
Gasselte (NL) Den ganzen Vortag hat es geregnet! Heute soll es ab 12 Uhr auch immer wieder regnen, verbunden mit ordentlich Wind. Meine Stimmung ist entsprechend. Als ich aus dem Auto steige, stehe ich auf einer Wiese, nass wie ein Schwamm! Na prima! Irina, Nicole und Ute haben sich für zwei Nächte in einer Blockhütte eingemietet und gewähren mir Zuflucht. Bei einem Kaffee hören wir, wie es draußen wieder schüttet! Als es um 9:45 Uhr aufklart, holen wie fix die Startnummern ab und machen uns fertig zum Start um 10:30 Uhr.

Etwa 180 Teilnehmer machen sich dann auf die Socken. Schon bald biegen wir in einen Single-Trail ein und das Feld staut sich. Danach haben die Läufer vom 100MC ihren Platz gefunden – ganz hinten im Feld. Egal! Die Strecke führt wunderschön durch die Wälder. Immer wieder tauchen schöne Fotomotive auf.


Die querliegenden Bäume, in jeder Dicke und Höhe sind das Markenzeichen dieser Veranstaltung. Wie viele es waren? 100, 150, oder mehr!? Immer wieder anhalten, überqueren und wieder loslaufen. Dies kosten Rhythmus und viel Kraft!


Irina, unsere Pilzbeauftragte, ist ganz aus dem Häuschen, denn überall stehen Pilze. Gerne würde sie ein paar Steinpilze oder andere schmackhafte Kollegen mitnehmen! Aber dies sei in Holland absolut verboten, so Irina. Vergehen würden hart bestraft! Also begnügen wir uns mit Fotos.

Nach 8 Kilometern Waldwege kommen wir an offenes Gelände und umlaufen einen See. Dunkelgraue Wolken ziehen auf und direkt nach dem Verpflegungsstand bei Kilometer 9 setzt heftiger Regen mit Schauerböen ein. Nun freue ich mich sehr, dass ich die neue Regenjacke aus dem Rucksack holen kann.

Die Sonne nach dem Regen bringt die Regentropfen an den Kiefernadeln gut zur Geltung. Die Strecke schlängelt sich nun durch eine Heidelandschaft. Es macht Spaß zu laufen, auch wenn man ständig voll konzentriert sein muss, um nicht auf der Nase zu liegen.


Einige Flächen sind eingezäunt und nur mit den Übersteighilfen zu betreten. „Höhenmeter sammeln in Holland“, meint Irina. Nicht nur auf den kleinen Wegen stehen Wasser und Matsche, auch auf den wenigen breiteren Wegen holt man sich nasse Dreckschuhe.


Oft stehen dunkle Regenwolken bereit, um uns abzukühlen. Aber wir haben Glück, nach dem Schauer um 12 Uhr bleibt es so gut wie trocken. VP 1 bei Kilometer 9, VP 2 bei Kilometer 19, kurz danach folgt die Streckentrennung. Die Strecke der 27 km Läufer biegt ab Richtung Ziel, die 50er, 75er und 100er dürfen sich noch weiter austoben.

Die Beschilderung ist ausgezeichnet. Überall hängen rote Bändchen an den Bäumen. Hängen 2 Bändchen heißt es abbiegen, in die Richtung, auf der die Bändchen hängen.

Die Wälder dienen der Erholung. Die Zugänge sind beschildert: Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang sind Betreten, Wandern, Radfahren und Reiten auf Wegen und Pfaden erlaubt.

Nun durchlaufen wir ein Moorgebiet mit schönen Teichen. Ein Foto muss sein.

Die grünen Flächen im Wald sind eine Wohltat für die Augen, ich bin froh, heute mit dabei zu sein. Bei Kilometer 22 verlaufen wir (Irina, Nicloe und ich) uns trotz der Markierungen kurz. Aber auch 400 Meter mehr müssen nicht sein. Bald sehen wir hinter uns Gerd und Volkmar anmarschieren. Wir denken, dass kann doch nicht sein! So langsam waren wir doch gar nicht! Die beiden schließen bei Kilometer 25 auf und führen nun das Quintett der 100MC-Läufer an!

Gerd immer wie eine Lokomotive voraus und Volkmar wie der Tender immer in seinem Windschatten.

Angekoppelt sind nun die Waggons Nicole (1. Klasse Wagen), Irina (Speisewagen, aber ohne Pilze!) und Uwe (Schlafwagen). Einzig unser Steuerwagen fehlt, denn Ute hat ein anderes Gleis, die Strecke über 27 Kilometer, gewählt.
Ab und an wurde auch die Waggonreihenfolge geändert!


Bei Kilometer 29 erreichen wir den 3. und letzten VP. Hier gibt es alles! Wir greifen bei den Eier-Pfannkuchen zu. Ordentlich Zuckerrübensirup drauf und genießen. Lecker! Die Helfer sind sehr freundlich!! Sie machen noch ein Video von der Duitschen Hardloopgroup! Nach 5 Minuten Kaloriensammeln sagen wir: Bedankt! Und müssen weiter.

Immer wieder zeigen sich bedrohliche Wolkenformationen hinter den Sonnenstrahlen. Aber wir haben weiter Glück. Ab Kilometer 15 hat Irina immer wieder das Thema „Kuhwiese“! 2025 hatte sich die Gruppe dort verlaufen. Nun wartet sie seit Stunden auf diese verflixte Wiese. 2025 hatten hier die Kühe die Bändchen abgerissen, was zu einem ordentlichen Umweg führte. Das soll ihr heute nicht passieren. Bei Kilometer 40 ist klar: Entweder gibt es nun keine Kühe auf der Wiese oder die Strecke wurde verlegt.

In den Wäldern warten wieder die liegenden Bäume auf uns! Irina versucht es mit Kletterei, muss aber bald einsehen, dass ein Umweg um diesen mächtigen Kameraden sinnvoller und ungefährlicher ist.

Wieder ein See im Moor, dieses Mal im Licht der bereits sinkenden Sonne. Heute ist Sonnenuntergang um 18:47 Uhr. Wir wissen, dass die Dämmerung gegen 18:30 Uhr einsetzen und es heute gegen 19:00 Uhr finster sein wird. Kilometer 40, unsere Lokomotive macht nun wieder mächtig Dampf, wohl, um es vor 19 Uhr zu schaffen.
Wenige Kilometer vor dem Ziel erreichen wir einen schönen See mit sandigem Ufer.


Weniger schön ist dann allerdings der Aufstieg auf eine Düne. 30 hohe Stufen gehen mächtig in die müden Beine. Alter Schwede! Der Abstieg ist auch nicht ohne!
Der Speisewagen ist müde und wird abgekoppelt. Noch sehe ich den Zug durch den Wald rollen, nach einer Pinkelpause ist die Truppe dann allerdings verschwunden. Ich bin wieder allein unterwegs und orientiere mich an den Markierungen.
Bis ich plötzlich die Dampflokomotive hinter mir kommen höre! Sie hatte ein falsches Gleis gewählt und alle angekoppelten Waggons sind gefolgt.

Mit der Dämmerung erreichen wir die schlammigsten Passagen des heutigen Laufes. Diese Schikanen hat der Veranstalter wohl bewusst ganz am Ende platziert. Damit wir diesen Lauf in bester Erinnerung behalten! Die schmalen Pfade sind fast unpassierbar! Alter Falter!
Die Dämmerung schlägt in wenigen Minuten in Dunkelheit um. Gut, dass ich meine Stirnlampe dabeihabe. Nun zeigt sich wieder die gute Organisation. Die Markierungsbändchen sind mit Silberfolie beschichtet, die angestrahlt hervorragend leuchten. So ist der Weg nachts noch besser zu finden als bei Tageslicht.
Die 2 letzten Kilometer ist es stockdunkel! Aber nun stehen Helfer an den Wegen und motivieren uns: „Een Punt Twee Kilometers!“ Ruft mir einer zu. Ok, also noch 1,2 Kilometer.
Dann sind wir im Ziel. Als Belohnung gibt es eine schöne Medaille und ein Tuch in den Farben der Veranstaltung.

Maak alsjeblieft een foto van ons! Sofort steht der Sprecher der Veranstaltung für die Aufnahme zur Verfügung. Mit dabei auch unser Steuerwagen!

So geht ein Lauf über 50 km nach 52 km zu Ende. Wir sind uns einig: Das war heute eine sehr schöne Strecke – aber auch sehr anspruchsvoll. Wir sind stolz, den 10. Indian Summer Ultra 2026 bewältigt zu haben. Und Ute träumt schon von 2027, wenn sie wieder über 50 Kilometer starten wird.