
Gestern stand die 1. Etappe des Ahornweg Ultra über 67 Kilometer an, hier habe ich an zwei Verpflegungsstellen unterstützt. Heute steht die 2. Etappe über 47 Kilometer auf dem Programm und ich kann mitlaufen, da Frank den VP1 bei km 18 übernimmt; Ute betreut den VP bei km 34.
Gemeinsam mit Natascha mache ich mich auf die Socken. Vom Startort Lienen geht es bald steil hinauf zur Waldgaststätte Malepartus. Ein Vorgeschmack auf das, was heute noch so alles kommen wird. Nach 5,7 Kilometern stoßen wir auf den Ahornweg, nun unser ständiger Begleiter.

Wir laufen nun auf dem Schmugglerpättchen, ein Trail auf der Grenze zwischen Preußen und Hannover, heute NRW und Niedersachen, Einfach ist wirklich anders! Bei Kilometer 10 stellen wir fest, dass der markierte Weg geradeaus führt, der Tack jedoch nach links weist. Wir laufen nach Track! Da gesagt wurde „Track vor Markierung“ biegen Natascha und ich links ab. Wir holen Martina, Lars, Friedrich und Stefan ein, die gemeinsam mit uns in der Vorwoche beim HuBuT im Hunsrück waren. Es folgt der Aufstieg zum Borgberg. An der Almhütte bei km 12 genießen wir den Blick hinab auf Hagen a. TW., den Ort, den wir gleich passieren werden. Lars hat die Idee für eine Gruppenfoto. Genial!

Weiter geht es hinab nach Hagen und nach einem Hügel hinunter ins Tal, wo Frank bei km 18 mit dem VP auf uns wartet.

Da es heute mit nur 14° relativ kühl ist, ist der Getränkeverbrauch niedrig. Nach der Stärkung geht es weiter, über einen Bauernhof hinauf Richtung „Achter de Welt“. Wieder sind etliche Höhenmeter einzusammeln! Alter Schwede! Wir passieren den Varusturm, wo Natascha natürlich wieder Fotos machen muss.

Von ganz oben kaufen wir nun bergab nach ganz unten. Im Abstieg sehen wir bereits den nächsten Gegner, den Dörenberg. Mit 331 Höhenmetern wehrt er sich gegen seine Besteigung. Vom ehemaligen Forsthaus führt ein Anstieg mit 20% brutal hinauf. Auf der Höhe belohnt uns ein Ausblick über eine Farnlandschaft nach Georgsmarienhütte.

Noch einen Kilometer gilt es zu steigen, dann ist der Karlsplatz erreicht. Nun moderat weiter bergan Richtung Hermannsturm. Aber erst einmal entscheiden wir uns für den falschen Weg! Nach 150 Metern heißt es umkehren. Nun ist die 6er HuBuT-Truppe wieder beisammen.

Am Hermannsturm verlieren wir Lars und Martina, die sich den Schuh richten muss. Ihre Zehen schmerzen heftig! Die Querung der stark befahrenen B51 erledigen wir gemeinsam mit Friedrich und Stefan. Es folgen leichte Wiesenwege. Bis es wieder aufwärts geht. Mitten im Wald und völlig überraschend türmen sich etwa 80 Treppenstufen vor uns auf. Boah ey! Wer hat sich wohl die Arbeit gemacht, mitten im Wald?
Als ich schon denke, das war’s, kommt doch noch der Anstieg auf den Musenberg. Nix Muse! SEHR anstrengend ist die Rampe hinauf auf den Kamm des Berges. Meine Pumpe ist am Anschlag, ich bin platt, meine Trinkflaschen sind leer. Alter Schwede!

Natascha kämpft sich auch diesen Anstieg mit 25% Steigung hinauf. Diese Strecke soll (lt. Komoot) rund 1.000 Höhenmeter haben. Das glaube ich schon lange nicht mehr!

Endlich oben auf dem Kammweg. Hier gibt es eine grandiose Aussicht plus einen sehr markanten Baum-Rest. Von hier aus führt dies Strecke fast zwei Kilometer bergab bis zum 2. VP bei Kilometer 34,5. Hier warten schon Ute und Frank auf uns. Ich bin so froh, dass ich nun meine Trinkflaschen auffüllen kann. Hier hat Ute einen Zettel platziert: „Heute läuft Uwe seinen 800. M/U!“ Ok, dann wissen ja nun alle Bescheid. Auch egal!
Nun geht es vorbei am Zeppelinstein, hier ist in den 1930er Jahren ein Zeppelin abgestürzt. Weiter Richtung Bad Iburg, nun 4 Kilometer auf der Stecke vom Freeden-Ultra. Kurz vor dem Ort verlassen wir die bekannte Strecke, da wir noch eine Schleife durch Bad Iburg laufen. Dann taucht das Schloss vor uns auf.

Und Schlösser liegen meist oben auf einem Schlossberg. Hier auch! So langsam aber sicher gehen uns die Körner aus. Natascha greift immer öfter zu ihrer Cola im Rucksack und ich bin froh, wieder Iso im Tank zu haben! Wir folgen dem falschen Weg, denn hier treffen die beiden Schleifen des Wanderwegs aufeinander. Fast wären wir in die 67 km Schleife abgebogen! Natascha passt auf und führt und zurück!
Wir verlassen bald den Ahornweg und beginnen den Rückweg nach Lienen. Nach dem langen Anstieg auf dem Hermannsweg, Alter Schwede!, erreichen wir die Landesgrenze zu NRW. Am „Scheipers Pütt“ (Hochdeutsch Schäfers Tränke) verlassen wir den Hermannsweg und folgen dem Weg, den uns Ute ausgesucht hat. Leicht bergab in einem schönen Bogen, wie gemacht für ein letztes Strecken-Foto.

Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel treffen wir Andreas, der nicht sicher ist, welchen Abzweig er nun nehmen soll. Wir nehmen ihn mit und kommen gemeinsam ins Ziel am Freibad an. 47 Kilometer, rund 1.400 Höhenmeter, über 8 Stunden Laufzeit und eine sehr schwere Strecke liegen hinter uns. Natascha und ich sind sehr stolz, es geschafft zu haben, denn dies war kein Kindergeburtstag! Frank und Ute begrüßen uns im Ziel! Andere kommen hinzu, alle wollen nun noch gratulieren!
Bald kommen Friedrich und Stefan ins Ziel. Bei einem alkoholfreien Bier besprechen wir die schwersten Stellen des Laufes und stellen fest: Es waren 1.400, nicht 1.000 Höhenmeter! Wir warten noch auf Lars und Martina. Deutlich später als erwartet kommen die beiden auf die Zielgerade. Martina humpelnd, sie hat sichtlich starke Schmerzen. Aber sie hat gefinisht! Welch eine Energieleistung!

Ute überreicht im Namen des 100 Marathon Club die Urkunde und gratuliert Uwe zum 800. Marathon/Ultra. Mit einem weiteren kühlen, alkoholfreien Getränk geht dieser Ultra zu Ende.