Woher sie wohl kommt? Von den nassen Füßen oder davon, dass ich heute mit ganz neuen (5 km) Schuhen renne? Ich laufe wieder über die Glienicker Brücke, dort wo die Agenten getauscht wurden, gegen harte DM! Kalter Krieg, Gänsehaut. 

Nur noch 12 VPs folgen

Ich werde müde. Die Beine auch. Entlang am Griebnitzsee stehen die Villen der Reichen und Berühmten. Gegenüber fordert ein Transparent: „Zugang zum See für Jedermann!“. Das wird die Schönen stören. Es folgt die unendlich lange Gerade durch den Wald, echt 6 Kilometer lang! Und wellig, leicht ansteigend. Ich gehe viel und laufe nur die flachen Passagen, wie die anderen Läufer auch. Bei km 97 ist diese Tortour dann auch zu Ende. Königsweg heißt das hier. 

Schon über 100 km im Sack!

Sportplatz Teltow, km 103, Wechselpunkt 3, Sonja Kley empfängt mich, sie wartet auf ihren Staffelläufer. Meine Zeit hier: 13:45 Stunden, meine Bestzeit über 100 km liegt / lag bei 14:15 Stunden. Heute unter 24 Stunden, ist die Mission evtl. doch possible??? Hier in Teltow liegt mein zweiter Klamottenbeutel. Erst etwas essen und trinken, dann zum Beutel. Ich suche die Warnweste, und finde sie nicht. Mist! Ohne Weste darf ich nicht weiter. Nochmals durchwühle ich meinen kleinen Rucksack, keine Weste, Mist hoch 2. Ich überlege, was ich machen kann. Zur Tankstelle? Wo ist eine? Sonja fragen, wenn sie mit dem Auto da ist, hat sie vielleicht eine Weste zu verkaufen. Ok, gute Lösung, nach draußen, aber sie ist nicht mehr da. So ein Mist! Mist hoch 3. Ich spreche einen Autofahrer an, der wohl zu einem Läufer gehört. Aber er kann nicht abgeben, es ist nicht sein Auto, nur geliehen. Mist hoch 4. Was nun? Doch Tankstelle? Aufgeben? Aufgeben gibt’s nicht!

Etwas weiter sehe ich eine Frau, die auf ihren Läufer wartet. Sie ist mit dem Auto da. Ja, sie will mir gerne helfen. Und sie meint, dass sie sogar zwei Westen im Auto hat. Also zurück zum VP. Ich sehe zufällig, dass ich den Kontrollpunkt (Transponder) gar nicht angelaufen habe, das hole ich nun schnell nach. Weiter zum Auto, zu Birte, so heißt meine neue beste Freundin. Sie gibt mir eine Warnweste und will kein Geld dafür. „Mein Freund heißt auch Uwe“, sagt sie mit einem Blick auf meine Startnummer. „Danke, du bekommst die Weste morgen bei der Siegerehrung zurück“, verspreche ich ihr. Sehr erleichtert aber auch etwas verspätet laufe ich weiter. Boah ey, das hätte auch schief gehen können! Letztes Jahr war es bei Km 90 bereits dunkel, heute scheint noch die Sonne und ich bin schon an km 100 vorbei.

Ein privater VP, ein kleines Bier gönne ich mir. Habe ich verdient! Kilometer 110, 20:20 Uhr, es dämmert, Wolken ziehen auf, Wind setzt ein, kündigt den Regen an, der kurz darauf einsetzt, windiger Nieselregen. Ein alter Bekannter! 20:45 Uhr, ich ziehe die Regenjacke an und die Warnweste und das Kopftuch plus Stirnlampe. Beim Halt fallen die Mücken über mich her, da ich mir eine windgeschützte Ecke gesucht habe. Ich schlage um mich, renne weiter, nur weg von den Viechern! 

Ich bin noch gut drauf, verlaufe mich aber zweimal fast, werde von den gerade überholten Läufern zurückgerufen. Danach werde ich vorsichtig, bleibe bei Ihnen. Nur nicht verlaufen, das wäre tödlich für die Zeit und für meine Motivation. VP 21, Buckow, km 126, 3. Marathon 17:21 Stunden, oder 6:40 Stunden für die letzten 42 km. Und 6:40 Stunden verbleiben bis zur Grenze von 24 Stunden.

Es ist dunkel! Die Kamera packe ich weg. Es folgen Gras- und Waldwege, lange sehe ich keine Kennzeichnungen mehr, gut dass die Kameraden ein GPS-Gerät mit Streckenführung dabeihaben. Diese Scheiß Mücken piesacken mich. Ekelhaft!. Nun werden die Beine schwerer, die linke Hüfte schmerzt. Vermutlich wegen der Schonhaltung auf Grund der Blase am rechten Fuß. In Rudow der VP 22, endlich, 6 Kilometer können ganz schön lang sein! Noch 31 Kilometer. Nur noch! Es ist fast 24 Uhr. Es folgt der Abschnitt am Teltowkanal, rund 7 Kilometer Kanal. Motivation pur. Alle 500 Meter eine Markierung, ich gehe, ich laufe, ich gehe, ich habe keine Bock mehr. Gefühlt geht es immer leicht bergauf, das kann aber am Kanal doch nicht sein, oder? 

Die Nacht macht mir heute nichts aus. Warum nicht? Vermutlich, weil ich schon seit Stunden weiß, dass ich es mit dem Buckle schaffen kann. Und dann kann ich in Ruhe duschen, evtl frühstücken und SCHLAFEN. Mehrere Stunden schlafen bis zur Siegerehrung. Nicht so wie im vergangenen Jahr, als ich nur eine gute Stunde ruhen konnte. 

ein ewig langer Kanal

Hier am Kanal begegnet mir mein Schweinehund mehrmals. Ich verfalle ins Gehen. Immer wieder muss ich mich aufraffen, zu laufen. Nicht schnell, nur laufen. Immer nur laufen, laufen, laufen. Mir kommt das Gedicht in den Kopf. Wie ging das noch?

Der Lauf wird eine Megasause 
4 Marathons ganz ohne Pause, 

Der Läufer läuft so zum Vergnügen 
muss nachts den Schweinehund belügen 

Also weiter. Ich gehe bis es wieder läuft. Nur jetzt nicht noch die Zeit verdaddeln. VP 23, der Kanalabschnitt ist zur Hälfte geschafft. Nur kurzer Halt, wie immer, Cola, Malzbier, etwas Salziges, Cola und drei Haribo Teufel to go. Die Gestalten (Kollegen) auf den Liegestühlen sehen nicht gut aus, ob sie wohl noch weiterlaufen? Ich verabschiede mich und wie immer 800 Meter später Pinkelpause. Meine ca. 14. heute! Dehydriert bin ich nicht und doch habe ich irgendwie Matsche im Kopf. Wenn der Kanal zu Ende ist, dann kommt 3 Kilometer später der VP bei Km 140. Dann habe ich den Lauf geschafft. Nur noch 22 Kilometer, die schaffe ich immer – irgendwie. Oft laufe ich alleine. Kilometerlang.

Zu fünft treffen wir am VP ein. Wir sind schon bei Km 142. Ich frage die Kollegen nach der Uhrzeit. Es ist 1:46 Uhr. Noch 4:10 Stunden Zeit. Wenn ich noch laufen könnte, würde es eine tolle Zeit. Aber das Laufen fällt mir sooo schwer. 

Der Fernsehturm am Alex lächelt mir schon lange zu. Berlin, die Stadt, ist nicht mehr weit! Der Fernsehturm ist das höchste deutsche Bauwerk, 368 Meter hoch und wurde von der Deutschen Post der DDR 1969 eingeweiht. 

Danach ist nicht mehr viel mit Laufen. Wir schlurfen durch die Nacht. Die Müdigkeit ist passé. Nun kommen wir durch Neukölln, durch die Szene, hier ist morgens um zwei noch viel los. Alkohol, Drogen und was man sonst noch so braucht, hier ist Straßen-Party. Wir schleichen uns durch diese Orte, um nicht aufzufallen. Wir haben Angst vor einer blöden Anmache. Oder vor Schlägern, die ihre weibliche Begleitung beeindrucken wollen. Aber man nimmt uns kaum wahr, und wenn, dann als Bauarbeiter, mit Stirnlampe und Warnweste. Ich muss lächeln, gut so. Oberbaum-Brücke, hier steht unsere Zukunft, unser Nachwuchs draußen vor der Diskothek und wartet auf Einlass. Eine schlimme, sehr schmuddelige Gegend. Die ich nun gerne verlasse.

Eastside-Gallery – ein Foto vom Vortag

Entlang der Eastside Gallery geht es immer weiter, ich gehe immer weiter. Meine Muskulatur streikt, auch das Gehen belastet nun die Beine! VP Checkpoint Charlie, noch 8 Kilometer. Ich werfe das Übliche ein. Gönne mir zwei Salztabletten, nun nur keine Krämpfe mehr bekommen, denn diese könnten mein Ziel, meinen Erfolg noch verhindern. Meine Kollegen wollen noch etwas laufen, sollen sie. Es ist 3:36 Uhr (21:36 Stunden Laufzeit) und es sind nur noch 8,8 Kilometer. Ich wandere weiter, schließe zu einer Läuferin auf, die bereits seit Kilometer 105 nur noch geht. Sie hat Radbegleitung. Der Freund bekommt die Aufgabe, die Ampeln zu drücken, damit wir nicht warten müssen. Schon bei der ersten Ampel verzockt er sich, als wir ankommen ist das Fußgängermännchen schon wieder in stehender Position und hat den roten Mantel an. So eine Pause tut aber auch gut. Rund 50 Minuten benötigen wir für 3,8 Kilometer. Es ist 4:25 Uhr. Oder noch 1:35 Stunden für 4,6 Kilometer. Wir schaffen das, sind wir uns einig! Aber was folgt, sind wieder Wege mit grobem Kopfsteinpflaster, wie schon so häufig heute. Meine Füße sind geschwollen und empfindlich, es tut weh. 

Wie war das noch mit dem Gedicht?

Der Läufer läuft so zum Vergnügen 
des Nachts den Schweinehund belügen 

er passiert das Brandenburger Tor 
bald jubelt schon im Ziel der Chor!

Bescheuert, als ob für mich jemand im Ziel jubeln würde. Die letzten 4,6 Kilometer gehe ich nur noch, ich bin fertig, die Muskulatur schmerzt jetzt auch beim Gehen. Also etwas langsamer. Es wird reichen. Hochrechnung 23:30 Stunden, der Buckle ist meiner. Die Bernauer Straße findet kein Ende. Dann endlich, das Stadion, noch ein Umweg aber dann folgt die Stadionrunde. Detlef ruft schon von weitem „Uwe!“ Noch 250 Meter, dann ist sie beendet, die „Mission Impossible“! Erfolgreich! Mit Gänsehaut und einer Träne im Augenwinkel laufe ich ins Ziel.

Transponder abgeben gegen Tausch mit T-Shirt. Und einen Ausdruck meiner Zwischenzeiten erhalte ich direkt. Guter Service. Es ist 5.20 Uhr. Ich bin stolz!

Der Shuttlebus kommt gerade zurück. Genauso schlecht wie ich erklettern die anderen das Gefährt. Alle kämpfen mit Krämpfen. Am Hotel komme ich kaum aus dem Auto heraus. Rückwärts geht’s. Duschen ist auch schwierig, die Beine kann ich kaum anheben und das linke Knie schmerzt. Heftig! Es mag keine Bewegungen und hat innen einen schmerzhaften Druckpunkt. Sofort lege ich mich ins Bett. Nach 10 Minuten muss ich dem Knie mit Schmerzmittel helfen. Dann schlafe ich sofort bis der Wecker klingelt. Rund 4,5 Stunden. Das wirkt Wunder. Die Beine sind locker, das Knie ist schmerzfrei und lässt sich beugen. Die Blase am Fuß werde ich am Montag Susi zeigen. Wo war sie noch links oder rechts? Zur Siegerehrung! Birte erhält die Warnweste zurück.

Wieder eine ausgesprochen emotionale Angelegenheit. Eppendorf berichtet aus seiner Zeit in der DDR, Verbot des Besuches einer Oberschule oder eines Studiums. Von Leibeigenen spricht er. Und vom Vergessen, das nicht einsetzen darf. Deshalb sind Veranstaltungen wie der Mauerlauf so wichtig. Und wir/ich sind als Botschafter dabei. Ich habe jetzt mehr Tränen in den Augen als beim Zieleinlauf. Die Siegerehrung ist dann gewohnt lang. Als ich dran bin, erhalte ich meine Auszeichnungen: Medaille, Back-to-Back-Medaille und den Buckle. Aus den Händen von der Mutter von Chris Gueffroy, Karin Gueffroy, erhalte ich meine Medaillen. Und den Buckle! Eine sehr bewegende Begegnung für mich!

Chris Gueffroy

Chris Gueffroy war das letzte Opfer, das durch den Einsatz von Schusswaffen an der Mauer ums Leben kam. Das war in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989. Von einem befreundeten Grenzsoldaten hatte Chris erfahren, dass der Schießbefehl aufgehoben sei, was sich jedoch auf tragische Weise als falsch herausstellte. Bei seinem Fluchtversuch am Britzer Verbindungskanal wurde er von zwei Kugeln getroffen, eine davon traf sein Herz. Chris starb noch im Grenzstreifen. Seine Mutter Karin Gueffroy überreichte 2011 den Finishern beim ersten Mauerweglauf die Medaille, die das Porträt ihre Sohnes trug.

Eastside Galery – „Ich liebe das Leben!“ (im Finisher-Shirt)

Finisher: 52 Frauen (14 DNF/DNS) und 219 Männer (58 DNF/DNS) 

127. Uwe Laig          23:19:09        3. M60 (von 8)

24.-25.7. Ballon Ultra – viele Meilen sammeln

Das Motto der Schinderei!

Bis zu 100 Meilen laufen in 2 Tagen, bzw. 33:20 Stunden. Das Konzept sieht folgende Startzeiten zu diesen Strecken vor. Gewertet wird, wer die meisten Meilen gelaufen ist und danach gilt die Zeitwertung. Die Startzeiten:

10 Uhr 5 Meilen, 11:40 Uhr 10 Meilen, 15 Uhr 15 Meilen, 20 Uhr 20 Meilen

2:40 Uhr 20 Meilen, 9:20 Uhr 15 Meilen, 14:20 Uhr 10 Meilen, 17:40 Uhr 5 Meilen

Nach jedem Lauf hat man somit Gelegenheit für Erholung, Essen, Duschen und Kommunikation mit den Mitläufern. Letztes Jahr habe ich es auf 65 Meilen gebracht. Bin schon gespannt, ob ich das dieses Jahr toppen kann.

Die Organisation für einen solchen Lauf ist enorm, da durch die Pausen und die Möglichkeit einen Start auszulassen, auch Ruhemöglichkeiten (für mich im Auto) vorbereitet werden müssen. Es werden zwar Essen und Getränke angeboten, dennoch benötige ich etwas für den Kofferraum. Tisch und Stuhl. Powergels, Salztabletten, Haribos, Wasser für meinen Rucksack für unterwegs. Was ich sonst noch so benötige: Waschzeug, Handtücher, Zahnbürste, Laufhosen, Unterwäsche, T-Shirts, Socken, 3 Paar Schuhe, Blasenpflaster, Wäscheleine und Wäscheklammern, 2 Mützen, Sonnenbrille, Sonnencreme, Uhr, Handy, Ladekabel, Powerbank, Stirnlampe, Regenjacke, Geld fürs Taxi und für Eis unterwegs. Und noch einiges mehr. Meist fehlt dann doch noch etwas. Aber Ultraläufer helfen sich, es ist eine große Familie!

Unsere Herausforderungen – wo geht’s wann und warum entlang?

2 Tage in Unna – Der Bericht

Morgens um 7 Uhr bin ich bereits in Unna. Der Fußballplatz (unsere Zeltplatz von 2020) muss einem Industriegebäude weichen. Jan-Philipp meint, dass 50 Zelte auf den Rasen neben dem Bürgerhaus passen. Ich schätze vielleicht 20. Also Schlafen im Auto. Der angegebene Parkplatz liegt 350 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Blöd! Später erfahren wir, dass der andere Parkplatz auch für Übernachtungen zugelassen ist. Martina, Ute und ich parken schnell um. Nun stehen wir günstig und können auch Jan-Philipps Erläuterungen folgen. Startnummer und T-Shirt abholen, viele bekannte Läufer begrüßen, etwas frühstücken, letzte Vorbereitungen (Wäscheleine für Stinkesocken u. a. m. spannen) treffen und bald ist es 10 Uhr.

Einige meiner zahllosen Lauffreundinnen

Der erste Start, 10 Uhr, Kurzstrecke, nur 5 Meilen (7,99 Km). Gefühlt sind heute weniger Teilnehmer als 2020 dabei. Eine Runde um das Piratenschiff, über die Zeitmatte und wir sind unterwegs. Nach einigen Tagen der Planung endlich wieder auf der Strecke und dies mit Startnummer bei einer offiziellen Veranstaltung (bis 200 Teilnehmer). Etwa 180 haben die diversen Läufe bis hin zu „Alle“ gebucht, wobei man immer neu entscheiden kann ob man den nächsten Lauf eventuell auslässt.

Noch eine Lauffreundin

Die richtige Einteilung des Tempos ist äußerst wichtig. Es geht durch den Wald, danach etwas Straße, noch ein Waldstück und schon ist die erste Etappe Geschichte. Etwas trinken und essen, danach den Rucksack packen.

2. Wald vor dem Ziel

erstes Finisher-Foto

11:40 Uhr Start zur 2. Etappe (10 Meilen 16,69 Km). Es geht diesmal über bekannte Wege (wie 2020). Noch tun mir die langen Geraden über ehemalige Bahnstrecken nicht weh. Die Temperaturen steigen, Sonnencreme ist sinnvoll. Dann stehen wir am Bahnübergang. Wir genießen die 3 Minuten Pause. Dann rauscht der Zug vorbei.

Pausen-Genießer am Bahnübergang

Alle sind gut drauf. Bei km 8 gibt es einen Getränkestand, es geht in den Wald. Ein Schild „Vorsicht Greifvögel“ steht hier, und richtig, als ich den Schwan am See fotografieren will, kommt dieser ärgerlich fauchend auf mich zu. Huch! Ich wusste gar nicht, dass Schwäne zu den Greifvögeln zählen.

3. Etappe, Start 15:00 Uhr. 15 Meilen (24,68 km). Das Wetter soll schlechter werden. Also mit Regenjacke im Gepäck an den Start. Es gilt, diese Runde mit wenig Schatten mit viel Anstand zu absolvieren.

Foto mit Blumen

Die ersten 90 Minuten sind sonnig und schwül, danach beginnt es zu regnen. Dies ist nicht schlimm, sogar wohltuend. Das mögliche Gewitter macht zu unserer Freunde einen großen Bogen um Unna! Die langen Radwege zehren dennoch an unserer Fitness. Mit Gehpausen schonen wir unsere Kräfte. Leider laufen wir heute nicht durch Kamen, somit fällt die Pause (2020) an der Eisdiele aus. Immer wieder sehen wir Kirchtürme, die wir nie erreichen, an der Strecke. Kaiserau, Afferde, Unna-Massen, Königsborn heißen die Orte laut der Radwegweiser.

Ein Relikt aus der Zeit der Kohleförderung
unterwegs
Zieleinlauf um 18:22

Als wir das Förderrad passieren, öffnet Petrus sein Schleusen ganz. Allerdings lässt es bald wieder nach und es tröpfelt nur noch als wir ins Ziel laufen. Natascha wird nun nach Hause fahren und morgen ganz frisch und ausgeruht weitermachen. Drei Etappen sind geschafft, Zeit für eine Dusche. Und für eine ordentliche Stärkung am Büfett und mit viel alkoholfreiem Weizenbier. Vorbereitungen für die Nacht: Aufladen von Uhr und Handy. Stirnlampe ins Gepäck!

4. Etappe, 20 Uhr Start. 20 Meilen, (32,80 Km). Die Reihen der Läufer haben sich mächtig gelichtet. Viele lassen die Nachtläufe aus. Genießen Unna bei Bier und Bratwurst. Wir nicht, Ute, Martina und ich wollen unsere Kilometerleistung aus 2020 halten oder auch gerne verbessern. Als wir loslaufen, sind wir uns noch sicher, dass wir auch um morgen um 2:40 Uhr die 20 Meilen in Angriff nehmen werden. Aber nun muss erst einmal dieser Lauf gemeistert werden.

Lauf hinein in die Abenddämmerung

Diese Etappe ist landschaftlich mit Abstand die Schönste! Aber auch die Schwerste. Rund 500 Höhenmeter stehen an und viele Kilometer führen über Wiesenwege und durch hohes Gras und noch höhere Stauden. Leider ist es um 21:30 bereits dunkel, man sieht die Schönheit der Natur gar nicht. Stirnlampe an und weiter geht es. Am Wegesrand steht eine Leiter mit 6 Glas Bier und dem Schild: Pils 1 €! Wir greifen zu, ich habe 2 € dabei. Nebenan feiern ein paar junge Leute, mit Bier vom Fass! „Siehste, die haben doch Geld dabei!“ ruft einer. Wir erklären, was wir hier machen. Ich sehe, dass er uns nicht glaubt. Wir müssen weiter. Und immer schön den grünen Markierungen folgen. Regen setzt ein. Nur Regen und kein Gewitter wie 2020! Auch der Starkregen kommt nicht, nur ein heftiges Schauer. Danach lange nur leichter Regen und Nieseln. Das macht es für das Kreidespray nicht einfacher. So nach und nach verblassen die Markierungen.

Wichtig: Nie, wirklich NIE die Markierung verlieren!
Die drei Musketiere – einer für alle, alle für einen!
Vollmond in nebliger Geisterstunde

Ute geht es nicht gut. Ihr ist schlecht. Sie quält sich dahin. Aber sie ist zäh. Wir laufen und gehen im Wechsel. Es folgt ein Waldstück mit Überraschungen. Eulen feuern und krächzen uns an, fette Unken plumpsen über den Pfad. Dann ein Feuersalamander. Schnell ein Foto machen. Diese Tiere sieht man nur selten. Hier allerdings oft. Ich zähle 9 Exemplare auf unserem Weg durch den Wald. Und es gibt auch andere nächtliche Wald-Gestalten. Wir hören Rufen im Wald und ab und zu erscheint ein kurzes Leuchten. Unsere Wegentscheidungen sind so gut wie immer richtig. Bald kommen die Stimmen und Lampen näher. Unser Mitläufer haben uns gesehen und nun sind sie wieder auf dem Weg. Das wird ihnen heute nochmal passieren. Nach dem 2. VP gehen wir. Der Regen endet, der Vollmond kommt neugierig hervor.

Immer wieder Wiesenwege, holprige Feldwege, auch gefühlt querfeldein marschieren wir. Als wir leicht bergab laufen, bricht etwa 25 Meter vor uns von rechts ein Wildschwein aus dem Wald, springt im Galopp über die schmale Straße ins abschüssige Gelände. Geäst kracht. Die Bache ist nicht allein unterwegs. Es folgen ein Jungtier und drei weitere Bachen und, mit Abstand, zwei Frischlinge. Einen Keiler kann ich nicht ausmachen. Egal, Bachen können auch sehr gefährlich werden. Es knackt im Wald links unter uns, dann wird es still. Wir bewegen uns nicht und warten eine Minute ab, ob es noch weitere Nachzügler gibt. Dann ist die Luft rein und wir laufen erleichtert weiter. Boah ey!

Diese Begegnung gibt uns noch einmal Adrenalin, aber nur kurz. Martina, Ute und ich haben schon länger keinen Bock mehr. Schon wieder diese Wege durch die Pampa! Warum verging letztes Jahr die Zeit und die Strecke viel schneller? Vermutlich weil wir damals mitten durch ein heftiges Gewitter mit Starkregen liefen. Da war ich mit Adrenalin aufgeladen wie ein Duracell-Hase und lief mit Ute schnelle Kilometer. Heute ist alles anders! Der 2. 20 Meilen lauf kann uns gestohlen bleiben, sind wir uns einig! Irgendwann endet auch diese schier endlose Strecke. Kurz vor Schluss noch eine Falle. Die Doppel-Markierung weist nach links. Wir müssen jedoch nach rechts. Wie im Vorjahr. Links geht es in die 2. Runde, nach rechts zum Ziel, bis hier sind Hin- und Rückweg gleich. Der bekannte Radweg, einfach endlos! Dann endlich, das Ziel! Fast 6 Stunden waren wir unterwegs. Alter Schwede! Katzenwäsche, etwas essen und trinken, Stinkewäsche auf die Leine, Zähneputzen und ab ins Auto auf die Matratze. Gute Nacht. Meine Beine möchten sich ausstrecken, was nur knapp gelingt. Irgendwann penne ich dann doch ein.

Bis ich um 8:15 Uhr wach werde. 8.15 Uhr! Start in einer Stunde! Ich verzichte auf die Dusche. Katzenwäsche, Zähneputzen, Rucksack packen, Uhr und Handy sind geladen. WC. Ein Käsebrötchen + ein Kaffee + ein alkoholfreies Bier (passt nicht zum Frühstück – muss aber sein). Ute meldet sich für die 15 Meilen ab. Dafür ist Natascha aber auch wieder mit dabei. Sie strahlt, es geht ihr gut! Schön, dann kann es ja losgehen! Wir erfahren, dass sich unsere Verfolger/Verlaufer von heute Nacht an der besagten Falle verlaufen haben, sie sind falsch abgebogen. Fazit: In Summe über 10 zusätzliche Kilometer! Die beiden sehen wir am Sonntag nicht wieder.

Sonntag, 9:20 Uhr, 15 Meilen (24,64 Km). Der Regen war gestern. „Grün war gestern“ ist übrigens ein geflügeltes Wort beim Ballon-Lauf. Denn heute ist „Rot“!

Kurz vor dem 1. Start am Sonntag
Die „Drei Damen vom Grill“ (wer kennt diese Sendung noch?)

Nach 8 Kilometern machen wir halt. Elke hat sich uns angeschlossen. Zeit für ein Grußfoto an Ute! Zurück in Kamen. Was so ein bisschen Sonne ausmacht! Nun habe ich auch Lust auf Fotos. Kamen hat die schwedische Partnerstadt Ängelholm, mit Fischen im Wappen. Vermutlich säumen deshalb so einige Gräten die Strecke.

Sicherlich ist das Kunst, denn der Bursche hat nix an!

Dieser „Kömische Beier“ steht an der Ängelholmer Brücke in Kamen. Die Figur winkt übrigens seiner nackten Schönen zu, die mitten auf dem Rücken des Fisches sitzt. Dieses Foto fiel der Zensur zum Opfer! Die Temperaturen steigen ständig! Die Zahl unsere Gehpausen steigt im Verlauf des Laufes proportional dazu an. Unterwegs gibt es dann wieder das verdiente Wassereis, das uns ein radelnder Bote überreicht! Zitrone. Lecker! Danke für die Abkühlung! Gegen 13 Uhr ist dann auch dieser Lauf beendet. 65 Meilen = etwa 100 Kilometer, soviel wie ich 2020 geschafft hatte. Nun hole ich die versäumte Dusche nach. Und, da geht noch was! Die Beine sind noch gut!

14:20 Uhr, 10 Meilen (16,63 Km). Natascha hat sich in der Pause die Leiste gezerrt. Ute geht es weiter schlecht. Nach dem Start machen sich beide auf den Heimweg. Martina und ich werden nun die 10 Meilen gemeinsam angehen. Wie meint sie: „wie 10 kleine Negerlein…!“ Bald sind wir das Schlusslicht. Aber Verlauf der nächsten 2,5 Stunden können wird die rote Laterne dann doch noch abgeben. Sie murmelt: „Allein, allein….“ Ich sage ihr, dass wir zu zweit sind.

Zwei Jungtiere

Wieder kommen wir am Teich mit dem Greifvogel-Schwan vorbei. Hier gibt es nun einige Zuschauer, als sich die Schwanenfamilie ganz artig präsentiert. Wenig später der allerletzte VP dieser Veranstaltung. Wir greifen nochmals in die Verpflegungskiste zu Salzstangen, Nüssen und Kräckern. Und schleichen weiter. Der Bahnübergang mit offenen Schranken (schade!).

Rechts der Förderturm Bönen (heute Museum). Wir laufen links auf dem Radweg, einem ehemaligen Gleis der Bahn, auf dem die geförderte Kohle zu den Kokereien und Salzsiedereien transportiert wurde. Die Förderung wurde 1981 eingestellt.

immer geradeaus!

Der Radweg ist endlos. Zwischendurch werden wir von einem Radfahrerin zurecht gewiesen: „Nebeneinanderlaufen, total unmöglich!!!“ Was meint Martina ganz trocken wie aus der Pistole geschossen: „Genau wir radeln ohne Helm!“ Wir marschieren, laufen, marschieren. Es ist heiß, 25°! Aber jede Strecke hat ein Ende. Laufend (100 Meter vorher traben wir an) erreichen wir das Ziel. Direkt zur Theke im Bürgerhaus und eine Flasche o,5 Liter eiskaltes alkfreies Weiss-Bier langsam genießen. Ein paar Erdnüsse. Die Zunge klebt! Und noch ein Bier. Es ist so warm!

Das für 19 Uhr angekündigte Regenschauer kommt näher

17:40 Uhr, 5 Meilen (8,14 Km). Start, auf zum letzten Gefecht. Wir schleichen über die Fahrradwege. Dann die schönen asphaltierten Nebenstraßen. Martina möchte, dass ich etwas erzähle. Ich kann nicht, mir fällt nichts ein, mein Gehirn ist sprachlos! Endlich rein in den Wald. Kühl! Auf schmalen Wegen genießen. Durch die Siedlung, noch ein Waldstück. Und dann endlich der letzte Kilometer! Ziel! Glückwünsche werden ausgetauscht. Martina will sofort duschen und ab nach Hause. Ich erkundige mich bei Jan-Philipp nach den Platzierungen. Martina ist 2. Frau und darf noch aufs Siegerpodest. GLÜCKWUNSCH! Platz 14 für mich, nur 7 haben mehr als 80 Meilen geschafft, das macht mich schon etwas stolz. Mit der Siegerehrung setzt der Regen ein. In Summe habe ich bei diesem Ultra 80 Meilen / 131,57 Kilometer absolviert. Platz 14 von 150! Herzlichen Dank an Jan-Philipp und das ganze Orgateam für diese riesige Organisation für uns Teilnehmer.

Auf der Rückfahrt denke ich an Natascha und Ute und hoffe, dass es ihnen bald wieder richtig gut geht.

Ende gut – alles gut!

30.5.-5.6. Geh-Heim-Lauf

7 Tage und 7 Ultra-Läufe im Schwarzwald: Veranstalter-Info

5.6. 7. Etappe – Grüntal Runde über Schopfloch Horb

In den letzten Tagen sind aus Fremden Freunde, eine kleine Lauffamilie, geworden. Wir alle sind laufverrückt und kämpfen für das Ziel, dieses siebentägige Laufabenteuer erfolgreich zu überstehen. Wir begrüßen jeden Tag jeden Finisher im Ziel. Beim Abendessen und Frühstück geht es nur ums Laufen. Die Highlights der letzten Etappe und wer hat sich wo und warum verlaufen. Und: Jeder hilft jedem! Heute morgen informiert uns Inge, dass sie die letzte Etappe heute nicht mehr mitlaufen wird. Ihre Kniebeschwerden lassen es nicht zu. Dies tut uns allen Leid. Mir besonders, da sie mir am Vortag noch Tipps zur Behandlung meiner Blasen gab. Vor ihr mussten bereits Bernd (Insektenstich) und Walter (Fuß) den Lauf vorzeitig beenden.

Thomas zählt das letzte Mal herunter

So gehen heute noch 10 von 13 Etappenläufern und 5 Tagesläufer an den Start. Pünktlich um 7 Uhr schickt uns Thomas auf die Strecke. Zunächst wieder das bekannte Stück bergauf, an dem sich alle leistungsgerecht einsortieren.

Auf zum abschließenden Lauf

In der Nacht hat es ein ordentliches Gewitter gegeben, die Strecke ist feucht und aus den Tälern steigen Nebelwolken auf. Es wird heute bewölkt bleiben mit einigen Tropfen Regen, gute Bedingungen bei 19°. Gerd ist bereits wieder vor mir. Bald laufen wir in den Wald hinein. Einen Barfußpfad entlang.

Dieses Foto mit 2 Herzen widme ich Inge und Bernd

Nach 5 Kilometern schließe ich zu Gerd auf. Gestern war er vor mir im Ziel und liegt nun in der Gesamtwertung 7 Minuten vor mir. Eigentlich laufe ich ja nicht um eine Platzierung aber so etwas motiviert mich dann doch. Trotz der 6 Läufe habe ich heute gute Beine und erstmals keine Schmerzen irgendwo. Ich grüße kurz und laufe dann vorbei. Es läuft richtig gut. Am ersten VP bei km 12 kann ich sogar zu einer Vierergruppe aufschließen. Gemeinsam laufen wir weiter. Thomas ärgert mich auf seine berlinerische Art: „Da hinten kommt ja schon der Gerd“, und lacht, als er mein Gesicht sieht.

schöne Waldwege
Blick in die Ferne mit höheren Bergen

Vom Rödelsberg bei Schopfloch hat man einen weiten Blick. Leider ist die Sicht nicht so gut wie an den ersten Tagen.

Am 2. VP in Dettlingen mache ich nur eine kurze Pause. Es gilt nun eine Schleife von 13 km zu laufen, dann wird hier der 3. VP sein. Ich mache nur wenige Fotos, da es nun doch mehr oder weniger regnet. Es läuft weiterhin erstaunlich gut bei mir. Ich rechne meine Zeit hoch, es könnte sogar zu einer Zeit unter 6 Stunden reichen. Das motiviert.

Endlich einmal eine klare Höhenangabe 😉
eine mächtige Kastanie

Nach dem 3. VP sind es nur noch 12 Kilometer bis ins Ziel. Leider nicht flach. Einige Steigungen muss ich gehen. Erst zu der Kastanie, von wo aus man ein Windrad sieht und richtig, da darf ich auch noch ruff! So wird es wohl nichts mit unter 6 Stunden. Allerdings geht es nun auch schön bergab… Frank aus der Vierergruppe überholt mich. Er ist Tagesläufer und zu schnell für mich.

Rot! Schranke unten!

In Dornstetten ist der Bahnübergang dicht. So ein Mist. Erst spät sehe ich , dass die Laufstrecke kurz zuvor auf den Radweg abbiegt. Also weiter. Nun ist der Rest der Strecke bekannt. Es folgt wieder dieser fiese Anstieg. Dann hinab nach Aach. Meine Uhr zeigt, dass ich es doch gut unter 6 Stundenschaffen werde.

Ein markantes Bauwerk

Unter dem Viadukt durch, noch 800 Meter und es ist geschafft. 7 Tage, 7 Ultras und heute unter 6 Stunden. Ich bin froh und auch stolz. Meine Gedanken sind bei denen, die heute nicht mehr dabei waren. Und ich weiß, ich werde sie wiedersehen, denn Thomas hat bereits versprochen, diesen Etappenlauf zu wiederholen.

Thomas rauft sich die Haare

Thomas hatte auf Grund der Vorleistungen (Platzierungen) wohl schon einiges vorbereitet, was ich ihm durch meine Rennerei verdorben habe. Sorry, Thomas! Ich gönne mir ein alkoholfreies Bier, Nüsse, Kuchen, Brot, Gurke und ein Eis. Endlich duschen! Bald kommt auch Gerd ins Ziel. Jeder gratuliert jedem zum Finish! Thomas schreibt meine Urkunde neu. Und es gibt auch einen Pokal und eine Medaille. Beim Abschied verspreche ich ihm, ich komme wieder! Ganz herzlichen Dank an die ganze Familie!!! Eine Woche ohne Radio und Fernsehen geht zu Ende. Ohne schlechte Nachrichten über Corona oder kriegerische Auseinandersetzungen. Ich habe sie nicht vermisst!

Die Daten meiner Uhr: 45,6 Kilometer, 940 Höhenmeter, 5:48 Stunden.

Ergebnisse 7. Etappe

Gesamtwertung

4.6. 6. Etappe – Grüntal Runde über Alpirsbach – Kinzigsee – Grüntal

Eine Kurze Info zum täglichen Ablauf: spätestens um 21:30 Uhr schläft alles (wirklich alles!); 5:15 geht der Wecker; 6:00 Uhr Frühstück; 7:00 Uhr Start. Heute gibt es keinen Transfer, da wir wieder direkt vor der Tür starten. Meine Blasen haben sich nachts erholt, dafür schmerzt nun meine rechte Leiste. Mal sehen wie lange es gut geht. Anfangs marschiere ich ganz langsam und horche in meine Füße und die Leiste. Sie melden sich nicht.

Blumenkreis

Tulpen sind kreisförmig um einen Hinweis zu einer Gaststätte angelegt. Es folgt ein schmaler Weg zwischen den Wiesen. Beim Sperrmüll steht obenauf ein Teddy. Wie kann man diesen nur so unbarmherzig entsorgen? Ich hätte ihn gerne mitgenommen.

Der Teddy guckt ganz traurig!

In Loßburg bei Km 8,5 laufe ich die Hauptstraße entlang. Nr 47 ist die Löwen-Apotheke, das hatte ich gestern nachgesehen. Ich erstehe 2 Päckchen Compeed für meine Blasen. Die ich heute nicht benötige, da ich meine Schuhschnürung gelockert habe, Ultra-Läufer-Füße brauchen Platz! Ich bin Letzter! Auf dem Weg nach Alpirsbach gehe ich ein ganzes Stück mit Edda; wir unterhalten uns, dann laufe ich doch etwas schneller weiter. In Alpirsbach bei km 21,1 gibt es den 2. VP. Mit frischen Brötchen und mit Käse belegt. Lieben Dank Grace und Helmut! Lecker!

eine schöne Überraschung
Ein Kunstwerk in Alpirsbach an der Kinzig

Mit Alpirsbach eng verbunden ist die Geschichte des Klosters, dessen Anfänge auf 1095 datiert werden. Vermutlich führten die Braukünste dieser geistlichen Herren zu den geistigen Getränken. Die Alpirsbacher Klosterbrauerei führt noch heute den Mönch in ihrem Schilde. Und auf Bierdeckeln.

Keimzelle eines guten Bieres!

Im Jahr 1877 wurde die Brauerei reaktiviert, da sich dies durch die zunehmende Anzahl an Kurgästen in der Umgehung lohnt. Eine nette Geschichte aus den Unterlagen der Alpirsbacher Brauerei:

Im Hof der Alpirsbacher Klosterbräu hängt ein altes Schild mit der Aufschrift „Emil Stopp!“ Es stammt aus der Zeit, als das Bier noch mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert wurde. Damals war es noch üblich, dass der Bierfahrer bei jeder Abladestation ein Glas aufs Haus serviert bekam – „ … zur Stärkung“. Damit unser „gestärkter“ Bierfahrer Emil sein Fuhrwerk für die nächste Beladung in der Brauerei auch richtig zum Stehen brachte, wurde dieses Schild als kleine Hilfestellung für ihn montiert. Denn wenn er schon zu viel des guten Bieres getrunken hatte und es ihm deshalb nicht gelang, genau am Schild anzuhalten, war die Schicht für ihn beendet. Bleibt die Frage zu klären, ob Emils Pferde irgendwann gelernt haben, von selbst an dem Schild anzuhalten …

Von Alpirsbach geht es bergauf. Erst über eine Passhöhe, danach steil bergab. Über eine vom Elektrozaun gesicherte Wiese. Ich fühle kurz: ja, es ist Strom drin! Den ersten Draht kann ich übersteigen, den zweiten unterquere ich krabbelnd. Hier wäre ein Sportfotograf richtig gewesen.

Kinzig-Talsperre

Die Kinzig-Talsperre ist sehenswert, das Wetter trägt auch dazu bei. Danach geht es weitere 3 Kilometer nur bergauf bis auf Höhe 830. Dann, endlich, geht es bergab. Ein mächtige Fichte trägt den Hinweis Masselkopf 812 NN. Überhaupt: es wird die Etappe mit den meisten Höhenmetern werden!

Hinweis-Baum
Letzte Aussicht für heute

Kurz vor dem letzten VP bei Km 41 gibt es eine Gaststätte mit Liftanlagen und traumhafter Aussicht. Kurzfristig überlege ich, ob ich auf der Terrasse eine Pause einlegen soll. Eher nicht! Nach einem kurzen Halt am VP versuche ich Gerds Vorsprung (22 Minuten zeigt die Aufschreibung) etwas zu reduzieren. Im Ziel zeigt meine Uhr: 49,5 Kilometer, 1.205 Höhenmeter und eine Zeit von 7:34 Stunden.

Diese war der 6. Streich, doch der letzte folgt sogleich!

Ergebnisse 6. Etappe

3.6. 5. Etappe – Schiltach/Schramberg nach Grüntal – Königsetappe mit 54 Km

Unser Konvoi zum Start
Spitzname Roter Brummer

Die PKW-Kolonne fährt durch die Täler nach Schiltach. Nach dem nächtlichen Regen steigt Nebel auf. Wir wären alle nicht böse, wenn es heute bewölkt bliebe. Nach dem Start muss ich gleich ein Foto vom Schienenbus Bj. 1974 machen. Dann geht es über die Kinzig, der ich nun bis Schramberg (km 11) folge. Durch die Fotos bin ich einmal mehr Letzer. Allerdings hole ich Edda, Walter und auch Gerd bis Kilometer 5 ein.

Kinzig um 7:40 Uhr

In Schramberg kommt nun die versprochene extreme Steigung. Durch den Ort und immer weiter steil bergauf. Fluchen hilft auch nicht. „Im Ziel gibt es Eis“ oder „Geschafft, gleich oben!“ steht auf der Fahrbahn, wie bei der Tour de France.

motivierend!
VP 1 Grace und Helmut erwarten uns

Endlich oben tapere ich über viele Radwege von Ort zu Ort, mal auch durch die Felder zum nächsten Ort. Es ist Fronleichnam, in manchen Orten ist es gelb-weiß geschmückt.

Fronleichnam
Der 2. VP ist immer der Lustigste, man kommt mit seinen Sorgen und geht mit einem Lächeln! Danke Jungs!

Nach dem 2. VP kommen wieder schöne Ausblicke und eine uralte Linde, ein Naturdenkmal. Leider habe ich heute wieder Blasenprobleme (an den Füßen). Meine restlichen drei Pflaster klebe ich nach und nach an meine Zehen. Ärgerlich, da ich eigentlich ganz gut unterwegs bin.

Für solche Ausblicke laufe ich!
Naturdenkmal

Irgendwann geht es dann nochmals (Km 36) durch ein Tal, der Ort heißt Wälde, und danach wieder lange bergauf. Ein Belohnung (Topfkuchen) hält Hansi bereit, der bei km 41 auf mich wartet. Danke! Endlich wieder Wald! Schatten! Die Wolken türmen sich bereits hoch auf, die für 16 Uhr versprochenen Gewitter bilden sich.

Schwarzwald pur, so muss er sein!

Die letzten Kilometer laufe ich (fast) durch. Bei Km 47,5 kommt noch einmal ein unerwarteter Anstieg. Dennoch, mein Ziel unter 8 Stunden zu bleiben, werde ich erreichen. Die dunklen Wolken motivieren mich, weiter zu laufen. Fast hätte ich es geschafft, nur 1 Km vor dem Ziel gibt es ein Schauer, das aber mehr erfrischt als stört. Das Ziel Grüntal ist dann schon bald wieder erreicht.

Wer gewinnt? Der Regen oder ich? Antwort: Der Regen!

Meine Uhr zeigt dann im Ziel: 54 Km, 974 Höhenmeter; in 7:41 Stunden

Ergebnisliste folgt….

Ergebnisse Etappe 5

2.6. 4. Etappe – Gernsbach nach FDS-Grüntal

Die PKW-Kolonne ist bereits 7 Kilometer unterwegs, als meine Fahrerin fragt: „Ist der heutige Start nicht in Gernsbach?“ Ich schaue in meiner Übersicht nach, ja richtig. Anruf beim Chef des Ganzen. Wir drehen um, Thomas ist in Gedanken bereits einen Tag weiter. Endlich in Gernsbach (Kreis Rastatt RA) starten wir am Bahnhof (Höhe 160 NN) bei 13° und sind bald an der Murg, der wir heute ganz lange bis Baiersbronn bergauf folgen werden. Immer Richtung Süden.

Murg und Stauwehr

Nach 2 Kilometern habe ich bereits wieder Schmerzen an der gestrigen Blase. Nun also doch: Blasenpflaster. Haut säubern, abtrocknen und drum damit. Socken an. und weiter. Längst sind alle vorbei. Aber nach 3 Kilometern bin ich wieder an Walter und Edda vorbei. Gerd sehe ich heute nicht mehr.

Schwarzwald – flach ist anders! In Weisenbach sehe ich dieses Schild!

Es folgen Dörfer, die wir durchlaufen und dann sind wir weg von der Bundesstraße, teilweise hoch über dem Murgtal. Es macht hat Spaß zu laufen, auch wenn es immer nur bergauf geht. Die Aussichten entschädigen!

Die Bahn – meine stete Begleiterin
Der Wanderweg verläuft abseits der Straßen über kleine Wege und die ehemalige Bahnstrecke

Der 1.VP bei 13,3 km, es gibt Käsebrötchen, lecker! Helmut verrät mir, dass Gerd hier eine längere Pause eingelegt hat. Egal, ich muss heute unbedingt mein Tempo laufen, denn morgen folgt die längste Etappe. Immer links der Murg, immer leicht bergauf. Zum Wandern zu flach, zum Laufen zu steil. Es handelt sich vermutlich um die alte Bahntrasse, die ab 1870 gebaut wurde, um den bisherigen Holztransport (mit Flößern) zu verbessern. 70 Jahre hat es gedauert, bis die Trasse bis Freudenstadt fertig war. Aber auch die alte Straße war nur eine schmale Trasse entlang der Murg.

Heute ein Radwegtunnel

Heute ist die 4. Etappe. Bergfest ist bei Kilometer 25. Und hier wartet eine Bank mit Aussicht auf mich. Rechts ist immer die Bundesstraße, dann die Murg, die neue Bahntrasse und ganz links und meist etwas erhöht, der Radweg. So gibt es schöne Gelegenheiten für Fotos.

der Blick von meiner Bank aus

Leider macht mein linker kleiner Zeh auch Kummer, also auch hier ein kleines Blasenpflaster. Hilft!

Die Bahnlinie begleitet mich heute auf langen Wegen
Ein holzverarbeitender Betrieb – Wasser gegen Borkenkäfer

Die Luft wird ab mittags immer schwüler, der Wind bläst feuchte Luft in den Schwarzwald, erste Wolken bilden sich. Für morgen sind Gewitter angesagt. Immer entlang an den Gleisen. Bis Baiersbronn hier komme ich am DM Markt vorbei. Meine Blasenpflaster sind verbraucht, dazu Wundspray und ein Sonnenschutz für Gerd, der so gerne im Trikot läuft. Am Bahnhof biege ab zum 3. VP, der von Hansi betreut wird. Er ist an dieser Stelle ein ganz wertvoller Helfer, denn danach geht es – gut gestärkt (mit Berlinern, danke Hansi!) 3,5 km steil bergauf Richtung Grüntal. Frustriert vom Anstieg „Alter Staig“ (reimt sich auf „Alter Laig“) verzichte ich auf weitere Fotos.

einer der Besten unter den sehr guten Helfern

Nach dem Schlussanstieg folgen noch 5 Kilometer bergab nach Grüntal. Ich verlasse den Wald bei 22°, erkenne die markanten Riesenbäume und weiß, gleich ist es geschafft. Beim Zieleinlauf applaudieren die Finisher. Danke schön! Meine Uhr zeigt 50,4 Kilometer und 887 Höhenmeter in 7:48 Stunden. Dieses war der 4. Streich…..

Der springende Hirsch am letzten heftigen Anstieg ist etwas demoralisierend- er springt, ich schleiche hinauf
Ergebnisse 4. Etappe

1.6. 3. Etappe – Herrenberg nach FDS-Grüntal

Blick nach Süden – am Horizont der höhere, südliche Schwarzwald

Mit 4 PKW werden wir morgens um 7 Uhr nach Herrenberg (400 NN) kutschiert. Nach dem Start heißt es fast genau Richtung Westen laufen. Die Sonne ist heute unsere strahlende Begleiterin, fast immer von hinten oder links. Die Temperatur steigt schnell von 10° bis 19° an. Die ersten etwas 23 Kilometer verbringe ich auf breiten Radwegen in den Feldern. Kaum ein Baum. Da es ganz lange Geraden gibt, kann ich die Laufkollegen noch einige Zeit am Horizont sehen.

Der dunkle Fleck etwa 500 Meter voraus ist übrigens Gerd Junker

Nach 23 Kilometern tauche ich in den Wald ein. Endlich Schatten. Über schöne Waldwege erreiche ich einen Tunnel. Hier und auch etwas später an einem sich schlängelnden Bach durch die Wiesen macht es wieder richtig Spaß zu laufen. Bald ist der 2. VP erreicht. 10 Kilometer bis zum nächsten.

Auf de Schwäbsche Eisenbahne ….

Es folgen kleine Orte wie Talheim, Altheim oder Tumlingen. Die Autokennzeichen wechseln heute oft. Am Start Böblingen BB, dann Calw CW, danach Horb HOB, wieder Calw und dann Freudenstadt FDS. Mich quält eine Blase an der rechten Ferse. Ok, Behandlung: Säubern, trocknen, Blasenpflaster drum und den Fuß vorsichtig wieder im Schuh versenken. Und weiter. Bald kommt eine herrliches Rapsfeld mitten im Wald. Es ist ein Foto wert! Problem: Mein Handy fehlt! So ein Mist. Zurück, marsch, marsch. Am Ort der Blasenbehandllung finde ich es wieder. Glück gehabt

Ein tolles Motiv – mit dem wiedergefundenem Handy!
Zum Waldgericht

Es wird immer wärmer. Gut, dass das Ende absehbar ist. Noch über eine echt fiese Rampe und hinab nach Aach. 2 Kilometer vor dem Ziel, an der Gaststätte „Zum Waldgericht“ treffe ich Gerd. Gemeinsam laufen wir total durchgeschwitzt und „gar“ ins Ziel. Unsere Zeit: 7:01 Stunden für etwa 47 Kilometer und 830 Höhenmeter. Dieses war der 3. Streich, doch der 4. folgt sogleich.

Ergebnisse 3. Tag

31.5. 2. Etappe – Runde über Altensteig und Pfalzgrafenweiler

Gerd Junker läuft heute seinen 800. Marathon + mehr

Der Start erfolgt wieder um 7 Uhr. Hier auf Höhe 700 NN ist es mit 3° kühl. Nach 4 Kilometern laufe ich an einem (gestern) frisch geheutem Feld vorbei, in einer Senke ist Raureif! Ende Mai im Schwarzwald! Waldarbeiter sperren unsere Strecke, so werden wir durch die Umleitung etwa 1,5 km mehr als geplant auf dem Tacho haben. Es ist wieder wolkenlos und die Sonnencreme mit Faktor 30 ist Pflicht.

Leider sind die Beeren noch nicht reif!

Herrliche Wanderwege laufe ich bei traumhaften Bedingungen! Der Heidelbeergfällweg fasziniert mich besonders. Bald ist der 1. VP bei km 15,7 erreicht. Helmut Rosieka weiß was Läufer wünschen! Danke! Es folgt eine traumhafte Passage. Durch ein Tal mit Bach hinab nach Altensteig.

ich folge dem Bach mehrere Kilometer Richtung Altensteig nur toll!
Altensteig am Nagold, km 21

Herrliche Trails entlang des Baches, der später in die Nagelt mündet. Altensteig ist ein Ort mit Ober und Unterstadt und mit viel Fachwerk und einem Schloss, dies alles muss ich mir später noch einmal ansehen. Weiter geht es nach Egenhausen zum 2. VP. Gerd taucht auf, er hat sich verlaufen und etwa 2 km zusätzlich absolviert. Pfalzgrafenweiler ist der nächste Ort, den wie durchlaufen, um wieder und den Wald abzubiegen. Gerd folgt unauffällig.

Der Raps hängt hier zeitlich hinterher! Immer eine Augenweide.

Nach dem 3. VP geht es wieder hinein in die Wälder, ab und zu gibt es zur Abwechslung herrliche Blumenwiesen. Meine Probleme der letzten Wochen sind vergessen, es läuft!

Blumen ohne Ende!

Dürrweiler und Herzogsweiler werden durchlaufen, bevor es zurück nach Grüntal geht. Nach mehreren Kilometern in der Sonne bin ich froh über Wald und Schatten. Eine tolle Lichtung folgt.

Bergwiese, noch 5 Kilometer, es macht Spaß zu laufen

Nach einem Stück bergab, bergauf sind wir wieder auf der Strecke von heute Früh. Noch 4 Kilometer und es ist geschafft. Bald kann ich Grüntal schon erahnen. Im Ziel bin ich dieses Mal vor Gerd, Walter und Edda. Aber morgen werden die Karten neu gemischt. Meine Daten: 49,3 km und 795 Höhenmeter, 7:32 Stunden.

Ergebnis 2. Etappe

30.5. 1. Etappe – Grüntalrunde über Baiersbronn und Erzgrube

Anstieg kurz nach Klosterreichenbach, km 18

Vom Start in Freudenstadt-Grüntal 732 Meter NN geht es nach hinab nach Baiersbronn 584 Meter NN. Von Klosterreichenbach an der Murk wieder hinauf auf die Höhe; und hinab nach Erzgrube zum Nagoldsee. Nachdem ich wegen meiner Zerrung die ersten 3 Stunden nur gewalkt bin, probiere ich nun bei Gefälle, ob meine Beine es gut heißen. Fazit: Langsames Laufen ist möglich. Zwei Starter kann ich so noch überholen und die rote Laterne abgeben. Auch schön!

Nagoldsee / Ort: Erzgrube, Km 30
Blumenwiese, Km 41

Die Panoramastraße führt steil , sehr steil hinauf. Dort wartet der 3. und letzte VP auf mich. Der Rest ist schöne Spielerei, durch die Blumenwiesen, vorbei am Flugplatz und hinab zum Start/Ziel. Meine Uhr zeigt 46,8 km und 880 Höhenmeter. Meine Zeit 7:36 Stunden.

Ergebnisse 1. Etappe

27.5. Vorbericht

Wir bleiben Zuhause bei allen 8 Übernachtungen, denn die 7 Etappen gehen alle Heim nach Grüntal.

Die Gesamtstrecke beträgt 337 km. Die Tagesetappen haben einen Schnitt von 49 km. An jeder Etappe sind durch den bergigen Schwarzwald auch einige Höhenmeter zu bewältigen. Einige kurze trailige Bereiche bringen Abwechslung in den Straßenlauf.

Soweit die Veranstalter-Kurzbeschreibung der Streckenempfehlungen. Der ursprünglich für diese Zeit geplante Neckarlauf kann auf Grund der Corona-Bedingungen nicht stattfinden. Thomas hat sich eine coronagerechte Alternative ausgedacht, wobei sich das Ziel immer am gleichen Ort befindet.

Ballon Ultralauf 65 (von 100) Meilen

1./2.8.2020    Unna              Ballon-Ultratrail     65 Meilen      22° bedeckt, 33° Sonne 25 – 20° Gewitter,  2.8. 22° wolkig, sonnig                                                  

Das Konzept:

Startzeiten

  • Erste Runde 10:00 Uhr        5 Meilen
  • 11:40 Uhr                             10 Meilen
  • 15:00 Uhr                             15
  • 20:00 Uhr                             20
  • 02:40 Uhr                             20 Meilen andersherum
  • 09:20 Uhr                             15
  • 14:20 Uhr                             10
  • Letzte Runde 17:40 Uhr      5

Besonderheiten

  • Es findet nicht nur ein Lauf statt, sondern direkt 8 Läufe!
  • Für jeden ist etwas dabei – Für Laufanfänger sind die 5 und 10 Meilen Runden bestens geeignet, erfahrene Läufer können sich auf die 15 und 20 Meilen Strecken wagen und die ambitionierten unter euch, kombinieren mehrere Runden zu einer großen Tagesstrecke.
  • Jede Runde wird gemeinsam zu den ausgeschriebenen Startzeiten gestartet.
  • Jede Runde kann aber im individuellen Tempo gelaufen werden. Die Mindestlaufgeschwindigkeit beträgt 4,83km/h bzw. 12:26min/km
  • Je schneller ihr eine Runde absolviert, desto mehr Pause habt ihr bis zum Start der nächsten Runde
  • Ihr könnt die 5 Meilen in 50 Minuten laufen und habt so 50 Minuten Pause bis zum nächsten Start, oder ihr lasst es gemütlich angehen und braucht und dürft weniger Pause machen.
  • Genauso könnt ihr bei der 20 Meilen Runde locker 200 Minuten Pause rauslaufen – müsst ihr aber nicht
  • Durch die gemeinsamen Pausen kommt es zu einem tollen Miteinander!

Strecken

  • Gesamt: 104,41 Meilen // 168,04 Kilometer Strecke
  • Die schnelle Holzrunde – 5 Meilen / 8,29km – 54 Höhenmeter – 100 Minuten Zeit
  • Die Hier-Wache-Ich-Runde – 10 Meilen / 16,04km – 108 Höhenmeter – 1 VP, 1 WS – 200 Minuten Zeit
  • Die Feuer und Eis Runde – 15 Meilen / 25,99km – 122 Höhenmeter – 1 VP, 2 WS – 300 Minuten Zeit
  • Die Königsrunde – 20 Meilen / 33,7km – 381 Höhenmeter – 2 VP’s, 2 WS – 400 Minuten Zeit

Das Abenteuer beginnt! Mein Konzept: Mit Ute und Martina laufen

Ich reise früh an und bin um 8:10 Uhr vor Ort. Auf Nachfrage erhalte ich Zufahrt zur Vereinswiese, wo gezeltet werden darf. Viele andere waren schon viel eher dort.

Beim Abholen der Startnummer treffe ich viele Bekannte. Martina, Utes Laufkollegin ist bereits dort und auch Judith, die mir erzählt, dass sie gestern geheiratet hat und heute mit ihrem Mann Reimund die ersten 5 Meilen im Hochzeitsoutfit laufen wird. Ute kommt spät und hat „auswärts“ geparkt. Sie holt ihre Lauf-Utensilien und ihr Zelt. Beim Aufbau stellen wir fest, dass ihr Sohn das Zelt nach dem letzten spätpubertären Gebrauch wohl nicht ganz fehlerfrei und leicht beschädigt zusammengepackt hatte. Irgendwie fehlt eine Stange und eine andere hängt locker herab. Aber es steht dann doch, nur der Eingang macht einen sehr traurigen Eindruck. Zum Glück soll es ja trocken bleiben.

Vor dem 5 Meilenlauf, schon mit Laufschuhen
die Holzrunde – und hopp!

10 Uhr Start zur ersten Etappe über 5 Meilen. Eine kurzweilige Strecke, oft durch den Wald mit Hindernissen. Zeitweise auch querwaldein. Das machst Spaß. Ute hält wieder an jeder Butterblume und sorgt damit für ein gemütliches Tempo. Die 5 Meilen sind schnell vorbei. In 40 Minuten erfolgt der nächste Start. Zeit für ein Getränk und 3 TUC.

133 TN im Ziel über 8,29 Kilometer und 54 Höhenmeter. 106. Uwe Laig          59:49

11:40 Uhr 10 Meilen-Runde, „Hier wache ich“-Runde

Diese 10 Meilen sind auch wieder abwechslungsreich. Noch immer ist es bedeckt aber sehr schwül. Schon nach wenigen Minuten tropft der Schweiß von der Stirn.

alle 8 Km ein unbemannter VP

Heute erreichen wir den schönen Teich von der anderen Seite. Die Schwäne beobachten genau, ob sich jemand dem Nachwuchs zu sehr nähert. Im Wald ist es sehr schön und entspannend. Dann doch ein Regenschauer. Nicht schön fürs Zelt und die Stühle, die der Nachbar aber auf den Kopf gestellt hat. Danke! Ute strahlt mit den Sonnenblumen um die Wette. Zurück im Ziel bin ich nach 2:05:11 Stunden. Duschen werde ich erst nach den 15 Meilen. Noch stinke ich nicht! Oder?

130 TN im Ziel über 16,04 Kilometer und 108 Höhenmeter. 97. Uwe Laig            2:05:11

Wieder trinken, essen, klönen, dann geht es wieder los. Es gibt immer eine kurze Ansprache des Organisators, danach 9, 8, 7…. und los.

15 Uhr: 15 Meilen-Runde rotFeuer und Eis RundeDie Hitzige

Die 15 Meilen-Runde wird gestartet. Meine Beine sind nicht mehr frisch, obwohl ich doch erst 24 Kilometer gelaufen bin. Es ist nun schwülwarm und drückend. Zuerst noch durch den Wald. Vorbei an Hindernissen. Das macht Spaß! Es geht auf Straßen und langen Schotterwegen dahin. So richtig kommt kein Spaß auf.

durchs Unterholz

Mal kommt ein Bach, dann ein Rabe, ein landendes Segelflugzeug. Die Sonne kommt durch. Über 30°! Gehpausen sind unsere passende Antwort. Irgendwann kommen wir nach Kamen in die City. Und richtig, da ist sie, die Eisdiele! Feuer und Eis – Runde. Diese Etappe trägt ihren Namen zu recht. 

Eiszeit bei 33°

Für jeden eine Kugel, für mich 2! Ich kann nicht so schnell lecken, wie das Eis schmilzt und mir an den Fingern herunterläuft. Wir marschieren zu fünft schleckend durch Kamen. Da die Serviette sich bereits mit dem Eishörnchen vermählt hat, kommen die letzten 3 Zentimeter in den Mülleimer. Martina klagt über klebrige Finger und Sonnencreme in den Augen. Ihr kann man es wirklich schwer recht machen. Auch kein Friedhof in Sicht, nicht für Martina, sondern für eine Wasserzapfstelle zur Lösung des Klebeproblems. Wir starten wieder und laufen so etliche hundert Meter. Wieder Pause. Wieder loslaufen, bis Ute eine Blume sieht und fotografieren muss. Jede Pause ist wertvoll. Auch Fördertürme versprechen Pausen! Wieder Asphalt und wieder Schotterradwege. Ätzend. Ein Stein lädt ein! PAUSE!

Pausenstein

Der VP ist leergetrunken; aber gerade als wir ankommen, kommt ein Helfer per Rad mit einem frischen Kanister Wasser. Wieder Pause, weil ich das Rad halten muss! Gut so! Und weiter, wir müssen weiter. Nur noch drei Kilometer sage ich. Noch fünf antwortet Martina! Beim Briefing erzählte Jan-Philipp, dass diese Strecke 26 statt 24 Kilometer lang ist, damit man danach 50 km voll hat. Scheibe! Auf diese Info hätte ich gerne verzichtet. 

Industriekultur

Zähne zusammenbeißen, und weiter. Irgendwann, gefühlt zwei Stunden später endlich das Ziel. Ich bin platt, als ob ich gerade einen Marathon gelaufen wäre. Obwohl ich Hitze gut haben kann, das war heftig. Utes Mann und Sohn sind gekommen, um zu sehen wie es ihr geht. Gefühlt wohl besser als mir. Ich mag gar nicht an den nächsten Start denken. Oh, und Utes Zelt sieht nun viel besser aus! Die beiden haben das Gestänge getauscht, und siehe da!

Duschzelt, getrennt für M + W

Erst einmal ein kaltes Erdinger Alkoholfrei. Das zischt! Essen mag ich nichts! Duschen mag ich sehr. Das tut so gut. Die Duschzelte sind mit großen Fenstern ausgestattet, damit man rausgucken kann. Ich dusche nackt neben Martina, die auch ihren Bikini vergessen hat. So what! Nun greife ich doch zu diesen Nudeln in grüner Soße. Schmeckt gesund! Und Erdnüsse, und Kuchen, und Salzstangen, und Schokolade; Cola und Bier sowieso.

106 TN über 25,99 Kilometer und 122 Höhenmeter im Ziel: 65. Uwe Laig            3:33:12 

20 Uhr 20 Meilen-RundeDie KönigsrundeDie Gewittrige

19:45 Uhr, JP macht wieder seine Sprüche, erklärt uns, dass dieses Jahr die astreiche Passage gegen eine astreine getauscht wird. Wiederholungstäter scheinen zu wissen, was er meint. Mir egal, ich laufe, wohin mich die orangen Pfeile führen werden. Frank Albrecht erläutert mir kurz worauf ich achten soll: Bei km 10 von der Höhe ein schöner Blick zurück und später bei km 16 oder so VOR der Straße links rein in den Wald. OK! Ich werde meine Demenzsituation testen.

Los geht es. Ich schätze auf 5 Stunden für die 33,7 Kilometer. Den Radweg entlang, dann durch Wiesen und Wald langsam ansteigend. Viel schöner als die 15 km Strecke. Martina muss nun richtig kämpfen. Ute und ich laufen voraus, gehen die Steigungen, Martina holt wieder auf. 

Nach dem ersten VP geht es lange den Berg hinauf, nicht richtig steil, für uns aber ein Grund zu wandern. Die Sonne versinkt hinter den Wolken, ein letztes Foto. Es wird bereits dunkel, als wir oben auf der Höhe sind und zurückblicken. Ute macht Fotos im „Nachtmodus“. Auf diesen Fotos sieht man plötzlich mehr als eigentlich da ist. Die blaue Stunde. 

Es wird Nacht Senorita…

Und plötzlich erscheint er, der Mond. Er erhebt sich aus den Wäldern. Seine Farbe ist ockerorange, und um ihn herum sind Schlieren wie leichter Nebel, die seine Leuchtkraft etwas bremsen. Meine Oma meinte, wenn der Mond so aussieht gibt es Regen. Ganz voll ist er auch nicht, da fehlt wohl noch etwas Alkohol. Martina bemerkt die kleine Delle im Mond mit ihren Adleraugen. Ich hätte den Mond als voll durchgehen lassen. Aber sie hat Recht, ganz voll wird er erst am 3.8. um 17:59 Uhr sein.

Sonnenuntergang, noch immer 27°

In der Dämmerung laufen wir über die Felder auf der Höhe, vorbei an einem einsam gelegenen Haus und biegen in den Wald ein. Stopp! Hier ist dunkel, also raus mit den Stirnleuchten. Ich habe meine Leuchte aufgeladen und getestet und sie funktioniert auch prächtig, als „Brustleuchte“! Hätte auch mal das Stirnband testen sollen, jetzt und hier im Dunkeln ein saublödes Unterfangen! Die anderen ziehen von dannen und ich muss erst einmal die Funktionsweise dieser Überkreuz-Konstruktion verstehen. Irgendwann ist es nun so verkürzt, dass es passt. 

Hindernis

Im Dunkeln heißt es doppelt aufpassen, auf Strecke und Pfeile. Dann kommt dort hinten die Straße, die Kreuzung. Da geistern 4 Gestalten mit Lämpchen herum und suchen Markierungen. Dank Frank weiß ich, dass diese 70 Meter zuvor in den Wald führen. Wir rufen und haben bald Überholer, die uns herzlich danken. Es geht durch den Wald, nun steil hinauf, dann wieder eben und bergab, steil bergab. Hier gilt es höllisch aufzupassen, sonst liegt man schnell. 

Irgendwelche Tiere unterhalten sich im Wald, ist schon etwas unheimlich. Landschaftlich muss das hier sehr schön sein, nur, es ist stockdunkel. Der Mond hat sich nun hinter dichteren Wolken versteckt. Eine Straße führt erst eben dann ansteigend zurück. Ja, die Hälfte und etwas mehr sind geschafft. Ich muss mehrfach gähnen. Wiesenwege folgen, dann wieder in den Wald. Fast hätten wir den Pfeil nicht gesehen und wäre falsch gelaufen. Der Pfad hat viele kleine Hindernisse, die zum Stolpern einladen. Wir sind hier zu viert unterwegs und warnen uns. In der Ferne grummelt es. Meine Wetter-App hatte vor 3 Stunden von leichtem Regen mit nur 40%iger Wahrscheinlichkeit gesprochen. Also keine Gefahr!?

Bald kommt auf der Höhe der nächste VP. Das Grummeln kommt deutlich näher. Erste Tropfen fallen. Oma hat recht! Es geht hinab in einen Ort. Ich ziehe die Regenjacke an. Es regnet und das Gewitter kommt näher. Ich kontrolliere die App. Das Gewitter zieht wohl knapp vorbei. Wo vorbei? An Unna! Und wo sind wir? Jetzt? Nicht in Unna!

Auf Sturm folgt Starkregen und Schnee

Entlang der Bahntrasse, es gießt. Wir haben das Tempo erhöht und Martina längst verloren. Ute zählt die Sekunden zwischen Blitz und Donner. 4 Kilometer, 3 Kilometer. Wir durchlaufen klatschnass eine Siedlung als der Wolkenbruch nieder geht. Es rauscht, das Wasser steht auf der Straße, die Dachrinnen fassen das Wasser nicht. Überall platscht und fließt Wasser. Das Licht der Stirnlampe erreicht den Boden nicht mehr! Keine Läufer mehr zu sehen, alle haben wohl einen Schutz gesucht. Ich frage Ute, ob wir uns unterstellen wollen. Sie schaut mich etwas komisch an: „Jetzt nicht mehr!“

Später erfahre ich, dass Michael und Naina es unter eine Heuballenplane geschafft haben. Sie sind trotzdem vom Wind und Wasser erwischt worden. Ute hat ihren Spaß, wir sind klitschnass und lachen und laufen weiter. Das Gewitter ist nur noch 1,5 Kilometer entfernt, die Blitze blenden. Heftiger Donner! Ich habe Schiss, Ute findet das Ganze ein prima Abenteuer. Sie grinst und strahlt übers ganze Gesicht! Ich denke an meine Rente, die ich eigentlich noch erleben möchte.

In einer Bahnunterführung stehen 4 Läufer/innen und warten, wir laufen grüßend vorbei. Jetzt pausieren wäre zu kalt für uns. Ich habe ganz lockere Beine, die laufen wie von selbst. Unglaublich! Ob es das Adrenalin ist? Das Gewitter verzieht sich. Der Regen nimmt ab. Trotz der Nässe haben wir warme Hände und Füße. Das Zeitgefühl ist abhandengekommen. Wir sind wohl bereits in der Geister-Stunde als das Gewitter nochmals loslegt. Utes gute Laune steckt mich an. Wieder wird gezählt, bis 12, also 4 Kilometer, näher kommt es uns nicht, nur der Regen erfrischt uns erneut. Dieser lässt aber nach, als wir dem Stadion näherkommen. An einem Abzweig steht eine 3 mal 5 Meter große und sicherlich bis zu 10 Zentimeter tiefe Pfütze – und verdeckt den Pfeil. Nur gut, dass vor uns ein Läufer ist und uns in die richtige Richtung bringt. Wir hoffen, dass Martina an dieser Stelle auch Glück hat. Nun nur noch den Radweg / alte Eisenbahntrasse entlang. Endlich sind wir Abenteurer im Ziel. Genau mit der Prognosezeit von 5 Stunden. Und mit sicherlich einer guten Platzierung.

64 TN im Ziel über 33,7 Kilometer mit 381 Höhenmetern: 37. Uwe Laig            4:59:49

Schlafen statt laufen!

Da ich beschlossen habe, nun zu pausieren, hole ich mir schnell ein richtiges Veltins und gehe duschen, die Klamotten hatte ich schon am Abend in der Nähe deponiert. Abendessen morgens um 1:30 Uhr. Martina und Ute planen auch die nächsten 20 Meilen zu laufen. Irgendwie sind sie härter als ich. Oder wacher! Dann das Gerücht, dass dieser Lauf wegen Gewitter ausfällt. Ich frage JP, der klar sagt, der Lauf findet statt. Mit Ute und Martina!

Ok, die andern finden das gut, ich mummel mich um 2:40 Uhr in meinen Schlafsack und ärgere mich über die nur 70 Zentimeter schmale Luftmatratze. Bei jedem Umdrehen kann ich fast abstürzen. Warum kann ich nicht einschlafen? Irgendwann war es dann doch so weit. 6:15 Uhr, ich habe den Kaffee auf. Um 6 Uhr war der ältere Radbegleiter von nebenan wieder da und macht Lärm. Max. 3 Stunden gepennt! Dann habe ich mich noch geärgert, dass ich nicht doch noch die 20 km mitgelaufen bin. Zu spät! 

Dann baue ich im Nassen das Zelt ab. War klar, ich mache Schluss. Zu den 15 Meilen habe ich keine Lust. Als ich abfahren will, treffe ich Judith. Sie und Reimund haben sich nachts beim Gewitter abholen lassen, da nichts mehr ging. Kaputt und müde und zu langsam! Sie packen auch ihre Sachen und fahren nach Hause. Tschüß! Gerade als ich auf die Autobahn fahre, kommt im Radio: „An guten Tagen…“ Ich stelle es richtig laut und bin wieder gut drauf.

Der Depp

Um 8 Uhr bin ich zu Hause. Das Zelt zum Trocknen aufgehängt, die Luftmatratze ganz entleert und den Schlafsack gelüftet; und gefrühstückt. Die Müdigkeit ist weg. Was soll ich denn nun den ganzen Tag machen?

Um 11 Uhr habe ich nachgesehen, wann der 10er startet. 50 Meilen sind nur 82 Kilometer, echt wenig für 2 Tage. Und wenn ich noch etwas dazu laufe, kann ich über 100 Kilometer kommen, so viel hat man nicht oft auf dem Tacho. Und, falls Martina und Ute noch laufen, kann ich sie unterstützen! Meine Frau besucht eine Bekannte und ich hinterlasse einen Zettel: „Bin Laufen, bis heute Abend!“ Zurück in Unna. Ankunft 12:35 Uhr. Enttäuschung, kein Zelt, kein GT Auto. Sehr Schade! Ute und Martina sind fort. Ok, ich tausche mich den anderen Bekannten aus. Wenige (21) sind in der Nacht die zweite 20 km Runde gelaufen. Jetzt kommen die 15 Meilen-Läufer ins Ziel. Mit viel Applaus. Nur ein Läufer trägt die Schärpe „100 Meilen Aspirant.“  

Aushang der vorläufigen Gesamtliste. Ute und Martina führen die Frauenwertung an. Auch noch nach dem 15 Meilen-Lauf! Ob sie das wissen? Wohl kaum, sonst wären sie noch hier. Oder? Man, das ist sehr schade!!! 13:30 Uhr, ich bekomme eine WhatsApp-Nachricht von Susi: „Du bist ein DEPP! Warum bist du denn nicht in Unna geblieben!?“ Recht hat sie!

14:20 Uhr 10 Meilen-Runde Die Schnelle

Ich bin wieder mit dabei und von den Kollegen super aufgenommen. Mehrere Läufer haben wohl die 15 Meilen-Runde geschwänzt. Vor dem Start müssen wir singen, üben für das Finale. Und wer bereits > = 50 Meilen hat, der darf seinen Fußabdruck aufhängen. Ich muss nicht jede Idee gut finden und singen kann ich auch nicht! 

die ersten Mauken hängen

Die Runde von gestern nun anders herum. Was ich noch weiß, ist das Reitturnier und andere Kleinigkeiten. Es sieht doch anders aus. Auch beim zweiten Lauf dieser Runde, kann ich nicht erkennen, warum sie „Die hier wache ich Runde“ heißt. Kein Hund, keine Katze, keine Maus!

Ich laufe mit einem jüngeren Kollegen aus Cuxhaven. Hinter uns sind zwei weitere Läufer. Sie unterhalten sich, wie lange sie bereits laufen. 2 Jahre, 5 Jahre und mein Mitläufer: 4 Jahre. Auf ihre Frage, meine Antwort: 35 Jahre. Antwortet der Cuxhavener, das ist ja länger als ich alt bin. So isses wohl! Es geht vorbei am Förderturm und die Schwäne sind auch wieder da. Das Tempo ist gut, die Beine auch. So komme ich deutlich schneller als gestern ins Ziel. 

63 TN über 16,04 Kilometer und 108 Höhenmeter im Ziel: 26. Uwe Laig            1:52:44

wie wahr!

17:40 Uhr 5 Meilen SchlussrundeHolzrunde

Mit einem frischen T-Shirt warte ich auf den letzten Start. 90 Minuten sind lang! Aber ich kläre schon mal zu Hause ab, dass der Depp heute für Döner und Pizza sorgen wird. In 2021 muss ich die Lauftaktik überdenken, so wie dieses Jahr ist es nicht gut! 65 Meilen sind gut, aber da muss mehr gehen!

Über diese letzte Runde gibt es wenig zu sagen. Außer, dass ich erst Probleme mit Strava habe und ich meinen Luftballon bereits nach einem Kilometer an einem Brombeerstrauch zerlege. Meine Beine sind nicht mehr locker. Im Wald haut es mich fast hin. Erst laufe ich mit Detlev und Rosa, später überhole ich noch Michael Ziemba.

Nach dem Zieleinlauf dusche ich schnell. Insgesamt bin ich mit meiner Leistung > 100 Kilometer nun doch gut zufrieden.

60 TN im Ziel über 8,29 Kilometer und 54 Höhenmeter 33. Uwe Laig            59:10

153 TN insgesamt an diesen beiden Tagen

26. Uwe Laig.   65 Meilen, 108,35 km, 827 Höhenmeter 14:29:52 Stunden       1. M60 (6)

Ute und Martina belegen mit 70 Meilen die Plätze 2 und 3 bei den Frauen und die Plätze 14 und 16 gesamt!!! Glückwunsch!

Gegen 20 Uhr bin ich zurück in Lengerich, schnell die Sportsachen auf die Leine gehängt und ab zur Dönerbude.Ich gönne mir eine Pizza Diabolo, lecker, einen Döner für Susi. So geht ein aufregendes Laufwochenende zu Ende.

JP hat schon die Pläne für 2021 fertig und wird sie uns bald mitteilen. Ich bin gespannt, was er sich noch einfallen lässt!?

Mad Fox Russland 3.2.2019

6 Deutsche beim Mad Fox Ultra Trail über 70 Kilometer am Start

Anreise nach Moskau

Unsere Truppe: Aschu, der vegane Professor – Gerno, der organisatorische Bahnweise – Harald, das sächselnde Geschichtswunder – Reinhold, der Humorist – Joe, der durstige Weltenläufer.

Noch fast eine Stunde bis zum Abflug um 11:20 Uhr. Um 10:45 Uhr gibt es die Information, dass sich der Abflug auf Grund der Wetterlage auf 11:45 Uhr verzögert. Draußen fallen bei minus 1 Grad dicke Schneeflocken vom Himmel. Ein Flugzeug wird enteist. Hoffentlich funktioniert alles. Um 11:15 Uhr gibt es eine neue Durchsage: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Passagiere Flug 1444 nach Moskau. Zunächst die schlechte. Der Flug wurde annulliert. Die Gute. Sie werden umgebucht auf Flug 1446, Abflug 12:20 Uhr.“ Anstehen für eine neue Bordkarte. Reinhold taucht auf. Er hat regulär für diesen Flug gebucht. Wir folgen ihm zu Gate B54. Hier wird es etwas später, aber dann läuft es reibungslos. Der Flieger ist nur zu 40 Prozent gefüllt, wir haben nun alle Fensterplätze. Gegen 18 Uhr (Ortszeit + 2 Stunden) landen wir in Moskau. Einreise problemlos, auch die Koffer sind schnell da. Neben den Kofferbändern sind gleich die Fahrkartenautomaten für den Flughafenshuttle. Für 950 Rubel (13 €) kaufe ich ein 4er Ticket. Der Zug ist so gut wie neu und erreicht nach 45 Minuten Moskau. Die Metro Nr. 5 bringt uns zum Hotel

Metrostation – unsere U-Bahn-Stationen sehen anders aus!

Unser Hotel liegt verkehrsgünstig, dank Gernos Planungen, an der Bahnstation Jaroslawl, wo übermorgen unser Zug nach Rostow abfährt. Allerdings gibt es hier gleich drei Stationen und auch unser Hotel „Retro“ sein. Abendessen. Es gibt im Hotel ein Restaurant. Dort sitzen nur 2 Gruppen an den Tischen. Wir bestellen Pivo und auch Essen. Der Kellner rafft nicht, dass wir alle Hunger haben. Er bringt ein Essen, dafür 7 Biere. Also bestellen wir 5mal Spaghetti Bolognese nach. Ein echt russisches Nationalgericht?! Na denn, das Bier schmeckt. Dann beginnt das Drama, es gibt eine Charaoke Musikbox und zwei, doch bereits sehr angeheiterte, Russen geben ihre Künste zum Besten. Es ist laut und einfach nur grausam schlecht. Dafür hört der eine auch gar nicht mehr auf. Irgendwann ziehen wir den Stecker der Box. Nach den Spaghettis noch ein zweites Bier. Der Russe möchte mit uns ins Gespräch kommen. Wir aber nicht mit ihm. das merkt er aber nicht mehr. Gute Nacht!

Moskau – Rostow

Nach einem Tag in Moskau sind wir pünktlich um 7:15 sind wir am Zug und an unserem Waggon Nr. 8. Dort hat gerade das Mädel von der Bahn die ersten Gäste nach Kontrolle von Fahrkarte und Ausweis einsteigen lassen. Einstieg nur nach Kontrolle der Fahrkarte!

Und dann kommen wir, 6 Gestalten aus Deutschland mit einer in Deutschland in unserer Schrift ausgestellten Fahrkarte. Wir hatten es geahnt, das gibt Ärger.  5 Minuten Verhandlung enden ergebnislos. Per Handy wird ein Kollege befragt. Ergebnis: wir müssen warten und Platz machen für die anderen Gäste. Eine ältere Kollegin kommt zur Hilfe. Dann dürfen wir doch einsteigen— nachdem wir unsere Pässe gezeigt haben. Geht doch. Wir fahren mit der Transsibirischen Eisenbahn, zumindest ein Stück Richtung St. Petersburg.

Nach 2,5 Stunden erreichen wir Rostow. Der Bahnsteig ist vereist aber nicht gestreut. Viele steigen hier aus und tasten sich vorsichtig die schiefe Ebene hinab vom Bahnsteig über die Gleise. Durch den nassen, tiefen Schnee geht es zum Bahnhofsvorplatz wo die Busse und die Taxen warten. Der Taxifahrer will uns nicht befördern, da die Strecke zu kurz ist. Also nehmen wir unsere 7sachen und stapfen durch den Schnee. Joe schultert seine Tasche, sieht mir zu wie ich meinen Koffer schleppe. Er schimpft.: „Wer kommt schon auf die Idee im Winter mit einem Rollkoffer nach Sibirien zu reisen?“ Im Hotel klappt das alles sehr gut, wir haben sogar WLAN! 

Während des Fluges hatten wir erfahren, dass der Lauf nicht über den See führen wird, da das Eis nicht sicher sei. Wir waren sehr enttäuscht! Gerno kommt zurück von einem kurzen Ausflug zum See. Seine Schuhe sind nass, er und Harald sind beim Eistest eingebrochen. Vielleicht doch ganz gut, dass wir den Umweg um den See machen werden. Der Tag endet mit den Vorbereitungen. Rucksack und Dropbag und eine Tasche fürs Ziel. Macht das Sinn? Mensch ! Was ist der Rucksack schwer, etwa 3,5 Kilo. Noch einmal durchplanen, was ist über? 

Am Messestand von CEP, unserem Sponsor

Dann 17 Uhr. Zeit für die Pastaparty und das Briefing. Per Taxi die 7 km zum Start und Ziel, wo auch die Unterlagen ausgehändigt werden. Für 200 Rubel = 2,60 € für 3 Personen, günstig. Neben der Startnummer und dem üblichen Klimbim gibt es eine Thermosflasche und eine Finisher Weste. Am CEP-Stand gibt es ein Foto für den Sponsor.

3.2.2019  Mad Fox

Der Tag. Um 7 Uhr fahren uns 2 bestellte Taxen zum Start. Letzte Vorbereitungen und Abgabe der Kleidersäcke für Km 42 und fürs Ziel. Hinter einem Vorhang gibt es Umkleidemöglichkeiten für sie und ihn. Schnell sammeln sich hier die Deutschen. Es wird schon Deutsches Haus genannt. Harald empfiehlt, die Yaktraks anzuziehen. Ausziehen geht später schnell, anziehen wird immer schwierig. Ok, ich folge seinem Rat, kenne ich doch Vorteile von der BC. Mathias und Dana, Gerno Freunde, sind auch da.

russischer Engel

Dann ist da noch ein Engel, auch ein Foto wert. Abgabe der Kleiderbeutel. Für den VP an km 44 steht ein LKW bereit. Hier erfolgt auch die Kontrolle unserer Pflichtausrüstung, Rettungsfolie, Wärmesalbe, Taschenmesser, lange Unterhosen, ein Mobiles Telefon mit der Notrufnummer des Veranstalters und ganz wichtig, ob alle Utensilien des Teilnehmers mit der Startnummer beschriftet sind. So wollen Sie denen auf die Spur kommen, die ihren Müll, wie leere Powergeltüten in die Natur werfen. Wir antworten auf alle Fragen immer schön mit „Da“. Meine Unterhose will niemand sehen, Glück gehabt! Wir bekommen das Kreuz auf die Startnummer. Kontrolle erfolgreich. Etwa 12 Minuten vor dem Start stellen wir uns in die Kälte und hinten ins Feld. Akklimatisierung bei minus 6 Grad, kaum Wind. 

Noch sind wir in guter Stimmung!

Der Organisator wünscht den deutschen Läufern auf English alles Gute. „Es gibt sehr viel, ungewöhnlich viel Schnee, es wird hart wie nie. Es geht nicht über das Eis, sondern auf der Alternativstrecke um den See herum. Seid ihr bereit, seid ihr wirklich so gut trainiert?“ Wir antworten, dass wir es schaffen werden, wobei ich ein schon mulmiges Gefühl habe. Noch zwei Minuten. 

Startfeuerwerk

Der Startschuss um 8 Uhr wird begleitet von einem Feuerwerk. Rechts und links winken uns die Engel zu, auf geht’s, ich habe ein gutes Gefühl, das Abenteuer beginnt, nach Wochen der Vorbereitungen. Wir laufen 500 Meter auf einen Fahrweg, danach biegen wir rechts ab in einen Weg in Nichts. Es wird einspurig. Anstehen! Wir sind weit hinten im Feld und verlieren hier gefühlt um die 10 Minuten.

Läuferschlange – Polonaise im Schnee

Der Weg ist ein Pfad, querfeldein durch die Pampa. Ein Scooter hatte die Strecke etwas platt gefahren, so dass die Seitenränder etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch sind. Auf dem Pfad haben die Vorläufer den Schnee platt getreten und pulverisiert. Etwa 10, stellenweise 20 Zentimeter tiefer Pulverschnee, etwa 5 Grad kalt, umspielt meine Knöchel. Alter Schwede! Schnell sind die Schuhe und die Beine bis zur Wade weiß. Das kann ja nicht lange so weiter gehen, denke ich. Man kommt kaum vorwärts. Die Läufer marschieren im Gänsemarsch und wenn wirklich mal einer, warum auch immer, überholt, dannreiht er sich 10 Meter weiter vorne in die nächste Schlange ein. Das dauert nun gefühlt schon 20 Minuten. Der Schnee taut an Schuhen und Beinen etwas auf und friert dann in eisigen Klumpen wieder an. Da vorne ist ein Dorf, nun hat das Marschieren hoffentlich ein Ende. Wir laufen 50 Meter Fahrweg, dann um eine Kirche, schon ist das Dorf zu Ende und nun beginnt der Schneefahrt aufs Neue. Wieder bilden sich lange Schlangen und man sieht die marschieren, die bereits etwa 800 m voraus stapfen. Immer wieder hoffe ich, dass nun bald eine Straße kommt auf der wir laufen können. Da vorne ist ein Wald, dort ist sicherlich das Ende der Querfeldeinpassage. Es kann doch nicht sein, dass sich das länger als 3 Kilometer hinzieht. Wie soll ich denn das Zeitlimit schaffen? 

Das Wäldchen lassen wir fein links liegen und quälen uns weiter durch den Tiefschnee. Ich habe keinen Bock mehr. So ein Schei… denke ich. Ich kann nicht auf die Uhr sehen, die diese ist unter den Ärmeln meiner Jacke und den Handschuhen steckt. Aber es ist sicherlich bereits 1 Stunde vergangen seit uns der Tiefschnee am Wickel hat. Es taucht eine Hütte im Wald auf, kurz darauf kommt der erste Kontrollpunkt. Hier stehen Leute, die anfeuern und eine Helferteam. Die Straße ist nur 25 Meter entfernt. Wir biegen links ab und lassen die Straße rechts liegen. Nur 20 Meter neben der Straße toben wir nun durch den Wald. Der Tiefschneepfad ist nun ganz schmal, da hier niemand mit dem Scooter den Weg geebnet hat. Nur die vorauslatschenden Leute haben die Spur geschaffen. Es geht nun über umgestürzte Bäume und über einen Bach. An den schlimmsten Stellen stehen Fotografen und lichten uns arme Schweine ab. 

Hier wartet der Fotograf

Wir kommen aus dem Wald nun laufen wir wieder durch die Tundra/Taiga. Es geht etwas hügelig weiter. an einer Senke muss ich mich am folgenden Aufstieg abstürzen und meine Hand greift ins Leere. Klasse! Meine ganze rechte Seite ist nun weiß. Schnell weiter und den Schnee abklopfen sonst wird es nass. Meine Zehen Sind bereits ganz taub und fast gefühllos von der Kälte und der Nässe. Es geht weiter. Nun habe ich hinter mir ein Pärchen mit einem Husky. Der Hund tritt mir ab und zu in die Hacken oder läuft neben mir in der so engen Spur. Gerne möchte der Hund vorbei. Ich mache mich breit. Nix da! Du kommst nicht vorbei. Jeder Schritt ist anders, jeder Schritt muss ausbalanciert werden. Kein gerader Schritt, mal wegknicken nach rechts oder links, oder abrutschen in ein Loch, oder stolpern über einen festgefrorenen Grasbüschel, der leer aus dem Sumpf ragt.

Schaut man einen Augenblick zur Seite oder auf den nun vor uns auftauchenden Kirchturm, verhaspelt man sich und benötigt 5 Meter bis man wieder im Gleichgewicht ist. Ich denke an die BC, wo es ja auch Beachvolleyball gibt. Aber nur mal 500 Meter. Die BC ist gegen dies hier ein Kindergeburtstag. Ich wusste, dass es ein Abenteuer wird, ein Laufabenteuer. Es wird wohl eher ein Coupertest. Der Kirchturm kommt kaum näher, wir laufen noch eine Schleife weg von dem Dorf, um dann doch dorthin zu laufen. Endlich, eine tiefe, feste Spur von einem Fahrzeug. Gelegenheit, mich und die Schuhe von den Eisklumpen zu befreien. Nun kann ich auch endlich etwas trinken und vertilge meine Käsestulle. Ich bewege die Zehen, um sie in der Nässe zu spüren. Die drei kleinen Zehen spüre ich, die anderen eher nicht. Vorbei an einem Teich, wo sich die Männer zum Eisfischen verabredet haben, geht es nun auf einer kleinen Straße weiter. Ich laufe und spüre wie viele Körner dieses Schneetreten gekostet hat. Ich warte noch etwas, denn Joe ist noch hinter mir, sonst sehe ich niemanden mehr. 

Nach zwei Minuten muss ich weiter, sonst friere ich hier fest. Und ich muss Anschluss herstellen, damit ich nicht alleine und ohne Track durch diese Botanik schleichen muss. Ich schließe im Ort auf zu Veronika, die sehr gut Englisch spricht. Sie nennt mir Zeit und Strecke. 11:11 Uhr, also 3:11 Stunden bin ich unterwegs. Die Strecke? 14 Kilometer, sagt sie. Ich bin fassungslos. „Great Shock!“ sagt sie, als sie meinen Gesichtsausdruck sieht. Ja, das ist wirklich ein Schock. Nun muss ich aber viel laufen, damit ich diese Verspätung wieder reinhole. Wenig später gibt Veronika auf, sie hat Schmerzen in der Seite. Ob sie gestürzt ist? Sie steigt in ein Auto, dass gerade zwei andere Läufer aufnimmt. Tschüß! Ich schließe auf zu einem russischen Läufer. Er kann leidlich Englisch und erzählt, dass er irgendwo bei BMW arbeitet. Er meint, dass das Zeitlimit von 20 Uhr wohl nur bei normalen Bedingungen gilt. Heute gibt es sicher eine Verlängerung. Das höre ich gerne. Meine Zehen werden wieder warm, zwar feucht aber warm. Das fühlt sich nun schon wieder besser an. Ich trinke ein zweites Fläschchen, ich weiß, dass das bislang viel zu wenig war. Für mein Laufen belohne ich mit Vampiren von Haribo. Die Straße ist vereist, es ist herrlich, mit den Yaktracks so guten Grip zu haben. Ich hoffe es geht so weiter. 

verfallene Kirche

Ein Abzweig zu einer Siedlung, danach wird die Straße schneeig, weil kaum befahren. Sie endet in einem Feldweg. Nach 200 Metern taucht der 2. Kontrollpunkt auf. Hier stehen 10 Leute rum. Wo kommen sie her? Gerno ist auch dabei. „Wir sind raus, Cut off gerissen,“ erläutert er mir. Bin ich enttäuscht oder ärgerlich? Es gibt Tee und Wasser, ich lange zu. „Wie geht es weiter,“ frage ich Gerno. Er weiß, dass man weiter laufen kann. Auf eigene Gefahr, denn wenn man zu spät ist, wird der VP bei Km 44 schon abgebaut sein. Und dann? Ich frage nach der Streckenbeschaffenheit. „Hier beginnt wieder der Tiefschnee,“ sagt er. „Genau wie am Anfang!“

Hier ist Schluss – Cutoff-Zeit überschritten

Da ist für mich alles klar, ich beuge mich dem Cut off, bin nicht enttäuscht, eher froh, dass diese Quälerei ein Ende hat. Wir versuchen noch mit vereinten Kräften den Transporter des VPs aus dem Schnee zu schieben, ohne Chance. Da muss erst die Schaufel oder schweres Gerät her. Wir entscheiden uns, nicht den Shuttle Bus zu nehmen, sondern zurück zu laufen. Nicht durch den Tiefschnee sondern auf der Straße. Dann werten wir das heute als langen Trainingslauf. Kaum sind wir unterwegs, kommt uns Joe entgegen. Er schließt sich uns an. Laufend und wandernd machen wir uns auf den Weg zurück. Im Ort müssen wir den Streckenposten irgendwie erläutern, das aus dem Rennen sind. Unsere Nummern werden erfasst, dann dürfen wir weiter. Joe kauft im Laden an der Stecke noch schnell Getränke-Nachschub ein. 

am Rückweg

Wir laufen die Straße entlang und beobachten die 30 k Läufer im Tiefschnee. Der Fotograf im Wald sieht uns, winkt und macht ein Foto von uns Luschen. Am Checkpoint 1 werden wir nochmals notiert, bevor wir weiter dürfen. Gefehlt hätte nur noch eine Passkontrolle, denke ich. Es folgen 6 unangenehme Kilometer an der Hauptstraße entlang. Es gibt kein Sonntagsfahrverbot für LKW, und keinen Radweg. Die Salzwassergischt erfrischt immer wieder und die Feinstaubbelastung ist fein hoch. Irgendwann sind wir am Ziel. 

Die Uhr zeigt 7 Stunden und 37 Kilometer. Ich bin so platt wie letzte Woche nach 60 Kilometern. Gerno meldet uns beim Veranstalter ab. Nochmals werden unsere Startnummern erfasst. Alles klar. Gerno gelingt es, den Veranstalter zur Überreichung einer k 30 Medaille zu überreden, schließlich seien wir ja 37 km gelaufen. Die Medaille ist ein echter Hingucker. Was meint Gerno abschließend: „wir werden nun härter trainieren und dann kommen wir nächstes Jahr wieder und finishen!“ ich fasse es nicht. Bei solchen Bedingungen hilft bei mir kein Training, um diesen Lauf zu finishen. Was wohl unsere Kollegen machen? Joe, Gerno und ich gehen zum nahen Hotelrestaurant. Ein Bier und eine heiße Suppe tun gut. Später zurück im Zielbereich finden wir unsere Drop Bags von km 44 und fahren per Taxi zum Hotel. Unser Taxifahrer gibt alles. Überholen trotz Gegenverkehr, Überholen in der Ausfahrt, mit 80 Sachen durch den Ort trotz Fußgängern am Straßenrand. Alles geht gut. Duschen, Erholen, Abhängen und Warten auf die anderen. 

Um 19:40 Uhr erscheinen die anderen. Alle sind am Cut off gescheitert, bei Km 44 in 9:30 Stunden. Um 20:30 geht es zum Restaurant „Appetit“ in Rostow-Zentrum. Hier sitzen wir gut bei Bier und leckerem Essen. Es gibt viel zu erzählen. Trotz DNF war dies ein ganz besonderes, leider unlösbares Abenteuer.

DNF-Bier

Das Foto sieht aus wie das letzte Abendmahl von Michelangelo, nur die Beteiligten sind andere. Es folgen ein leckeres Essen und einige Geschichten von dem heute Erlebten. Die erste Biersorte ist bald ausverkauft. Nach dem dritten Bier, gegen 22:30 Uhr macht der Laden zu. Gerno plant schon die nächsten Abenteuer!

Die Ergebnisliste K70 zeigt, dass von rund 400 Läufern nur 39 das Ziel erreicht haben

13.02. Winterexpedition

13.02. Winterexpedition

13.2.   Ahnatal-Marathon       42,2 km, 600 HöM           -10/-5/-8° sonnig

Bei der Anfahrt ist es sehr sonnig. Aber in Höhe von Warburg wird es diesig und nebelig. Die Temperatur geht von minus 8° auf minus 17° zurück. Mein Scheibenwischwasser ist eingefroren. Frontscheibe gesalzen! Alles keine guten Aussichten! Nach 10 Minuten kommt die Sonne wieder durch. Gut so!

Hier versteckt sich die Ahne unter Eis und Schnee
gegen die Kälte

Gegen 10:45 Uhr bin ich in Ahnatal (unweit Kassel). Auch hier liegen 25 – 30 Zentimeter Schnee. Ich parke am Fitnesszentrum auf dem geräumten Parkplatz so, dass das Auto schön in der Sonne steht, damit die Getränke nicht einfrieren.

Bernd Neumann gibt mir bei minus 10 Grand eine ganz kurze Einweisung, ich ziehe die Schneeketten (Yaktraxs) unter die Schuhe und schon bin ich bei bestem Winterwetter zu meinem kältesten Marathon unterwegs. Es sind 10 Runden zu 4,3 Kilometer zu laufen. Die erste Runde dient der Orientierung. Eine Runde um das Fitnesszentrum, entlang der Straße, links ab in den Wiesenweg. Ab hier ist der Schnee holperig und löcherig, da dieser Weg auch von Pferden genutzt wird. Es folgt eine Passage am Bach entlang bis zur Bahnunterführung. Hier links halten in den (Rück-)Weg, der im Schatten liegt und kaum begangen wird. Kein Wunder, hier ist es gefühlt 5 Grad kälter als auf dem sonnigen Hinweg und der Wind kommt von vorne. Minus 15°, gefühlt! Alter Schwede! An der Brücke über die Gleise vorbei und schon kommt das Fitnesszentrum in Sicht.

Kaiserwetter

Nun erst einmal Pause. Denn ich bin zu warm angezogen. Also ziehe ich ein lang-ärmeliges Funktionsshirt aus. Nächste Runde. Da ich ja erst um 11 Uhr gestartet bin, sind heute bereits viele Spaziergänger unterwegs. Mit Kind und Schlitten, mit Hund, mit Pferd oder auf Langlaufski. Das Ausweichen durch den Tiefschnee ist anstrengend. Und ohne meine Yaktraxs wäre ich deutlich langsamer unterwegs. 

In der dritten Runde sehe ich das Vogelhäuschen mit Schneehaube. Ich traue meinen Augen nicht. Warum? Weil es die Nummer 42 trägt. Ein Nistkasten für Marathonvögel! 

In Runde 6 überhole ich Gerd Junker, der bereits in die letzte Runde geht. Er berichtet von minus 18 Grad heute Früh um 8 Uhr, als er startete. „Uwe, das geht alles! War gar nicht so schlimm, außer im Gesicht. Nach 3 Runden wurde es bereits besser“, berichtet er. So ganz kann ich ihm nicht glauben. Aktuell sind es noch 5 Grad minus.

Hinterm Horizont geht’s weiter…

Runde 7: Die Reiterin auf dem Hügel hat ein Fotoshooting mit ihrem Freund, der im Schnee kniend Bilder macht. Ich bekomme mein Handy nicht so schnell aufnahmebereit und rufe ihr zu, dass sie nochmals dort lang galoppieren soll, damit ich auch ein Foto machen kann. Sie lacht, dreht um und galoppiert los. Es macht Pferd und Reiterin sichtlich Spaß. Das Foto ist im Kasten. „Danke sehr!“ „Gern geschehen!“ rufen wir uns zu, dann muss ich zurück auf die Strecke.

Runde 8: Eine Familie mit 10 Hunden (keine Huskys) und einem Schlitten kommen mir entgegen. 5 Hunde sind vor den Schlitten gespannt und zerren an den Gurten. Kaum bin ich vorbei, schon geht die Petersburger Schlittenfahrt ab, und wie! Hunde und Kinder haben sichtlich ihren Spaß! 

Runde 9: Es wird bereits spürbar kälter, die Sonne verliert schnell an Höhe und geht schon Richtung Horizont. Meine Hände sind eisig.

Runde 10: Diese gehe ich flott an, wegen der Hände und da das Auto bereits im Schatten steht. Nicht, dass mir die Getränke einfrieren. Die Kälte nimmt nun schnell weiter zu. Ohne Sonne, brrh! Endlich, fertig, 10 anstrengende Runden sind fertig; die Uhr zeigt 5:57:57 Stunden. Mein kältester Marathon ist geschafft und ich bin um eine Erfahrung reicher. Als ich losfahre, zeigt das Thermometer bereits minus 8°! Allerdings ist das Scheibenwischwasser nun aufgetaut und mit Durchblick geht’s nach Hause.

21.02 Winterlauf-Cup

Urkunde und 200 g Medaille

Schinder-Alex richtet eigentlich im Sommer den Schinder-Trail Grauer Kopf über 66,7 km aus. Termin 2021: Am 10. Juli. Da ja aktuell keine Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, hat er besondere Ideen, um die Laufgemeinschaft in Bewegung zu halten. Eine davon ist die Herausforderung „Schinder-Trail Winterlauf-Cup“ über verschieden Distanzen. Ich habe mich zur härtesten Version „Virtueller Winterwolf“ mit Strecken über 25, 40, 55 und 67 Kilometer angemeldet. Die Leistungen müssen innerhalb von 6 Wochenenden vom 9.1 – 14.2. erbracht werden. Die 25 und 40 Kilometerstrecken fallen bei meinen Marathonläufen nebenbei ab. Nicht so die 55 Kilometer. Am 23.1. laufe ich bei Bernd Neumann den Rhedaer Forst Marathon. Er staunt nicht schlecht, als ich nach dem Marathon weiterlaufe. 13 Kilometer hänge ich an wobei ich dabei die weitere Umgebung erkunde. Nun weiß ich auch wo sich die Fleischfabrik von Tönnies befindet.

Es fehlen nur noch die 67 Kilometer. Die schiebe ich vor mir her. Am 6.2. möchte ich nach dem Emsquellenmarathon nur schnell nach Hause, da ein Wintereinbruch bevorsteht. Danach liegen überall 30 Zentimeter Schnee. Schlechte Bedingungen für einen Ultra. Alex ist einsichtig und gewährt eine Nachfrist von einer Woche. Bei Günter Liegmann steht der Hollage Berg Marathon an. Dort laufe ich nicht 7 sondern 8 Runden, macht 50 Kilometer. Danach bleibt noch Zeit für 3 Kilometer, bevor ich nach Hause zu einer Überraschung muss. Die Kinder schenken mir nachmittags zum Renteneintritt eine „Rentnerbank Finisher 2021“. Dann muss ich abends unbedingt noch einmal weiter, die fehlenden 14 Kilometer abspulen. Als ich später die Wertung im Sack habe und zurück bin, gibt’s eine weitere Überraschung. Die Kinder sind noch da und 10 Minuten später trifft die (auch für mich) Pizzalieferung ein. Danke! Diesen Winterwolf werde ich nicht vergessen!