04.09. Hermannsweglauf Tag1

Unser ständiger Begleiter

Um 7 Uhr fahren die Taxis uns vom Ziel in Bielefeld nach Leopoldstal zum Start. Unser Taxi wirft uns an den Gleisen aus dem Auto und weg ist es. Wir finden keinen Bahnhof, nur ein Stellwerk. Google-Maps sagt, der Bahnhof ist aus der anderen Seite etwa 900 Meter entfernt. Prima! Der Lauf beginnt also mit einer Verlängerung der Strecke! Plus Verspätung. Alle anderen haben den Bahnhof auf Anhieb gefunden! Nach Begrüßung und Briefing von Ute geht es um 8:15 Uhr los. 

Heidelandschaft

Gemeinsam mit Natascha mache ich mich auf den Weg. Die Strecke führt sofort hinauf Richtung Velmerstot. Es handelt sich um einen Doppelgipfel, die Schwestern sind Preußische Velmerstot (468 NN) und Lippische Velmerstot (441 NN), Hier oben verlief die Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Fürstentum Lippe. Wir bleiben im Lippischen und umrunden den höchsten Punkt, auf dem ein Gedenkstein thront. 1916 wurde dieser anlässlich der Vermessung aufgestellt. Auf dem Stein findet sich dieser Spruch: „Komm gern zu mir und schone mich, denn alles geschah für dich!“

Lippische Velmerstot

Der Weg führt nun durch eine herrliche Heidelandschaft mit schönen Ausblicken. Nach einem anstrengenden Abstieg über Stock und Stein und Wurzelwerk, kommt endlich ein breiter Forstweg, den man laufen kann. Bald kommen uns Friedrich und Stefan entgegen, sie haben den Abzweig verpasst. Gemeinsam strunkeln wir den nächsten unwegsamen Singletrail entlang. Kurz nach dieser morschen Brücke verlieren wir die beiden wieder. 

Nicht ungefährlich

Externsteine 4,4 Kilometer zeigt das Schild unser nächstes Ziel an. Wieder aufwärts, abwärts, wieder eine Steigung, leicht ist anders! Über den Knickenhagen kommen wir zu den Externsteinen, die uns ganz oben begrüßen. Nun steil abwärts und schon stehen wir vor der beeindruckenden 40 Meter hohen Sandsteinformation. Kein Wunder, dass dieser Ort die Menschen zu jeder Zeit begeistert hat und von ihnen verehrt wurde. 

Felsformation mit „Wackelstein“

Noch heute gelten diese Felsen als Kraftort mit geomantischen und spirituellen Eigenschaften. Esoterische Gruppen feiern die Walpurgisnacht und die Mittsommernacht mit festivalartigen Aktivitäten rund um die Steine.

40 Meter hoher Sandstein

Natascha muss den Lauf hier leider verletzungsbedingt beenden. Sehr schade! Frank wartet an den Steinen und kümmert sich! So gehe ich allein in die nächste Steigung, den Bärenberg. Seit Beginn des Laufes orientiere ich mich an der guten Beschilderung des Wanderweges und nutze keinen Track. Bald hole ich Friedrich und Stefan wieder ein, die einen kleinen Abstecher zu einem Aussichtspunkt gemacht haben. Wir passieren auf Höhe 415 Meter den Gedenkstein „Vogeltaufe“.

„Vogeltaufe 415“

Die Sage: Der Abt Anastasius wollte an dieser Stelle lippische Heiden taufen. Als die begleitenden Mönche überfallen wurden, begann die Taufe ohne sie. Bei der Taufe von Abbio von Titomalli zwitscherte plötzlich eine große Schar Vögel fröhlich dazu.

Am folgenden Abzweig weist der Track nach rechts, die Markierung nach links. Wir folgen der Markierung, was uns etwa 1,4 Kilometer Mehrweg einbringt, wie ich am Folgetag bei der Ansicht der Strecke feststellen werde.

Nach einem technischen Halt bin ich wieder allein unterwegs. Der Anstieg zur Adlerwarte Berlebeck ist echt steil. Leider sehe ich keine Flugkünstler, denn die Vorstellungen beginnen erst in 15 Minuten. 

Hermeline

In einem Hauseingang sehe ich diese Pappkameradin, es kann nicht mehr weit sein bis zum Denkmal. Zur Vorsicht hatte ich Komoot eingeschaltet. Ich folge dem H und schon meldet sich die Stimme: „Du bist nicht mehr auf der Strecke, schau auf die Karte!“ Mist, wieder weicht der Track ab vom H. Also 200 Meter zurück!  

Hermannsläufer

Nächstes Ziel: Hermannsdenkmal. Hier treffe ich meine Mitläufer wieder. Wir verlassen die Strecke für ein Foto am Denkmal, so viel Zeit muss sein.

Seit 1875 steht er hier. Alle 3 Stunden ist Handwechsel! 😉

Aussichtsstelle

Bei km 22,2 soll der VP1 auf uns warten, meine Uhr zeigt bereits 23 km an!? Es geht abwärts mit einem herrlichen Ausblick ins Detmolder Land. Nur Schade, dass die Sonne nicht scheint! Mehrere H-Markierungen, wir folgen einer zu einem Wassertretbecken. Auch hier: Das war falsch. So sammeln wir Meter um Meter, Umwege!

Schutzhütte = VP1

Endlich tauchen Ute und der VP vor uns auf. Meine Getränke sind schon seit einer Stunde alle, schnell Flaschen auffüllen und viel trinken. Leckere Pellkartoffeln gibt es und Kekse! 25,3 km zeigt meine Uhr! Aber Ute behauptet steif und fest: „Hier ist Kilometer 22,2, wenn ihr dem Track gefolgt seid!“ Mein Fazit: Das wird ein langer Tag heute!

Donoper Teich

Wir stellen fest, dass der Hermannslauf einen ganz anderen Verlauf hat als der Hermannsweg. Vom Ehberg keine Spur! Dafür passieren wir den Donoper Teich, idyllisch mitten im Wald gelegen. Es folgen Bienen Schmidt, eine Waldwirtschaft mit Biergarten, und die Quelle Rethlage. Leider ist diese auch ausgetrocknet nach der Dürre in diesem Sommer! Wir kommen dann doch auf die Stecke vom Hermannlauf. Wir marschieren den Tönsberg hinauf.

Ehrenmal

Wikipedia: Das Ehrenmal aus dem Jahr 1930 erinnert an die im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gefallenen Soldaten des Königlich Preußischen Königs-Infanterie-Regiments Nr. 145.

Ein Blick nach Norden: Regen verdeckt den Blick ins Land. Erste Tropfen, eine Sturmböe. 15 Sekunden später schüttet es. Kurzer Halt, Regenjacke an. Friedrich kämpft mit seinem flatternden Plastikumhang! Am Kump, einem Rest einer Windmühle vor Oerlinghausen mache ich ein Regenfoto. 

Ab hier ist der Regen unser ständiger Begleiter

Kurz nach Oerlinghausen wartet Ute, bewaffnet mit Regenschirm und Regenzeug, am VP2 auf uns. Wir sind klatschnass, alles ist klatschnass! Nur die Kekse in der Box sind trocken. Weiter, wir müssen weiter! In Bewegung bleiben!

Statt durch das Schopketal laufen wir um einen Berg herum, bis wir an den Lämmershagener Treppen wieder auf den Hermannslaufweg treffen, dem wir nun bis ins Ziel folgen werden. An den Treppen mache ich das letzte Foto. Denn ab hier kämpfen wir mit dem und gegen das Wetter! 

Eine Legende, die Lämmershagener Treppen

Ute meldet sich, an der Sparrenburg findet wohl bald ein Volkslauf statt, es seinen Absperrungen aufgebaut. Ok, das werden wir schon irgendwie schaffen. Sie soll uns nur nicht nachmelden! Dafür reicht die Kraft nicht mehr.

Nach der Gaststätte Eiserner Anton setzt Starkregen ein, begleitet von heftigen Sturmböen! Gegensturm! Alter Schwede! Mein Oberkörper ist nass und kühlt aus. Es bewahrheitet sich: „Der größte Feind des Läufers ist der Wind!“ Eine zweite Regenjacke hilft da sehr! Gut, dass ich immer alles im Rucksack dabeihabe! Bergab begleiten mich kleine rot gefärbte Flüsse. In der Senke steht das Wasser 15 Zentimeter tief, Umgehung Fehlanzeige! Und im folgenden Aufstieg umspielt, überspült braune Brühe meine Schuhe. 

Zwei Kilometer vor dem Ziel treffen wir auf die Volksläufer. Der Lauf findet statt, das hatten wir nicht erwartet! Wir müssen uns durch das Feld schlängeln, um auf die Promenade zu gelangen. Es ist ein Feuerwehrlauf. Sehr passend! Es schüttet wie aus C-Rohren! 

Noch 1 Kilometer. Wenn wir nun durchlaufen bis zur Sparrenburg, werden wir die Plätze 1 bis 3 in der 10 km Wertung belegen. Aber: Wir wollen ja den echten Siegern die Schau nicht stehlen und machen kurz vor dem Ziel Schluss für heute. Uhr abdrücken, fertig! Etappe 1 mit 3,5 Zusatzkilometern geschafft! Friedrich und Stefan haben sogar plus 4,5 km auf der Uhr! Wir machen uns auf den Weg zu den Autos und klatschen für die vorbeihechelnden Finisher über 10 Kilometer Feuerwehrlauf. Unser Ziel: Raus aus den nassen Klamotten!