16.08. HuBuT

Ein Lauf gegen die Uhr!

Das Briefing soll um 7:45 Uhr stattfinden und die Teilnahme ist Pflicht. Die Organisatoren beginnen dann um 7:55 Uhr. Und da noch einige Teilnehmer an den WC anstehen, ziehen sich die Informationen in die Länge. Boah ey! Alles das, was schon in der Ausschreibung steht, wird nochmals wiederholt. Ich sitze auf heißen Kohlen, möchte nun endlich los, denn um 17 Uhr schließt der Zieleinlauf. Endlich, um 8:10 Uhr wird runtergezählt, von 10 (ich hatte schon befürchtet von 100!) und es geht los. Das Feld setzt sich in Bewegung.

Los geht’s
Besondere Pfade

Schnell bin ich weit hinten im Feld unterwegs, denn Probleme mit dem rechten Sprunggelenk lassen mich vorsichtig laufen. Es geht über viele schmale Pfade durch den Wald. Die Wege sind gespickt mit Baumwurzeln, gute Konzentration ist die Basis für einen sturzfreien Lauf.

Gut markierter Wiesenweg

Ein Wiesenweg bietet eine schöne Aussicht über die Höhen des Hunsrücks. Nach 9 Kilometern kommt das erste Kletterstück über Felsen, gesichert mit Seilen und Klampen. Inzwischen habe ich mich auf den letzten Platz vorgearbeitet und Anna-Lena hat mich eingeholt, sie macht heute die Besenläuferin. 

Gesicherter Abstieg

Mitte im Abstieg preschen die beiden Führenden des später gestarteten 27 Kilometer-Laufes an mir vorbei. Ich staune, mit welchem Tempo sie sich hier in die Tiefe stürzen – ohne zu stürzen! Es folgt eine Passage an einem Bach entlang, mal rechtsseitig, mal linksseitig und immer mal wieder über Stege über das Wasser. 

Stege, mal stabil mal labil
Baumstamm als Treppe – Auf geht’s!
Burg Balduinseck
Wieder mit Eisen gesichert!

Immer wieder geht es vom Tal hinauf auf den Berg, kurz vor dem 1. VP ein richtig steiles Stück sehr unwegsam empor zur Aussicht auf die Burg Balduinseck und seilgesichert wieder hinunter. Am VP schnell die Flasche aufgefüllt und weiter geht’s durch eine Bahnunterführung gemeinsam mit dem Morsdorfer Bach. Bei Kilometer 16 rechne ich hoch: Wenn es so bleibt, werde ich in 8:25 Stunden ins Ziel kommen. Beruhigend.

Wunderschön!

Entlang am Bachbett, dann wieder hinauf zu einem Aussichtspunkt, wieder hinab zum Bach, um dann wieder steil hinauf zu einer Schutzhütte auf dem Bergrücken. Steil hinab über sandige, steile Abstiege. Stellenweise muss ich die Hände einsetzen. Alter Schwede! Trails ohne Ende.

Gipfelkreuz mit Aussicht

Nun weist ein Wegweiser links zum Anstieg zur Geierlay-Hängebrücke. Leider führt die Laufstrecke nach rechts, nochmal hinab zu einem Bach und über einen Wiesenweg. Über mir höre Stimmen! Höre ich schon Stimmen? Kann das sein? Mein Blick hinauf geht zur Hängebrücke, die von hier sehr hoch aussieht. Die Menschen darauf wirken wie Spielzeugfiguren. Nun geht es aufwärts, 100 Höhenmeter! Alter Schwede!

Beeindruckende Höhe!

Kurz vor der Brücke überhole ich ein Läuferpärchen. Die Läuferin wird hier an der Brücke den Lauf beenden und sich zum Ziel fahren lassen. Nun bin ich nicht mehr Letzter. Die Brücke ist wie immer gut besucht. 400 Meter lang und 100 Meter über dem Bach führt die Strecke über dieses Highlight. Beeindruckend. Nichts für Leute mit Höhenangst! Alle Läufer müssen die Brücke passieren, es gibt keine Alternative!

100 Meter über dem Bach!
Schon 11 Jahre alt! Ob sie noch hält?

Nur 500 Meter nach der Brücke überholt mich der Läufer und ich trage wieder die rote Laterne. Bei Kilometer 25, am 2. VP stärke ich mich. Die Helfer weisen mich freundlich darauf hin, dass die Bäume wie im Vorjahr kreuz und quer über dem Weg liegen. Nach Hinweis: „Aber die Äste sind nun ab!“, mache ich mich auf die Socken.

Ganz vorsichtig!

Wieder ganz unten über eine Wiese zu einer nicht sehr vertrauenswürdigen Brücke. Vorsichtig balanciere ich über die wacklige Paletten-Konstruktion. Dann wieder aufwärts. Nach der Höhe folgt der Weg entlang am Wasser. Den Einstieg macht ein Hindernis mit vier direkt hintereinander liegenden Bäumen. Mutig steige ich auf die Stämme 1 + 2, rutsche ab und hole mir an der Eichenborke eine heftige Blessur am Oberschenkel. Das merke ich aber erst etwas später, als ich das Blut sehe, das am Bein hinab läuft. Wenigstens etwas, was hier läuft, denke ich. Denn es geht einfach nicht vorwärts!

Augen zu und durch!

Immer wieder liegen die Bäume im Weg. Zwingen mich hinab, drüber oder drunter her. Spektakulär ist die Stelle, als nix mehr geht. Steiler Hang-Aufstieg bis zum Wurzelwerk des Baumes, drum herum und danach so steil hinab, dass ich nicht weiß, wie! Alter Schwede! Hinter der nächsten Kurve geht es weiter. Einmal ist es so steil, dass jemand zur Abstiegshilfe ein Seil am Baum festgebunden hat. Dankbar nutze ich dieses Angebot. Irgendwann ist der Mikado-Weg dann endlich überstanden.

Sehr willkommene Seilhilfe!
Anna-Lena mit ihrer Ausbeute an Trassierbändern

Es folgt direkt danach ein heftiger Anstieg. In Serpentinen geht es hinauf auf einen Bergrücken mit Aussicht. Hier überhole ich zwei Läufer. Einer der beiden wird am nächsten VP aufgeben. Der Abstieg vom Berg ist schlecht gekennzeichnet, ich laufe erst falsch. Ansonsten ist die Strecke mehr als gut ausgeschildert. Schilder, Trassierband in den Bäumen und Kreidespray-Pfeile auf der Erde. Super! Kilometer 32, Hochrechnung: 9:09 Stunden! Ich habe rund 30 Minuten Zeit verloren! So werde ich die Cut-Off-Zeit von 8:50 Stunden nicht schaffen! Die Lösung: Nun noch mehr laufen! Fatal wäre ein DNF nach 47 Kilometern!

Ich treffe Stefan, er sitzt auf einen Stamm neben dem Weg: „Ich habe keine Körner mehr!“ Er wird am nächsten VP aufgeben. Meine Getränke sind erschöpft. Noch 2 Kilometer bis zum VP. Meine Zunge klebt am Gaumen. Die Sonne brennt! Bergauf! Schwer! Egal, ich muss das Tempo halten! VP 3, km 35. Ich lasse meine Getränkeflaschen nachfüllen und trinke 0,7 Liter Cola. Esse Kuchen, Pellkartoffeln, Käse, noch ein Wasser, ich muss weiter! Als ich loslaufe sehe ich Anna-Lena, die auf den VP zuläuft. Anna-Lena hat auch die Aufgabe die aufgebenden Läufer zu betreuen, sie kommt somit nicht so schnell voran.

Sehr eigenwillige Straßen(unter)querung

Bei Kilometer 40 hole ich 2 Läuferinnen ein. Nun marschieren Katharina, Iriene und ich gemeinsam. Am Stoppelfeld schaue ich nach dem Wetter. 30° im Schatten. Nur, hier ist kein Schatten. Alter Schwede! Es kommt ein Bach. Wir müssen diesem folgen und unter der Brücke durch. Nur gut, dass dieser Bach nur wenig Wasser führt. 

Heiß!

Bei Kilometer 44 erreicht uns Anna-Lena. Gemeinsam nehmen wir die letzten Trassierbändchen ab. Dann erreichen wir endlich das Ziel. 47,2 Kilometer zeigt die Uhr und 1.200 Höhenmeter – und 8:45:22 Stunden. GESCHAFFT! 223 von 240 gestarteten Läufer erreichen das Ziel. 

Geschafft!

Fazit: Ein besonderer Trail-Lauf mit vielen Highlights aber auch mit sehr anspruchsvoller Streckenführung. 2025 betrug das Zeitlimit 10 Stunden, nun noch 9 Stunden. Für mich ist dieser Lauf nun Geschichte, denn den Druck, gegen das Zeitlimit anlaufen zu müssen, möchte ich mir nicht mehr antun (Außer, die Bäume werden weggeräumt!). Für schnellere Läufer spreche ich die Empfehlung aus: Wer besondere Trails liebt, der ist hier genau richtig!